«Ich will einen Funken zünden»

Kein Zugverkehr mehr direkt am See und eine Zusammenarbeit der Airports Friedrichshafen und Altenrhein: Der ehemalige Bankier Konrad Hummler präsentiert heute in Goldach Ideen, wie die Bedeutung der Bodenseeregion gesteigert werden könnte. Herr Hummler, Sie sind in St.

Valentin Schneeberger
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Konrad Hummler folgt einer Einladung der IG Stadt am See. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Konrad Hummler folgt einer Einladung der IG Stadt am See. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Kein Zugverkehr mehr direkt am See und eine Zusammenarbeit der Airports Friedrichshafen und Altenrhein: Der ehemalige Bankier Konrad Hummler präsentiert heute in Goldach Ideen, wie die Bedeutung der Bodenseeregion gesteigert werden könnte.

Herr Hummler, Sie sind in St. Gallen aufgewachsen und wohnen in Teufen. Heute werden Sie über den Bodensee sprechen. Weshalb?

Konrad Hummler: Das hat einen familiären Hintergrund. Mein Grossvater war Apotheker in Arbon, und ein anderer Teil meiner Familie stammte aus Lindau. Deshalb zog es mich schon als Kind an den Bodensee.

Dann erwartet die Zuhörer Ihres Referats eine Familiengeschichte?

Hummler: Nein. Es geht um die Bedeutung des Bodensees. Diese hat sich in den letzten 100 Jahren stark verändert. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs war der Bodensee ein verbindendes Element. Es herrschte ein reger Austausch zwischen den angrenzenden Ländern. So zogen beispielsweise viele Ostschweizer nach Lindau und umgekehrt. Ein Viertel der Familien im St. Galler Bürgerbuch hat Wurzeln im süddeutschen Raum. Nicht nur meine Familie. Selbst die Eigentümer der vormaligen Bank Wegelin sind aus Lindau gekommen.

Weshalb hat sich die Bedeutung des Bodensees verändert?

Hummler: Der Erste Weltkrieg machte alles zunichte. Der Bodensee mutierte für die Schweiz zur äussersten östlichen Grenze. Mich beschäftigt an dieser Entwicklung aber nicht nur der geschichtliche Aspekt. In meinem Referat spreche ich über Ideen, wie wir unsere Position in Mitteleuropa wieder zu unseren Gunsten verändern und den Bodensee wieder zu einem verbindenden Element machen können.

Wie wollen Sie das anstellen?

Hummler: Mit meinen Ideen will ich einen Funken zünden. Als erstes plädiere ich für eine Zusammenarbeit der Airports Altenrhein und Friedrichshafen. Mit der Grösse des Einzugsgebiets des Flugplatzes in Altenrhein ist Wien als einziges Anflugsziel zu wenig. Weiter muss die Bahn weg vom See. Es kann nicht sein, dass ein so wertvolles Element, wie das Land am Seeufer, vom Zugverkehr zerschnitten wird. Drittens braucht es in der weiteren Entwicklung der Agglomerationen gestalterische Elemente. Unsere Vorfahren haben Stadtparks gebaut als die Städte grösser wurden. Die einzige Leistung unserer Generation in bezug auf die Gestaltung sind Kreisel. Das ist zu wenig.

Als ehemaliger Bankier kennen Sie sich mit Fusionen aus. Was halten Sie von der Idee Stadt am See?

Hummler: Ich bin da eher skeptisch. Es besteht die Gefahr, dass durch eine Fusion vieles komplizierter wird. Beispielsweise wäre der Verwaltungsaufwand einer Stadt am See wohl grösser als heute. Ich sehe die Vorteile deshalb eher in einer situativen Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Gemeinden.

Das öffentliche Referat von Konrad Hummler in der Aula der Oberstufe Goldach beginnt um 20 Uhr. Die Veranstaltung wird organisiert von der IG Stadt am See.