«Ich will das Vergängliche zeigen»

Nachgefragt

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Als Patrik Muchenberger von der Lichtwoche anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Kunstvereins hörte, war für ihn klar, dass er sich unbedingt an diesem Anlass beteiligen möchte. Der in Rorschach wohnhafte Künstler sagt, welches Motiv er aus der Geschichte Rorschachs für seine Lichtinstallation gewählt hat.

Patrik Muchenberger, im Rahmen der Lichtwoche zeigen Sie in Rorschach erstmals eine Lichtinstallation. Waren Sie nervös?

Nein. Ich machte vor der ersten Aufführung eine Hauptprobe. Dort hat alles gut funktioniert. Zudem hatte ich bereits während meines Studiums der Angewandten Kunst in Wien transmediale Kunst geschaffen.

Was zeigen Sie bei der Kirche St. Kolumban in Rorschach?

Ich habe acht Bilder auf drei Meter lange Baumwollbanner gemalt, die von Bäumen auf dem Kolumban-Friedhof hängen. Die Banner verweisen auf den Untergang des einst blühenden Leinwandhandels in Rorschach. Im 18. Jahrhundert waren in der Eisenbahnerstadt viele Familien heimisch, die vom Leinwand- handel lebten. Mit dem Aufkommen der Baumwollindustrie im 19. Jahrhundert wurde der Industriehanf und damit der Wirtschaftszweig verdrängt. Einige Leinwandhandelsfamilien sind auf dem Kolumban-Friedhof in Katakomben begraben.

Warum haben Sie diese Geschichte als Motiv gewählt?

Es geht mir unter anderem darum, die Vergänglichkeit von Erfolg im neoliberalen System darzustellen. Es ist für uns schwieriger, uns ein Ende des Kapitalismus vorzustellen als das Ende der Welt.

Welche Techniken nutzen Sie für die Installation?

Für die Bilder habe ich Ölfarben mit phosphoreszierenden und fluoreszierenden Pigmenten eingesetzt. Die Farben verändern sich, wenn man sie mit einer UV-Lampe beleuchtet. Wenn man das Licht abstellt, leuchten gewisse Teile der Farbe nach.

Gemäss Ihrem Leitsatz – keine Farben ohne Licht ...

Genau. Die Malerei lebt von der Reflexion, vom Licht, das auf das Bild fällt. Erstmals mit UV-Licht gearbeitet habe ich in Brasilien, wo ich mit meiner Frau für ein Jahr gelebt habe.

Welches war die grösste Herausforderung?

Ich wollte die Malerei mit einer digitalen Arbeit verbinden. Ich habe ein Hologramm auf einen Sockel montiert, von dem das Jesuskreuz weggebrochen war. Das war der schwierigste Teil meiner Arbeit. (jan)

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