«Ich war völlig perplex»

Gleichzeitig so überraschend wie verdient war die Ehrenföbü-Wahl noch selten. Die Karikaturistin Corinne Bromundt hatte einen Auftrag vermutet, als sie Mitte Januar zu einem Gespräch mit Föbü-Vertretern eingeladen wurde.

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Corinne Bromundt während des Verschusses am Samstagabend: Sie liess sich mittragen von der guten Stimmung (links Ehrenföbü-Präsident Peter Stössel). (Bild: Luca Linder)

Corinne Bromundt während des Verschusses am Samstagabend: Sie liess sich mittragen von der guten Stimmung (links Ehrenföbü-Präsident Peter Stössel). (Bild: Luca Linder)

Frau Bromundt, Sie haben früher schon Auszeichnungen erhalten. Die vom vergangenen Samstag fiel wohl aus dem Rahmen.

Corinne Bromundt: Ich war völlig perplex, als ich eingeweiht wurde. Dass an der Fasnacht Föbüs und manchmal auch Föbinen gewählt werden, war mir bekannt. Aber nie dachte ich, dass meine Zeichnungen und Illustrationen, auch nicht die 500 Bärenzeichnungen im «Tagblatt», so stark wahrgenommen werden. Ich arbeite ja allein zu Hause und bin nicht gross vernetzt.

Wie haben Sie denn von der Ehre erfahren?

Bromundt: Stadtrat Fredy Brunner meldete sich bei mir telefonisch und bot mich zu einer «dringenden Besprechung» auf. Als ich bei ihm erschien, war auch sein Föbü-Kollege Michael Hüppi zugegen. Ich dachte, es könne sich nur um die Besprechung einer zeichnerischen Arbeit handeln, und fiel dann aus allen Wolken.

Dann waren Sie wohl hocherfreut?

Bromundt: Ich dachte im ersten Moment, ich sei im falschen Film. Aber rasch stand die grosse Freude im Vordergrund, dass eine Gruppe von Leuten in einem Abstimmungsprozess zum Schluss kommt, bei mir anzuklopfen und mich anzufragen, ob ich mitmachen wolle.

Wie mussten Sie sich als designierte Föbine auf den Abend vorbereiten?

Bromundt: Am Samstagvormittag besprachen wir den Ablauf des Föbü-Verschusses. Ich wurde als Hexe eingekleidet in Anlehnung an mein Logo, auf dem eine Hexe auf einem Pinsel daherfliegt. Ausserdem musste ich mir drei Wünsche gut überlegen, welche der gewählten Person jeweils gewährt werden. Ich bin mir Auftritte auf Bühnen nicht gewohnt. Ich suche die Öffentlichkeit nicht auf diese Weise, deshalb blieb ein «Restrisiko» bestehen.

Wie haben Sie den Abend erlebt?

Bromundt: Ich liess mich anstecken von der guten Stimmung. Nach dem Ritual zog sich die Föbü-Gesellschaft zum Nachtessen zurück, und ich stellte mich mit einer Präsentation vor, in welcher ich Zeichnungen der letzten Jahre neu und in animierten Bildern zusammengestellt habe.

Bei der Gelegenheit waren die Föbüs sehr charmant zu Ihnen…

Bromundt: Das waren sie – und die Föbinen ebenso. Ich bin einer gutgelaunten, sympathischen Gruppe unterschiedlichster Personen begegnet. Was 1973 mit Künstler Max Oertle, dem ersten Gewählten, begonnen hat, scheint mir wie ein lebendiges, langfristig angelegtes Kunstprojekt unter dem Titel «Wie das Leben so spielt» zu sein. Die stete Fortsetzung über Jahre hinweg hat etwas Zauberhaftes und Verzauberndes – nicht nur für eine Hexe! Dessen ist man sich, glaube ich, gar nicht bewusst.

Was tun Sie, wenn Sie keine Bären fürs das St. Galler Tagblatt zeichnen?

Bromundt: Für das SRF-Schulfernsehen mache ich momentan Illustrationen für kurze Einspieler. Ausserdem habe ich Aufträge für St. Galler Firmen und Institutionen sowie eine interessante Arbeit zum Thema «Väter».

Wie entstehen Ihre Werke?

Bromundt: Ich zeichne zunächst mit Bleistift und wechsle dann auf digitale Bearbeitung. Vor meinem inneren Auge zieht ein Bild vorbei, das ich auf Papier bringe. Danach überlege ich mir, ob das auch für den Betrachter funktioniert. Es ist ein steter Wechsel zwischen Inspiration und Reflexion.

Interview: Fredi Kurth