«Ich trete wieder an»

Auf dem Inserateweg will die SVP einen Nachfolger für Alex Brühwiler suchen. Findet sie einen Kandidaten, kommt es zur Kampfwahl, denn der Gossauer Stadtpräsident strebt eine vierte Amtsdauer an.

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Alex Brühwiler Stadtpräsident Gossau (Bild: Quelle)

Alex Brühwiler Stadtpräsident Gossau (Bild: Quelle)

Herr Brühwiler, die SVP will Sie nicht mehr. Überrascht Sie das?

Alex Brühwiler: Schon im Jahr 2000 hat sich die SVP gegen meine Kandidatur ausgesprochen. Diese Grundhaltung hat sich seither nicht verändert. Insofern gibt es nichts Überraschendes.

Sie haben Ihren Rücktritt gar nicht erklärt und bereits wird ein Nachfolger gesucht. Hinter Ihrem Rücken. Kein angenehmes Gefühl.

Brühwiler: Als Beobachter und Betroffener stelle ich fest, dass sich die «Sitten und Bräuche» in der Politik in den vergangenen Jahren markant verändert haben. Der Umgang ist deutlich ruppiger geworden – übrigens nicht nur in Gossau. Aus der täglichen Arbeit als Stadtpräsident bin ich mir deshalb einiges gewohnt. Da darf man nicht zimperlich sein.

Aber verletzt Sie das Vorgehen nicht auch ein wenig?

Brühwiler: Nein. Aber die Vorgänge werfen ein schiefes Licht auf jene Leute, die im Hintergrund mit geschlossenem Visier kämpfen.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie von diesem Inserat gehört haben?

Brühwiler: Ich habe von den Plänen der Parteien nicht erst gestern erfahren. Der von ihnen eingeschlagene Weg ist übrigens nicht neu. In verschiedenen Gemeinden hat man es in der jüngeren Vergangenheit auch schon so oder ähnlich gemacht. Letztlich ist es eine Frage des gegenseitigen Respekts und der politischen Kultur.

Wie werden Sie auf diese «Verschwörung» reagieren?

Brühwiler: Von «Verschwörung» kann nicht die Rede sein. Das für viele Gossauerinnen und Gossauer völlig überraschende Vorpreschen der SVP wirkt auf mich vielmehr wie ein Versuchsballon, um zu sehen, wer wie reagiert. Man hat diesen gar etwas früh gestartet, und vielleicht geht ihm ja bald schon die Luft aus.

Die SVP argumentiert, dass drei Amtsdauern für einen Stadtpräsidenten genug seien und Gossau frischen Wind brauche. Das kann man so sehen.

Brühwiler: Gewählt wird alle vier Jahre. In der Vergangenheit standen nebst mir immer auch weitere Anwärter für das Amt des Stadtpräsidenten zur Verfügung. Die Stimmberechtigten konnten somit auswählen. Und sie haben es getan. Im Herbst 2012 werden die gleichen Spielregeln gelten.

Fühlen Sie sich nicht unter Druck?

Brühwiler: Die Aktion der SVP trage ich mit Gelassenheit. Ich bin auch überzeugt, dass die politisch Interessierten dieses Vorgehen richtig einzuschätzen wissen.

Was, wenn sich tatsächlich eine überparteiliche Findungskommission bildet?

Brühwiler: Aufgabe der Parteien ist es, hinreichend qualifiziertes Personal für die öffentlichen Ämter zu rekrutieren. Der Weg, den sie dabei einschlagen, ist ihnen freigestellt. So gesehen ist das Vorgehen durchaus legitim.

Immerhin wird dem Volk dann wieder eine Auswahl geboten. Als Demokrat müssten Sie das begrüssen?

Brühwiler: Dagegen gibt es nichts einzuwenden. Wählen heisst auch auswählen. Konkurrenz belebt und Konkurrenz motiviert.

Als Parteiloser haben Sie jedoch keine Partei, die Ihnen den Rücken stärkt. Könnte das zu einem Nachteil werden?

Brühwiler: Die Mitglieder des Stadtrates werden durch das Volk im Majorzsystem gewählt. Matchentscheidend ist erfahrungsgemäss nicht die Parteizugehörigkeit, sondern die Persönlichkeit und der Leistungsausweis eines Kandidaten. Weil man sich in Gossau gegenseitig kennt, ist es für die Stimmberechtigten ziemlich einfach, sich über einen Kandidaten auch ein zuverlässiges Bild zu machen.

Sie treten im Herbst 2012 also noch einmal an.

Brühwiler: Ja, ich werde mich 2012 einer Wiederwahl stellen.

Interview: Marion Loher