Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Ich kehre immer wieder zurück»

Martin Würmli war einer der profiliertesten Stadtparlamentarier. In den vergangenen Jahren habe er gelernt, über Grenzen hinweg zu denken, wie er selber sagt. Nun zieht es den Ur-St. Galler als Stadtschreiber nach Zug.
David Gadze
Martin Würmli in seinem «Wohnzimmer»: Zuletzt wohnte der Stadtparlamentarier direkt am Roten Platz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Martin Würmli in seinem «Wohnzimmer»: Zuletzt wohnte der Stadtparlamentarier direkt am Roten Platz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Er wurde hier geboren, ging im St. Leonhard zur Schule, besuchte die Flade und die Kantonsschule am Burggraben und studierte Rechtswissenschaften an der Universität St. Gallen. Martin Würmli ist ein Ur-Stadtsanktgaller. Bis auf ein halbes Jahr, währenddem er am damaligen Bundesverwaltungsgericht in Lausanne arbeitete, lebte er immer in der Gallusstadt. Ebenso in den vergangenen vier Jahren, in denen er Sekretär des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Appenzell Innerrhoden war. Nun ist der ehemalige CVP-Stadtparlamentarier zu seiner Partnerin nach Zug gezogen und hat dort die Stelle des Stadtschreibers angetreten.

Ein sehr liberaler CVPler

Während der Kantizeit begann sich Würmli für Politik zu interessieren. «Ich fand die politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge spannend. Deshalb habe ich beschlossen, selber aktiv zu werden.» Er trat der Jungen CVP bei, wurde Präsident der Kantonalpartei und schliesslich der städtischen CVP. «Ich vertrete ein sehr liberales Gedankengut, mag aber die ethischen Grundwerte der CVP.»

In den vergangenen Jahren habe er eine Entwicklung durchgemacht, sagt Würmli. Früher habe er eine engstirnigere Sicht gehabt und sei «radikaler liberal» gewesen als heute. Inzwischen gefalle es ihm, über Grenzen hinweg zu denken und zu arbeiten. «Ich versuche immer, genau hinzuschauen, aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln.»

Verschiedene Türen geöffnet

Durch die Tätigkeiten in Politik und Beruf öffneten sich ihm auch andere Türen. Nach der Debatte um den Schuldenerlass für den FC St. Gallen wurde er Beirat, obwohl er dem Fussballclub gegenüber «sehr skeptisch» eingestellt war. «Der Fussball war eine fremde Welt für mich.» Ins Amt des Präsidenten der TCS-Regionalgruppe St. Gallen und Umgebung sei er durch seine Anwaltstätigkeit und durch sein politisches Engagement «hineingerutscht», sagt Würmli. «In der Verkehrspolitik gab und gibt es viele ungelöste Fragen. Mein Fokus lag aber nicht nur auf dem Individualverkehr. Ich wollte alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen.» Schliesslich habe er nicht einmal ein Auto besessen, als er zum Präsidenten gewählt wurde.

Nach der Rücktrittsankündigung von Barbara Eberhard wurde der 36-Jährige als neuer Stadtrat gehandelt. «Es ist ein offenes Geheimnis, dass mich dieser Job gereizt hätte. Aber auch in der Politik muss man zur rechten Zeit am rechten Ort sein.» Zu warten, bis sich eine neue Chance bietet, mochte Würmli nicht. «Ich richte mein Leben nicht darauf aus, was in einigen Jahren sein könnte. Ich höre auf meinen Bauch und mache das, was im Moment richtig ist und worauf ich Lust habe.»

«Es braucht eine Streitkultur»

Aus seiner Zeit im Stadtparlament nehme er drei Erkenntnisse mit, sagt Martin Würmli. Die erste sei die Ernüchterung, dass das Parlament einen zu schwachen Gegenpol zum Stadtrat bilde und Gefahr laufe, zu einem «Abnickerrat» zu werden. Dennoch – und das sei die zweite Erkenntnis – könne es zu sehr lebhaften Diskussionen kommen. «In den letzten Monaten habe auch ich öfter die Debatten gesucht. Diese gesunde Streitkultur sollte zunehmen.» Denn Politik sei vor allem dann spannend und zielführend, wenn man die Konfrontation suche und seine Meinung vertrete. Die dritte Erkenntnis sei schliesslich, dass man vor allem in den Kommissionen etwas bewegen könne.

Die Wurzeln bleiben in St. Gallen

St. Gallen und seine Ämter würden ihm bestimmt fehlen, sagt Martin Würmli. Dennoch ist er sicher, dass ihm in seiner neuen Funktion als Zuger Stadtschreiber nicht langweilig wird. «Ich bin keiner, der ruhig in einer Ecke sitzt. Auch als Stadtschreiber werde ich in verschiedenen Funktionen tätig sein können.» Durch die Arbeit in der Schnittstelle zwischen Stadtrat und Parlament könne er viel über das Spannungsfeld zwischen der Legislative und der Exekutive lernen und sehen, wie eine grosse Verwaltung funktioniere. «Meine Wurzeln bleiben in St. Gallen. Ich werde immer wieder zurückkommen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.