«Ich bin stolz auf die Arena»

Der HRS-Projektleiter für den Bau der AFG Arena, Christian Peter, wehrt sich gegen den Vorwurf, zu teuer gebaut zu haben, erklärt, wieso keine Konzerte stattfinden, und würde etwas Entscheidendes anders machen.

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Der St. Galler Christian Peter ist Mitglied der Geschäftsleitung der HRS Real Estate AG. (Bild: Michel Canonica)

Der St. Galler Christian Peter ist Mitglied der Geschäftsleitung der HRS Real Estate AG. (Bild: Michel Canonica)

Herr Peter, Sie waren für HRS das verantwortliche Geschäftsleitungsmitglied für die AFG Arena. Was bauen Sie gerade?

Christian Peter: Ich war für die Projektentwicklung und Realisierung der gesamten AFG Arena samt Shoppingbereich verantwortlich. Es ist ein Bauwerk, auf das ich sehr stolz bin. Zurzeit bin ich zuständig für den Neubau der Messe Basel, ein 330-Mio.-Projekt, sowie den Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Was haben Sie gedacht, als bekannt wurde, dass nach nur zwei Betriebsjahren ein Sanierungspaket von 16,23 Mio. Franken nötig ist?

Peter: Ich bedauere sehr, dass ein solches Paket notwendig wird. Das trübt bei allen die Freude am Stadionneubau. Nach der Eröffnung hatten wir nur Positives über die Arena gehört. Den Fans gefällt sie, die Atmosphäre ist phantastisch.

Zwischen 2006 und der Schlussrechnung 2009 stiegen die Baukosten von 59 auf 72 Mio. Franken an. Haben HRS zu teuer gebaut?

Peter: Nein, das trifft nicht zu. Die Gründe für die Mehrkosten liegen einerseits bei behördlichen Auflagen, die während des Bewilligungsverfahrens dazukamen. Gemeint sind beispielsweise die drei Passarellen über die Zürcherstrasse und die Autobahn. Ein weiterer Grund sind die von der Betriebs AG gewünschten Ausbauten. Dazu zählt das zusätzliche Logengeschoss.

Die Hauptkritik des ehemaligen Stadionmanagers (Basel, Bern) Peter Jauch, lautet, die Clubs seien von Generalunternehmen wie HRS über den Tisch gezogen worden. Um ein Stadion profitabel betreiben zu können, seien überall hohe Zusatzinvestitionen nötig gewesen.

Peter: Der Leistungsumfang war von Anfang an klar und allen Verantwortlichen bekannt. Investitionen, die zusätzliche Erträge generieren, mussten auch in Basel und Bern von den Betreibern übernommen werden. In St. Gallen kamen der Ausbau des Businessbereiches und zusätzliche Logen dazu.

Seit 2005 sitzen die früheren HRS-Eigentümer in den Arena-Gesellschaften (Rainer Sigrist in der Betriebs AG, Urs Peter Koller in der Stadion AG). Wer hat jeweils auf beiden Seiten die Werkverträge unterschrieben?

Peter: Beim Stadionprojekt herrscht strikte Gewaltentrennung. Seitens der Stadion AG und der Betriebs AG wurden die Verträge von Hans Hurni und Max Hungerbühler unterzeichnet. Von unserer Seite waren dies zwei Mitglieder der Geschäftsleitung: Ich selber und Paul Somm.

Es gibt Gerüchte über Baufehler. Eines geht so: Bei der Betonierung der Stufen seien die Halterungen der Sitze vergessen gegangen. Diese hätten für viel Geld nachträglich montiert werden müssen.

Peter: Wer die Sitzbefestigung anschaut, wird feststellen, dass Schienen einbetoniert wurden, an denen die Stühle befestigt sind. Schienen kann man nicht nachträglich einbetonieren.

Somit ist auch klar, dass dieses Gerücht ebenso wenig stimmen kann wie andere Geschichten über Baumängel, die beispielsweise den Rasen betrafen. Als sich zu Beginn der Naturrasen nur langsam verwurzelte, haben alle von Planungsfehlern gesprochen. Heute haben wir einen perfekten Rasen – dies allen Besserwissern zum Trotz.

Peter Jauch hat bemängelt, dass der Businessbereich in der Arena zu wenig attraktiv sei. So fehle ein grosser Raum, in dem sich Donatoren und Besitzer von Business-Seats treffen könnten.

Peter: Peter Jauch kennt offensichtlich nur die Logen. Es gibt die AFG Lounge, den eigentlichen Businessbereich sowie die einzelnen Lounges der verschiedenen Donatorenclubs. Es stimmt zwar, dass ein grosser, gemeinsam nutzbarer Raum fehlt.

Damit kamen wir aber den Wünschen der Donatorenclubs entgegen, die auf jeweils eigenen Räumlichkeiten bestanden. Ich glaube nicht, dass Peter Jauch das Angebot wirklich beurteilen kann. Wir hatten zu Beginn der Planung Kontakt mit ihm. Er war damals der Ansicht, die Haupttribüne sei zu wenig tief. Das konnte aber wegen der Autobahn und den Baulinien nicht geändert werden.

Veranstalter sagen, die Arena sei für Konzerte schlecht geeignet. Hätte man diese Experten beim Bau nicht einbeziehen müssen?

Peter: Zu Beginn der Planung hatten wir Kontakt mit Gérard Jenny vom Hallenstadion, mit André Bechir von Good News und mit Patrik Meier, dem Betreiber der Commerzbank Arena in Frankfurt. Die übereinstimmende Aussage war, dass für Konzerte eine Stadiongrösse von mindestens 30 000 Plätzen notwendig sei. Dies stand für die AFG Arena aber nie zur Diskussion.

Also keine Konzerte: Welche Veranstaltungen sollen stattdessen Einnahmen bringen?

Peter: Ziel ist es, möglichst viele Länderspiele nach St. Gallen zu bringen. Deshalb entschied man sich auch für Naturrasen. Zusätzlich liegt der Schwerpunkt auf kleineren Veranstaltungen sowie Seminaren in den Businessräumen. Wie die Zahlen aus den beiden ersten Betriebsjahren zeigen, konnten diese Ziele erreicht werden. Zehn Länderspiele und über 1000 Veranstaltungen fanden statt.

Zinsen und Amortisationen aus der Bauzeit belasten den Betrieb der Arena. Was hätte man rückblickend anders machen müssen?

Peter: Als die Kosten für die zusätzlichen Aufwendungen bekannt waren, hätten wir Stadion AG und Betriebs AG drängen müssen, frühzeitig bei Stadt und Kanton um Baubeiträge nachzusuchen. Stattdessen wurden die Zusatzausgaben über Bankkredite finanziert.

Anderswo gab es solche Beiträge: An den Ausbau des Eisstadions in Rapperswil-Jona hat der Kanton über den Sport-Toto-Fonds 7 Mio. Franken bezahlt.

Sie haben 2005 in einem «Tagblatt»-Porträt gesagt, HRS werde das Stadion auch nach Abschluss der Bauarbeiten begleiten. Wie steht es damit?

Peter: Das entspricht unserem Credo.

Während der Gewährleistungsfrist von fünf Jahren und auch danach stehen wir für Support oder allfällige technische Probleme zur Verfügung. Allerdings beschränkt sich der Support auf technische Anlagen und Bauteile. Rainer Sigrist hat sich als Privatperson bereit erklärt, in der Betriebs AG mitzuarbeiten, obwohl er überhaupt kein Fussballfan ist. Wir betrachten dies als zusätzliche Dienstleistung.

Sind Sie ein regelmässiger Besucher in der Arena? Wo sitzen Sie dann?

Peter: Wir haben von der Firma HRS Real Estate AG vier Business-Seats gekauft. Dort sitze ich mit Kunden, welche sich regelmässig begeistert über das neue Stadion äussern und die Atmosphäre der AFG Lounge sehr schätzen. Meine 16jährige Tochter besucht sämtliche Fussballspiele und geniesst vom Stehplatzsektor in der Espentribüne die eindrückliche Atmosphäre der AFG Arena.

Interview: Andreas Kneubühler