«Ich bin keine Mimose»

An einem Sonntag hat Markus Peter entschieden, als Gemeindepräsident zurückzutreten. Keine Kurzschlusshandlung, vielmehr habe er kein positives Weiterwirken mehr gesehen.

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Markus Peter geht noch bis Ende Juni im Gemeindehaus ein und aus: «Ich will meine Arbeit gut machen.» (Bild: Urs Jaudas)

Markus Peter geht noch bis Ende Juni im Gemeindehaus ein und aus: «Ich will meine Arbeit gut machen.» (Bild: Urs Jaudas)

Herr Peter, gestern haben Sie erstmals ausführlich über die wahren Beweggründe für Ihren Rücktritt gesprochen. Sind Sie erleichtert?

Markus Peter: Dass ich zurücktrete, war ja bereits seit November bekannt. Wichtig war mir nun, die Missverständnisse zu klären, die daraus entstanden sind.

Warum erst jetzt, zwei Monate nach Ihrer Rücktrittsankündigung?

Peter: Ich ging eigentlich davon aus, dass Gründe für einen Rücktritt etwas Persönliches sind. Zunehmend habe ich aber gemerkt, dass einige Leute dachten, der hat schon lange gewusst, dass er zurücktreten wird, und wir haben ihn noch unterstützt.

Ist es nicht ein bisschen naiv zu glauben, der kommentarlose Rücktritt eines Gemeindepräsidenten zwei Monate nach der Wiederwahl löse keine Diskussionen aus?

Peter: Sicher, der Zeitpunkt ist speziell, und ich habe erwartet, dass Kritik kommen wird. Aber ich muss zugeben, ich habe das Interesse der Öffentlichkeit, die wahren Gründe zu erfahren, unterschätzt. Im Nachhinein ist mir klar, dass ich offener hätte kommunizieren müssen. Und früher.

Sie haben an einem Sonntag, am 18. November, entschieden, zurückzutreten. Zitat: «Dies, weil ich einfach nicht mehr wollte.» Das tönt nach einer Kurzschlusshandlung.

Peter: Kommt drauf an, was man unter Kurzschlusshandlung versteht. Ja, es war eine sehr kurzfristige Handlung, aber nicht unüberlegt. Es ist nicht so, dass ich den Entscheid bereue. Ich sah einfach kein positives Weiterwirken mehr. Darum habe ich mir gesagt, jetzt musst du aufhören. Auslöser war vermutlich der Unfall an der Haltestelle Wiesen kurz vorher.

Sie glauben, ein Bürger habe bewusst den «Blick» informiert, um Sie «in die Pfanne zu hauen».

Peter: Genau. Ich habe seit der Wiederwahl gespürt, dass Einzelne – die im Wahlkampf gesagt haben, den Peter will ich nicht mehr wählen – jetzt in einer ziemlich aggressiven Art versuchen, ihre Interessen durchzuzwängen.

Was meinen Sie mit aggressiv?

Peter: Ich will nicht auf einzelne Fälle eingehen. Aber generell spüre ich diese fordernde Haltung nach dem Motto: «Ich sage, wo's langgeht. Dazu brauchen wir keinen Gemeinderat.» Einzelne Gruppierungen versuchen zum Beispiel im Bauwesen etwas durchzuzwängen, auch wenn es von Rechts wegen gar nicht geht. Ich bin keine Mimose, habe in zwölf Jahren im Amt einiges erlebt, aber nach der Wahl gehäuft.

Sie sprechen von einer «AntiGemeindepräsidenten-Bewegung». Wer steckt dahinter?

Peter: Das ist keine homogene Gruppe. Es sind einzelne Exponenten, die je nach Fall wechseln. Mein Gegenkandidat Kurt Hartmeier gehört nicht dazu.

Fühlen Sie sich gemobbt?

Peter: Ein Gemeindepräsident kann nicht gemobbt werden, es gibt immer Gegner und Befürworter. Ich interpretiere es so, dass Leute, die sich im Wahlkampf ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt haben, jetzt sich und anderen etwas beweisen wollen.

Muss man denn einen Gemeindepräsidenten schonen?

Peter: Nein, muss man nicht. Es ist ein Amt, für das man einen extrem breiten Rücken braucht, und den habe ich. Aber nach einer Kampfwahl ist man emotional aufgewühlt und darum vielleicht etwas empfindlicher. Jedenfalls habe ich mir gesagt: Das brauche ich einfach nicht mehr.

Was erhoffen Sie sich von Ihrer späten Stellungnahme?

Peter: Dass die Leute wissen, dass ich nicht schon lange vorhatte, zurückzutreten. Für die Gemeinde erhoffe ich mir, dass sich gewisse Kreise angesprochen fühlen, aktiver zu werden, damit eine politische Kultur wachsen kann.

Interview: Corinne Allenspach

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