«Ich bin kein Bürokrat»

Er ist in Häggenschwil aufgewachsen, hat auf der Gemeindeverwaltung die Lehre gemacht und ist seit drei Monaten Gemeindepräsident: Hans-Peter Eisenring über Handschlagpolitik und Sorgenkinder im «schönsten Dorf weit und breit».

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Alt, aber gepflegt: Im Häggenschwiler Dorfkern sind viele alte Häuser erhalten geblieben. Wie der «Bären», der soeben renoviert wurde. (Bild: Ralph Ribi)

Alt, aber gepflegt: Im Häggenschwiler Dorfkern sind viele alte Häuser erhalten geblieben. Wie der «Bären», der soeben renoviert wurde. (Bild: Ralph Ribi)

Herr Eisenring, nach drei Monaten im Amt: Wie geht es Ihnen?

Hans-Peter Eisenring: Blendend, ich gehe jeden Tag begeistert zur Arbeit. Dort zu arbeiten, wo man aufgewachsen ist, ist besonders schön. Auch die ersten Gespräche mit Gemeinderat und Bevölkerung waren gut. Die Startphase ist auf jeden Fall geglückt.

Und um den Erhalt der eigenen Oberstufe sieht es ebenfalls besser aus als auch schon. Sicher eine Erleichterung für Sie?

Eisenring: Die Oberstufe ist sehr wichtig fürs Dorf. Das spürt man. Wenn immer möglich werden Schul- und Gemeinderat gemeinsam für deren Erhalt kämpfen. Nicht blind, aber solange als die Schulqualität gewährleistet ist und die Kosten vertretbar sind. Schliesslich ist die Schule für uns ein grosser Standortvorteil.

Dabei warten die Wittenbacher schon lange darauf, bis Häggenschwil seine Schüler in die Grünau schickt.

Eisenring: Schon klar. Wir wissen, dass wir in Wittenbach willkommen sind. Aber wir sind optimistisch, dass wir in Häggenschwil weitermachen können.

Abgesehen von der Oberstufe. Wo drückt die Häggenschwiler sonst noch der Schuh?

Eisenring: Ein weiteres Sorgenkind ist die sicher nicht optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Zudem ist die Nachfrage nach Bauland viel höher als das Angebot.

Das Dorf kann sich daher nicht so entwickeln, wie es gerne möchte.

Wie möchte es sich denn entwickeln?

Eisenring: Wir wollen sicher nicht explodieren, streben aber ein vernünftiges Wachstum an. Wir sind deshalb an der Revision der Ortsplanung, um Bauland bereitstellen zu können. Erste Gespräche mit dem Kanton sind bereits geführt. Fürs Fuchs-Areal mit sechs Einfamilien- und zwei Mehrfamilienhäusern wurden soeben die Teilzonenpläne aufgelegt. Es besteht bereits eine Warteliste.

Nach fast 20 Jahren als Gemeindepräsident von Lütisburg haben Sie Erfahrung im Führen kleiner Gemeinden. Was ist anders in Häggenschwil?

Eisenring: Lütisburg ist ein Weilerdorf und darum etwas schwieriger zusammenzubringen. In Häggenschwil wohnen die meisten Leute in den zwei Dorfteilen Häggenschwil und Lömmenschwil. Dank dieser Kompaktheit ist der Zusammenhalt sehr gut. Wie die Menschen sich engagieren und mitmachen, das beeindruckt mich sehr.

Sie scheinen ja richtig Fan zu sein von Häggenschwil.

Eisenring: Das stimmt. Vom Dorfbild her ist Häggenschwil für mich das schönste Dorf weit und breit. Zudem spürt man, dass hier viel guter Geist herrscht. (schmunzelt) Ich wäre auch immer gern Tourismusdirektor geworden.

Ihr Vorgänger klagte über fehlende Unterstützung aus der Bevölkerung und über Rollenkonflikte. Wie wollen Sie das verhindern?

Eisenring: Mir ist bewusst, dass man es nie allen recht machen kann.

Ich versuche, möglichst unkompliziert zu arbeiten und manchmal muss man halt auch im Nachhinein etwas korrigieren. Kritik kann einen ja auch stärken, wenn sie aufbauend ist.

Was verstehen Sie unter «unkompliziert arbeiten»?

Eisenring: Ich bin kein Bürokrat. Im persönlichen Gespräch suche ich mit den Leuten nach Lösungen, ohne mit Gesetzesartikeln zu hantieren. Ich würde gerne noch mehr mit Handschlagpolitik arbeiten. Aber das geht nicht immer, denn plötzlich stehen die Leute nicht mehr zu dem, was sie gesagt haben.

Ab und zu bin ich auch ein Exot, bringe Ideen, bei denen die Leute finden: «Jetzt hat er wieder einen Furz.»

Sind Sie auch derjenige, der mit allen per Du ist?

Eisenring: Ja, ich bin da sehr offen und gehe auch gern unter die Leute. Ich sage aber immer, dass niemand erwarten darf, er habe einen Vorteil, weil wir Duzis sind.

Zurück zur Politik. Welche Pläne haben Sie für Häggenschwil?

Eisenring: Wie schon gesagt, sind wir daran, unsere Ortsplanung zu überarbeiten. Wichtig ist aber auch, dass wir uns mit der Zukunft der Elektra beschäftigen. Zudem müssen wir schauen, dass unser Internet-, Fernseh- und Telefonangebot konkurrenzfähig bleibt. Das heisst, wir müssen über Glasfasern diskutieren. Auch fürs Seniorenwohnen besteht Bedarf.

Bereits umgesetzt haben wir, dass der «Bären» – das Aushängeschild unserer Gemeinde – neu auch ziviles Traulokal ist.

An einem Informationsabend, an dem Sie sich der Bevölkerung vorstellten, kündigten Sie auch eine Steuerfussreduktion an.

Eisenring: Eine solche wurde wie angekündigt bereits an der Bürgerversammlung im März beschlossen, um drei auf 159 Prozent. Was weiter drinliegt, wird sich zeigen. Die Steuerfusspolitik wird sicher eines der Legislaturziele sein.

Natürlich streben wir eine weitere Steuersenkung an.

Vor Ihrer Wahl wurde auch ein Fusionsentscheid gefällt: Häggenschwil will bis auf weiteres nicht fusionieren. Was sagen Sie dazu?

Eisenring: Für mich stimmt das so. Eine Fusion zum heutigen Zeitpunkt wäre noch nicht reif. Häggenschwil würde zu viel an Identifikation verlieren. Es ist klar, dass Fusionsgedanken wieder kommen. Wir werden uns den Diskussionen sicher nicht verschliessen.

Was man aber nicht vergessen darf: Mit 1170 Einwohnern ist Häggenschwil in bester Gesellschaft: 50 Prozent der Schweizer Gemeinden sind nicht grösser. Der Durchschnitt lag bis vor kurzem bei 800 Einwohnern.

Interview: Corinne Allenspach

Hans-Peter Eisenring Gemeindepräsident Häggenschwil (Bild: Quelle)

Hans-Peter Eisenring Gemeindepräsident Häggenschwil (Bild: Quelle)