HSG-Raumnot wird gelindert

ST.GALLEN. Ein Provisorium auf dem Campus, ein neues Gebäude an der Tellstrasse: Ab dem Herbstsemester, das Mitte September startet, entspannt sich die Situation an der HSG ein wenig. Das könnte auch dem Quartier Rotmonten zugutekommen.

Malolo Kessler
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Noch Baustelle, bald Provisorium: Auf der HSG-Tiefgarage entsteht ein Lehrpavillon. (Bild: Malolo Kessler)

Noch Baustelle, bald Provisorium: Auf der HSG-Tiefgarage entsteht ein Lehrpavillon. (Bild: Malolo Kessler)

Da liegen Bretter, Kabel, Schläuche, das Fundament lässt sich erahnen: Der Parkplatz über der Uni-Tiefgarage an der Dufourstrasse ist zurzeit eine Baustelle. Hier entsteht seit Mitte August ein auf zehn Jahre angelegtes Provisorium, der sogenannte Lehrpavillon. Er soll die Raumnot lindern, von der die HSG schon lange geplagt wird. Denn die Universität wächst konstant. So zählte sie im Herbst 2008 noch 5928 Studenten, im vergangenen Herbst bereits 7325. Die Kapazität des Campus liegt allerdings bei 5000 bis 5500.

Platz für 600 Studenten

Im neuen Lehrpavillon werden auf drei Stockwerken nun insgesamt zehn grössere Vorlesungssäle und zwölf Gruppenräume eingerichtet. Er soll Platz für rund 600 Studenten bieten. Die Arbeiten liegen laut Markus Brönnimann, Verwaltungsdirektor der HSG, im Zeitplan. «Wir setzen alles daran, dass wir ihn zu Beginn des Frühlingssemesters 2014 eröffnen können.» Das Provisorium wird die HSG laut Brönnimann in den nächsten zehn Jahren gut fünf Millionen Franken kosten. Dieser Betrag, beziehungsweise die Provisoriumspläne im allgemeinen, hatten im Kantonsrat im vergangenen November für Ärger gesorgt. Denn die Universität hatte das Provisorium offenbar geplant, ohne den Kantonsrat zu informieren, der über ihr Budget entscheidet. So beantragte die CVP/EVP-Fraktion damals eine Kürzung des Budgets, die erst angenommen, dann aber in der Februarsession als Nachtragskredit wieder aufgenommen und gutgeheissen wurde. Die HSG habe ihre Lektion gelernt, hiess es.

Neben dem Provisorium sollen neue Räume an der Tellstrasse 2 der HSG-Raumnot entgegenwirken. Das Gebäude wurde zuvor von der Fachhochschule genutzt, mit dem Start des Herbstsemesters übernächste Woche werden dort nun erstmals HSG-Studenten ein- und ausgehen. Auf insgesamt 1888 Quadratmetern und sechs Stockwerken wurden 13 Seminarräume mit insgesamt etwa 400 Sitzplätzen eingerichtet. Hinzu kommen 18 Büros.

Das Quartier beruhigen

Dass die HSG mit der Tellstrasse nun mehr Raum zur Verfügung hat, könnte auch die Situation im Rotmonten-Quartier etwas entspannen. Seit Jahren werden immer wieder Stimmen laut, dass sich die Uni mit ihren Büroräumen auf dem Rosenberg zu stark ausbreitet. 2011 forderte Stadtparlamentarierin Doris Königer mit einer Interpellation gar eine «Lex Universität», einen Wohnanteilsplan. Dies, damit die HSG nicht immer mehr Wohnraum einnehme und am Rosenberg weiterhin zu erschwinglichen Preisen gewohnt werden könne. Der Stadtrat hielt die Lage damals allerdings für «nicht so dramatisch» und eine «Lex Universität» für «das falsche Mittel». Auch direkt an die HSG würden immer wieder Ängste von Quartierbewohnern herangetragen, sagt Verwaltungsdirektor Brönnimann. Er verschickte deshalb unlängst ein Quartierinformationsblatt, mit dem die Nachbarschaft der Uni beruhigt werden soll.

Büroräume aufgeben

Das Ziel der HSG sei nicht, weitere Mietliegenschaften im Quartier zu «besetzen», heisst es im Infoblatt. Auch seien keine weiteren «Anmietungen in der Campus-Umgebung geplant». Im Gegenteil: Langfristig verfolge die HSG das Ziel, «eine Verdichtung der weiter aussen liegenden Liegenschaften nach innen zu bewirken». So werde, weil der Bezug der Tellstrasse die Situation «entschärft» habe, momentan geprüft, ob man zwei bis drei Adressen im Quartier aufgeben könne, verdeutlicht Brönnimann. Welche, verrät er nicht. «Ganz im Sinne der Konzentration aber Liegenschaften, die weiter weg vom Campus liegen.»

Er verstehe, dass es im Quartier Ängste gebe, sagt Brönnimann weiter. «Aber wir können nicht von heute auf morgen alles ändern.» Und schliesslich sei die Uni nun einmal in Rotmonten angesiedelt. «Irgendwo müssen wir ja ein Plätzli haben.»

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