Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HOSPIZ ST.GALLEN: Die letzte Station ist eine temporäre Lösung

In drei Wochen bezieht der erste Patient im Hospiz St.Gallen ein Zimmer. Die Verantwortlichen haben das Haus mit Liebe zum Detail eingerichtet - obwohl es sich um eine temporäre Lösung handelt.
Blick in die Stube und eines der sieben Zimmer des Hospizes St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 13. Januar 2018))

Blick in die Stube und eines der sieben Zimmer des Hospizes St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 13. Januar 2018))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper


Janina Gehrig

Auf dem Wohnzimmertisch steht das Modell einer Swissair-Maschine – in Schräglage, als wäre das Flugzeug soeben abgehoben. An der Wand hängen Ferienfotos. Der Eiffelturm, Sonnenschirme am Meer, ein Paar auf einer Vespa. Daneben Sophia Loren in Schwarz-Weiss, die Kindern Küsschen verschickt. Das Hospiz St.Gallen feierte am Samstag Tag der offenen Tür, am 1. Februar wird der temporäre Standort eröffnet. Die zweistöckige Liegenschaft an der Waldstrasse 3 war einst ein Kapuzinerhospiz. Die katholische Kirche vermietet das Gebäude, bis die Villa Jacob am Rosenberg nächstes Jahr für das Hospiz bezugsbereit ist.

Grenzen zwischen Patienten und Personal vermischt

Im Hospiz sollen vor allem unheilbar kranke Menschen betreut werden, denen zu Hause das Umfeld fehlt. Beata Winiger, Pflegefachfrau und Aktuarin, erwartet, dass vor allem Leute zwischen 50 und 70 Jahren mit Krebsleiden oder der Nervenkrankheit ALS hier ihren Lebensabend verbringen werden, wobei sich die Aufenthaltsdauer auf wenige Wochen beschränken wird. «Es sind wenige Menschen, die dieses Angebot brauchen werden. Aber für diese ist es immens wichtig.»

St. Gallen - Hospiz Neueröffnung (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Hospiz Neueröffnung (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Hospiz Neueröffnung (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Hospiz Neueröffnung (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Hospiz Neueröffnung (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Hospiz Neueröffnung (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Hospiz Neueröffnung (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Hospiz Neueröffnung (Bild: Ralph Ribi)
St. Gallen - Hospiz Neueröffnung (Bild: Ralph Ribi)
9 Bilder

Tag der offenen Türe im Hospiz St. Gallen

Im Hospiz kümmern sich vier Oberärzte vom Palliativzentrum des Kantonsspitals St.Gallen um die Bewohner. Hinzu kommen 16 Pflegende, Therapeuten, Seelsorger sowie Freiwillige. Dabei würden die Grenzen zwischen Personal und Patienten bewusst vermischt, sagt Winiger. «Uns ist eine persönliche Atmosphäre sehr wichtig. Wir essen zusammen. Die Küche kann von allen benutzt werden.» Die Mahlzeiten werden vom Pflegeheim Heiligkreuz bezogen, Angehörige sollen den Bewohnern aber auch nachts um zwei noch eine Omelette kochen dürfen.

Die sieben rund 15 Quadratmeter grossen Zimmer sind mit Parkettböden ausgestattet worden. Neue sanitäre Anlagen sowie ein Rollstuhllift mussten her. Dabei haben die Mitglieder des Vereins Hospiz St.Gallen selber Hand angelegt: Platten verlegt, Lampen aufgehängt, Offerten eingeholt. Seit 2010 haben sie jährlich bis zu 1800 Stunden ehrenamtlich fürs Hospiz gearbeitet. «Einige Möbel haben wir geschenkt bekommen», sagt Winiger. Das Geschirr in der Stube stammt von einer Töpferin, die Bücher auf dem Gestell standen einst als Ansichtsexemplare in einem Buchladen.

Finanzierung bis heute ein Problem

«Es ist ein grossartiges Gefühl, nach acht Jahren kurz vor der Eröffnung zu stehen», sagt Winiger, die derzeit noch auf der Palliativstation des Kantonsspitals arbeitet. Denn es gab mehrere Hürden zu überwinden. Vielen Politikern habe das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Hospizes gefehlt, sagt Roland Buschor, Vizepräsident des Vereins. Sterben sei zudem noch immer ein Tabuthema. So sei das Hospiz mit Sterbewohnungen der Organisation Exit verwechselt worden. Drittens sei die Finanzierung bis heute ein Problem. «Die Institution hat genug Geld, um zu starten, aber zu wenig zum Leben.»

Im September 2017 hatte der Kantonsrat zwar beschlossen, dass er die Einrichtung und das im letzten Jahr eröffnete Hospiz im Pflegeheim Werdenberg in Grabs mit insgesamt rund 300'000 Franken pro Jahr unterstützen wird. Das sind rund 100 Franken pro Betreuungstag und Patient. Für die Pflege der Patienten beläuft sich der Tagesansatz jedoch auf 800 bis 1000 Franken. Auch wenn der Patient, die Krankenkasse und die Gemeinde zur Kasse gebeten werden, müssen immer noch 30 bis 40 Prozent der Kosten mit Spendengeldern abgedeckt werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.