Hommage an die Stadt am See

RORSCHACH. Harlis Hadjidj Schweizer, Yoko Michelle Mroczek, Hans Schweizer und Birgit Widmer gestalten im Kornhaus mit vieldeutigen Gemälden und Skulpturen die Gemeinschaftsausstellung «Der Rorschachtest»; zu sehen bis 19. September.

Rudolf Käser
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Psychodiagnostik mit Farbe und Form; «Der Rorschachtest» im Kornhaus. (Bild: Rudolf Käser)

Psychodiagnostik mit Farbe und Form; «Der Rorschachtest» im Kornhaus. (Bild: Rudolf Käser)

Beim zweiten «Rendez-vous» ist die laufende Ausstellung nicht über den üblichen Kornhaus-Eingang zu finden. In einem Nebenraum im Parterre Nord sind vom 4. bis 19. September spannende Werke jeweils Freitag von 14 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr zu bewundern.

Kritische Meinungsbildung

Elisabeth und Thomas Krucker haben die Ausstellung ideell und finanziell mitgestaltet. Unterstützung leistete auch die Stadt Rorschach. Der Raum, der sich den Ausstellungsbesuchern zeigt, ist bieder bescheiden.

Beileibe nicht bieder sind die Kunstwerke von Harlis Hadjidj Schweizer, Yoko Michelle Mroczek, beide St. Gallen, Hans Schweizer und Birgit Widmer, beide Gais. Dass für einmal kein Künstler aus der Region stammt, empfand ein Vernissagebesucher lobenswert. «Die Rorschacher sollen sich auch mit Kunst und Künstlern von ausserhalb auseinandersetzen.»

Sich damit auseinandersetzen ist auch das Ziel, das Elisabeth Krucker formulierte. «Der Besucher wird eingeladen, ohne Vorurteile, aber kritisch der Kunst von heute zu begegnen.» Dass die Ausstellung unter dem Titel «Der Rorschachtest» benannt werde, sei aus dem Willen der vier Künstler entstanden. Weder Titel noch Themen hätten jedoch etwas gemeinsam mit dem psychodiagnostischen Testverfahren.

«<Der Rorschachtest> ist eine implizite künstlerische Hommage an die Stadt am Bodensee und referiert zugleich augenzwinkernd auf das bekannte psychodiagnostische Testverfahren, das der Schweizer Hermann Rorschach Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. In diesem zweideutigen Sinne haben sich die vier Künstler beschäftigt», so die Kunsthistorikerin Stefanie Kasper, die das Publikum in die Ausstellung einführte.

Stefanie Kasper stellt dabei unter anderem fest, dass das Gemälde «Port d'Algier» von Harlis Hadjidi Schweizer zu einer Reise in die algerische Hauptstadt einlade.

Phantastik und Realismus

Yoko Michelle Mroczek setze sich mit ihrem vielschichtigen Schaffen insbesondere mit der individuellen und kulturellen Prägung von Erinnerung und von Weltwahrnehmung auseinander.

Das Schaffen von Hans Schweizer vereine seit den 1950er-Jahren stilistische Formulierungen zwischen Abstraktion und Figuration, Darstellungen zwischen Phantastik und Realismus und Themen von Regionalismus bis Globalisierung.

«Mit Birgit Widmer tauchen wir in die Unterwasserwelt, wo Hans Christian Andersens <Kleine Meerjungfrau> beheimatet ist», führte die Kunsthistorikerin aus.