Hohe Zeckengefahr am Bodensee

REGION. Am Waldrand, im hohen Gras oder im Gebüsch: Im Frühsommer sind die Zecken wieder aktiv. Gefährlich ist vor allem das von Zecken übertragene FSME-Virus. In der Region ist die FSME-Gefahr über die vergangenen Jahre stark gestiegen.

Samuel Rothenfluh
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Wer sich oft im Freien bewegt, sollte sich vor Zecken schützen. In hohem Gras ist die Gefahr gross, eine Zecke abzustreifen. (Bild: Samuel Rothenfluh)

Wer sich oft im Freien bewegt, sollte sich vor Zecken schützen. In hohem Gras ist die Gefahr gross, eine Zecke abzustreifen. (Bild: Samuel Rothenfluh)

Die Leute warten sehnsüchtig auf den Sommer. Doch wer nach draussen geht, sollte zu dieser Jahreszeit achtgeben. Denn an Waldrändern, in hohem Gras und in den Büschen lauern bereits wieder die Zecken. Wer sich oft im Freien bewegt, sollte sich entsprechend kleiden, sagt der Rorschacher Reisemediziner Gallus Heeb: «Ich empfehle, Socken, langärmlige Kleider, lange Hosen und geschlossene Schuhe zu tragen.» Denn in der Region ist die Zecken-gefahr gross.

Vor allem die Gefahr der Frühsommer-Meningoenzephalitis, genannt FSME-Virus, ist über die letzten Jahre in der Region stark angestiegen. Das Virus kann beim Menschen Fieber, Kopfweh, Lähmungen und Hirnhautentzündungen verursachen. Im schlimmsten Fall endet es tödlich. Laut der aktuellen Zeckenkarte des Bundesamts für Gesundheit (BAG) liegt die Bodenseeregion in einem FSME Risikogebiet. Dies sei in früheren Jahren noch nicht so gewesen, sagt der Rorschacher Allgemeinmediziner Andreas Hartmann: «Vor zehn Jahren waren auf der Zeckenkarte am Bodensee nur wenige gefährliche Stellen eingezeichnet.» Heute empfehle das BAG für alle Bewohner des Bodensee-Südufers eine Impfung.

Krankenkasse zahlt Impfung

Eine FSME-Impfung würde sich für Bodensee-Anwohner lohnen. «Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Impfung, wenn man in einem solchen Gefahrengebiet wohnt», sagt Reisemediziner Gallus Heeb.

Doch das FSME-Virus ist nicht die einzige Gefahr, die von den Zecken ausgeht. Eine weitere ist die Lyme-Borreliose, eine Infektionskrankheit, welche durch Bakterien ausgelöst wird. Auch sie wird von Zecken übertragen. Die Krankheit kann die Organe, das Gewebe und die Gelenke angreifen. «Anders als das FSME-Virus, ist die Borreliose-Gefahr in der ganzen Schweiz vorhanden», sagt Hausarzt Markus Gnädinger. Bis jetzt seien glücklicherweise noch keine Zecken-Patienten in die Praxis von Markus Gnädinger gekommen: «Die letzten Wochen hatten wir noch kein Outdoor- Wetter. Deshalb hat auch noch kaum jemand Zeckenbisse.»

Gestochen, aber nicht bemerkt

Doch wenn das sommerliche Wetter kommt, müsse man vorsichtig sein, sagt Markus Gnädinger: «Die Zecken fallen ja meist nicht von den Bäumen, wie viele annehmen.» Vielmehr streife man sie an hohem Gras oder an Büschen ab. Ein Indikator, dass Zecken im Busch sind, seien Hunde, sagt Andreas Hartmann aus Rorschach. «Wer mit seinem Vierbeiner spazieren geht und danach beim Hund eine Zecke findet, sollte sich selber nach Zecken absuchen.» Einen Zeckenbiss bemerke man oft gar nicht. Und eine Zecke bleibe nur maximal 24 Stunden am Körper, sagt Hartmann. «Ich schätze, dass die Hälfte der Betroffenen gar nicht weiss, dass sie gestochen worden sind.» Bei einer Erkrankung an der Lyme-Borreliose sei dies nicht so schlimm, wie bei einer FSME-Erkrankung. «Die Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden», sagt Hartmann. Bei einer FSME-Erkrankung hingegen gebe es keine Behandlung. «Gegen FSME kann man sich nur mit einer Impfung schützen.»

Zecken können das gefährliche FSME-Virus übertragen. (Bild: Fotolia)

Zecken können das gefährliche FSME-Virus übertragen. (Bild: Fotolia)