Hoffnung für den Maillart-Bau

Das alte Seewasserwerk in Goldach ist vorerst vor der Abrissbirne sicher. Die Vorlage für den Abbruch wurde zurückgewiesen. Denn die kantonale Denkmalpflege hält den Bau für schützenswert. Goldach hat dies verschwiegen.

Elisabeth Reisp
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Das alte Seewasserwerk im Rietli auf Gebiet der Gemeinde Goldach. (Bild: Rudolf Hirtl)

Das alte Seewasserwerk im Rietli auf Gebiet der Gemeinde Goldach. (Bild: Rudolf Hirtl)

Das Stadtparlament hat in seiner gestrigen Sitzung Vorsicht walten lassen, indem es die Vorlage zurückgewiesen hat. Bereits vor fünf Jahren hat sich der damalige Stadtrat an einer ganz ähnlichen Geschichte die Finger verbrannt.

Er liess damals die Filteranlage des städtischen Seewerks, das am See in Goldach steht, abbrechen. Sie war nicht im Inventar für schützenswerte Bauten aufgeführt, galt aber als architektonischer Wurf, wie so viele andere Bauten des Staringenieurs Robert Maillart. So weit wollte es der Stadtrat dieses Mal nicht kommen lassen und klärte sorgfältig ab, ob das Seewerk nicht unter Schutz stehe. Stadtrat Peter Jans: «Man hat uns seitens der Gemeinde Goldach versichert, der Bau sei nicht geschützt.»

Zwischenzeitlich ist aber ein Schreiben des kantonalen Amtes für Denkmalpflege aufgetaucht, datiert 2013, in dem die Gemeinde aufgefordert worden sei, das Seewerk ins Inventar aufzunehmen. SP-Stadtparlamentarier Daniel Kehl liegt dieses Schreiben vor. Er hat daher einen Rückweisungsantrag gestellt mit dem Auftrag, die Situation unter Einbezug der jüngsten Erkenntnisse noch einmal zu prüfen. Die zuständige Werkkommission stellte sich aber quer.

Schimmel und Wasser im Keller

Gemäss Werkkommissionspräsident Roman Bühler (FDP) befindet sich die Liegenschaft in einem miserablen Zustand. «Das Seewerk ist teilweise von Schimmel befallen, der Keller wird beinahe wöchentlich mit Seewasser geflutet und muss ausgepumpt werden. Das Dach ist einsturzgefährdet.» Die Werkkommission habe aufgrund der vorliegenden Fakten entschieden, den Bau für den Abbruch freizugeben. Und dabei bleibe sie auch, sagt Bühler.

Der Direktor der Technischen Betriebe, Peter Jans, ergriff ungewöhnlich früh das Wort. Die Ausgangslage habe sich verändert, wenn auch nicht rechtlich, doch sehr wohl fachlich. Er bot an, den Antrag zurückzuziehen. «Denn so ein Theater wie 2010 will ich nicht.»

Die Diskussion wurde schliesslich ausgefochten zwischen der Werkkommission auf der einen Seite sowie der SP/Juso/PFG-Fraktion und der Grünen/Junge Grüne/GLP-Fraktion auf der anderen Seite. Gallus Hufenus (SP) fand es «absolut stossend», dass Goldach diese Information unterschlagen habe. Es gehe den Linken nicht um den Erhalt des Objekts. «Aber um eine neuerliche Prüfung des Falls.» Thomas Brunner (GLP) plädierte für Solidarität mit Peter Jans, «der als Stadtrat bei einem Fehlentscheid in die Pfanne gehauen wird».

Barbara Hächler (CVP), ein Mitglied der Werkkommission, monierte den Umstand, dass man der Kommission den Brief der Denkmalpflege vorenthalten habe. «Nicht einmal dem Stadtrat liegt er vor.»

SBB-Beiträge sind nicht tangiert

Ungewöhnlich zurückhaltend verhielt sich die SVP; die Bürgerlichen standen hinter der Werkkommission. SVP-Fraktionschefin Karin Winter-Dubs stellte lediglich zwei Absicherungsfragen, nämlich: Darf der Stadtrat überhaupt einen Antrag zurücknehmen? Und inwiefern würde ein Rückweisungsantrag den Abbruch der Gaskugeln neben den SBB-Gleisen tangieren? Diese müssen bis Ende Jahr weg, damit die SBB die versprochenen Beiträge zur Altlastensanierung zahlen. Jans versicherte, der Abbruch der Gaskugeln sei nicht tangiert und werde unabhängig vom Seewerk vorangetrieben. Zum Rückzug des Antrags antwortete er pragmatisch: «Das Reglement sieht es nicht vor, aber es ist schon vorgekommen. Und wenn es Sie nicht stört...»

Mit Unterstützung der SVP

Den Antrag musste der Stadtrat nicht zurücknehmen, die Linken und Grünen setzten mit Unterstützung einiger Stimmen aus SVP den Rückweisungsantrag durch.