«Höre Forderung zum ersten Mal»

Die in der Ausgabe von gestern vom Geschäftsleiter der Pro Senectute AR gestellte Forderung nach einem Altersleitbild ist für Andreas Tinner neu. Zudem wehrt sich der Amtsleiter gegen den Begriff «Altersheim der Nation».

Roger Fuchs
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Dass Ausserrhoden bald den höchsten Anteil an Pensionierten hat, bietet dem Kanton gemäss Andreas Tinner auch Chancen. (Bild: rf)

Dass Ausserrhoden bald den höchsten Anteil an Pensionierten hat, bietet dem Kanton gemäss Andreas Tinner auch Chancen. (Bild: rf)

AUSSERRHODEN. Angesichts der Tatsache, dass Ausserrhoden in 15 Jahren das Altersheim der Nation sein wird, verlangt Markus Gmür, Geschäftsleiter der Pro Senectute AR, ein Altersleitbild für den Kanton (siehe Kasten). Es stimme, dass der Anteil der Personen im Kanton, die älter als 65 sind, in wenigen Jahren über 20 Prozent liege, bestätigt Andreas Tinner, Leiter des Amts für Soziale Einrichtungen. Deshalb aber vom Altersheim der Schweiz zu sprechen sei falsch, sagt er. Heute stünden einem Grossteil der Personen im Pensionsalter noch viele Jahre bevor, sie seien fit und unternehmungsfreudig. Dies biete auch Chancen für den Kanton. Zum einen seien es die Seniorinnen und Senioren, die unter der Woche die touristischen Infrastrukturen nutzten, zum anderen würden sich viele Ältere ehrenamtlich engagieren.

Wohnortnah bereitstellen

Die von Gmür gestellte Forderung nach einem Altersleitbild hört Andreas Tinner zum ersten Mal. Ob der Kanton ein solches brauche, sei eine politische Frage und müsste der derzeit ferienhalber abwesende Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt beantworten. Amtsleiter Tinner hält fest, dass von Gesetzes wegen Kanton und Gemeinden angehalten sind, im Altersbereich zusammenzuarbeiten. Vieles müsse wohnortnah organisiert und bereitgestellt werden. So sei die Alterspolitik in weiten Teilen Aufgabe der Gemeinden. «Aber nicht ausschliesslich», sagt Andreas Tinner. Der Kanton übernehme übergeordnete und standortunabhängige Aufgaben wie beispielsweise die Pflegeheimplanung und die Aufsicht über alle Alters- und Pflegeheime. Sein Amt sei bestrebt, die Gemeinden in ihren Aufgaben zu unterstützen, sei es mit Interpretationen von Statistiken oder Fragen bezüglich Ausbau der Alters- und Pflegeheime. Überdies weist Andreas Tinner darauf hin, dass die gestern publizierten Zahlen durchaus bekannt seien und die Regierung sich verschiedentlich mit diesen befasst habe.

Pflegeheimplanung aktualisieren

Aufgrund besagter Zahlen sei das Departement Gesundheit auch beauftragt, die Pflegeheimplanung bis 2016 zu aktualisieren. Das sei aber keine reine Zahlenstapelei, sondern es würde dazu auch die Situation der älteren Bevölkerung breiter beleuchten. Dies, indem nebst allen wichtigen Akteuren auch Einflussfaktoren wie das Leistungsangebot der Spitex, altersgerechte Wohnmöglichkeiten oder auch die Freiwilligenarbeit einbezogen werden. Auch wenn es grundsätzlich erfreulich ist, dass die Menschen älter werden, so gibt Andreas Tinner Markus Gmür recht, dass dadurch die Alterskosten steigen. «Nicht weil die Leistungen teurer werden, sondern weil mit dem Zuwachs der älteren und insbesondere hochbetagten Bevölkerung der Bedarf an Pflege- und Betreuungsleistungen wächst», präzisiert Tinner. Alle Akteure seien nun aufgefordert, gemeinsam die Herausforderungen zu meistern.