HOCHWASSERSCHUTZ: Das Material ist ausgegangen

Beim Rütiweier stehen die Bauarbeiten still. Der Grund: Noch immer fehlt Aushubmaterial für die Aufschüttung des Damms. Den Vorwurf, die Stadt habe geschlafen, weist der Leiter Wasserbau zurück.

Christina Weder
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Ruhe statt Baulärm: Der Damm beim Rütiweier oberhalb von St. Georgen ist noch nicht fertig aufgeschüttet. (Bild: Benjamin Manser)

Ruhe statt Baulärm: Der Damm beim Rütiweier oberhalb von St. Georgen ist noch nicht fertig aufgeschüttet. (Bild: Benjamin Manser)

Ein Spaziergänger, der öfter beim Rütiweier oberhalb von St.Georgen-Bach vorbeikommt, wundert sich. Seit drei Jahren präsentiert sich der Weiher als Baustelle. Ein Ende scheint nicht absehbar. Nach der ursprünglichen Planung hätte das Rückhaltebecken samt Damm, das dort erstellt wird, längst fertig sein sollen. Das Ziel ist, damit den Hochwasserschutz entlang der Steinach zu verbessern. Doch die Bauarbeiten kämen nicht vom Fleck, stellt der Mann fest.

Schwieriger als erwartet

Tatsächlich ist die Baustelle derzeit auf Eis gelegt – bereits zum zweiten Mal. Das bestätigt Rolf Kretzer, der städtische Verantwortliche für Wasserbau beim Tiefbauamt, auf Anfrage. Er sei schon mehrfach darauf angesprochen worden, ob man beim Rütiweier «schlafe». «Doch es ist nicht so einfach, wie es aussieht.» Der Haken an der Sache: Nach wie vor fehlt Aushubmaterial für die Aufschüttung des Damms. Dieses sei weit schwieriger aufzutreiben als erwartet. «Alle sagten, das sei keine grosse Sache. Doch in Tat und Wahrheit ist es anders.»

Laut Kretzer muss das Aushubmaterial bestimmten Anforderungen genügen, was vertraglich festgelegt sei. Es darf etwa keine organischen Bestandteile enthalten und muss einen zehnprozentigen Anteil an Ton aufweisen. Entscheidend sei vor allem die Dichtigkeit des Materials. «Wir erstellen hier schliesslich einen Staudamm für ein Becken, das bis zu 100000 Kubikmeter Wasser fassen kann.» Das dürfe man nicht unterschätzen. 200 Meter davon entfernt stehen die ersten Häuser. «Deshalb wollen wir es richtig machen.»
Ein erstes Mal wurde die Baustelle im Sommer 2015 stillgelegt, weil Aushubmaterial fehlte. Über ein Jahr lang lief gar nichts beim Rütiweier. Im vergangenen Herbst wurden die Verantwortlichen dann endlich fündig. In einer Baugrube am Rosenbergweg – vis-à-vis der Reithalle – fiel Aushubmaterial an. Das Labor, das die Materialprobe untersuchte, gab grünes Licht. 8500 Kubikmeter Aushub wurden zum Rütiweier nach St.Georgen hochgefahren, verbaut und verdichtet.

Gesucht: 1500 Kubikmeter

Drei Wochen lang herrschte im Oktober Hochbetrieb auf der Baustelle. Dann ging das Material aus. Es fehlen nach wie vor 1500 Kubikmeter Aushubmaterial, bis der Damm die angestrebte Höhe erreicht. Seit Ende Oktober liegen die Bauarbeiten wieder auf Eis. «Wir sind weiterhin auf der Suche», sagt Kretzer. Sämtliche Baugruben in Stadt und Region seien abgeklappert worden – darunter auch der Einstich des Ruckhaldetunnels im Riethüsli. Der Radius wurde schliesslich bis nach Vaduz ausgedehnt. «Doch je weiter wir fahren, desto teurer wird das Material.»

Deshalb hofft er, doch noch auf Stadtgebiet fündig zu werden. Insgesamt fünf Materialproben sind bis jetzt ins Labor geschickt worden, keine hat sich als brauchbar erwiesen. Zuletzt hat Kretzer seine Hoffnung auf Aushubmaterial vom Rosenbüchel gesetzt – bis vor zwei Wochen der negative Bescheid kam.
Dass die Bauarbeiten eingestellt sind, habe bis jetzt nicht zu hohen Mehrkosten geführt, sagt er. Das Projekt, an dem sich Bund, Kanton und Stadt beteiligen, kostet drei Millionen Franken. Vor einem Jahr hat das Stadtparlament einen Zusatzkredit von 186000 Franken bewilligt. Dieser war allerdings mit dem schlechten Wetter begründet.

Neben dem benötigten Material für die Aufschüttung des Damms fehlen derzeit noch der Schieber beim Wasserdurchlass und eine Plattform für die Messgeräte. Läuft alles nach Plan, soll im Sommer ein Probe-Aufstau stattfinden. «Doch dafür müsste es regnen», sagt Rolf Kretzer. Das Tiefbauamt hofft, die Bauarbeiten am Rütiweier bis Ende dieses Jahres abschliessen zu können.