Hochwasser in St.Georgen - kaum einer hat's gemerkt

In der Nacht auf Dienstag ist die Steinach über die Ufer getreten. Fast keiner hat's gemerkt. Entsprechend gross war die Überraschung gestern morgen, als die Spuren des Hochwassers im Quartier St. Georgen sichtbar geworden sind.

Elisabeth Reisp
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Auf dem Spielplatz des Schulhauses Hebel liegt Schwemmholz von der Steinach. (Bild: Evelyn Haydon)

Auf dem Spielplatz des Schulhauses Hebel liegt Schwemmholz von der Steinach. (Bild: Evelyn Haydon)

Nach Mitternacht ist bei der Kantonalen Notrufzentrale der Hochwasseralarm eingegangen. In der Steinach stürzte das Wasser mannshoch durch St.Georgen. Wiesen wurden geflutet und in einigen Häusern lief Wasser in den Keller. Dank der Hochwasserschutzmassnahmen ist die Steinach aber nur in eine Halle eines Gewerbebetriebes geflossen. Bei den anderen neun Meldungen, die bei der Feuerwehr eingegangen sind, war es Wasser, das von Hängen in die Keller lief. Viele St.Galler haben davon aber gar nichts mitbekommen.

Reissende Bäche

In St.Georgen hat es in der Nacht auf gestern 78 Liter pro Quadratmeter geregnet. «Diese Menge entspricht dem, was sonst im ganzen Monat Juli oder August vom Himmel kommt», sagt Daniel Köbele, Meteorologe bei der Meteogruppe Schweiz. Die Hälfte davon, etwa 40 Liter, sei in einer Stunde niedergegangen. «Bei diesen Mengen verwandeln sich asphaltierte Strasse, auf denen nichts ablaufen kann, in reissende Bäche.»

Das Gewitter ist aus Südosten gekommen. Es habe die ganze schwüle und daher sehr feuchte Luft aufgesogen und den Alpstein quasi als «Sprungschanze» genutzt und sich nördlich davon wie ein Sturzfall entladen, erklärt Köbele. Die intensiven Regenfälle haben sich auf ein sehr kleines Gebiet beschränkt. Was da gekommen ist, sei gewaltig gewesen. Köbele: «In Romanshorn beispielsweise wurde aber nur noch ein Liter pro Quadratmeter gemessen.»

Am Morgen danach ist die Steinach etwas ruhiger. (Bild: pd)

Am Morgen danach ist die Steinach etwas ruhiger. (Bild: pd)

Bis Mittag im Einsatz

Dass trotz dieser Wassermengen nicht mehr passiert ist, sei den Hochwasservorkehrungen vom Wenigerweier über den Rütiweier bis zur Mühlegg zu verdanken, sagt Melchior Rüdlinger, Bereitschaftsoffizier bei der Feuerwehr St. Gallen. «Wir hätten andernfalls sehr wahrscheinlich viel grössere Probleme gehabt.» Die Feuerwehr stand gestern von 1 Uhr nachts bis kurz vor Mittag, 11.30 Uhr, im Einsatz. Zehn Hochwassermeldungen sind bei ihr eingegangen. Fünf davon kamen aus dem Quartier St.Georgen. Auch wurde beispielsweise die Spielplatzwiese des Schulhauses Hebel geflutet (siehe Kasten). Gemäss Rüdlinger sei die Wiese sogar dafür vorgesehen.

Baustelle hat standgehalten

Der Rütiweier soll dereinst als Auffangbecken für Hochwasser dienen. Vor wenigen Wochen mussten die Bauarbeiten aber sistiert werden, es fehlt das richtige Aushubmaterial für den Rückhaltedamm. «Dennoch hat alles gehalten, die Baustelle hat keinen Schaden genommen», sagt Rolf Kretzer, Wasserbau St.Gallen. Das Wasser habe sich nur beim Durchlauf etwas gestaut.

Erste Bewährungsprobe für den Rütiweier. (Bild: pd)

Erste Bewährungsprobe für den Rütiweier. (Bild: pd)