Historisches Haus soll Neubau weichen

Auf der Watt im Riethüsli steht eines der ältesten Bauernhäuser der Stadt. Nun soll es abgebrochen werden. Erst vor kurzem wurde das Haus aus dem Inventar der schützenswerten Bauten entfernt, da es nicht mehr saniert werden kann.

Tobias Hänni
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Das alte Bauernhaus auf der Watt soll abgerissen werden. (Bild: Tobias Hänni)

Das alte Bauernhaus auf der Watt soll abgerissen werden. (Bild: Tobias Hänni)

Seit über 300 Jahren thront auf der Watt oberhalb des Quartierzentrums Riethüsli ein Bauernhaus. Der Riegelbau aus dem frühen 18. Jahrhundert gilt als eines der ältesten Bauernhäuser der Stadt. Das Gebäude ist jedoch in einem baufälligen Zustand. Bereits vor einigen Jahren musste der angebaute Stall abgebrochen werden, da er einzustürzen drohte. Nun soll das Haupthaus einem Neubau Platz machen.

Kein Interesse am Haus

«Auf dem Grundstück ist ein Einfamilienhaus geplant», sagt Felix Zehnder vom Stadtplanungsamt. Die Stadt habe den Antrag der Grundeigentümer für eine Änderung des Gestaltungsplans Watt bewilligt. Allerdings sei die Anpassung noch nicht rechtskräftig, da zwei Einsprachen erhoben worden seien. «Das Verfahren dazu läuft noch.»

Der ursprüngliche Gestaltungsplan für das Areal Watt aus dem Jahr 2005 sah vor, dass das alte Bauernhaus als Gemeinschaftshaus für die neue Überbauung Watt genutzt wird. Laut Zehnder besteht jedoch bei den Bewohnern kein Interesse daran.

Nicht mehr sanierbar

1980 wurde das Bauernhaus ins städtische Inventar der schützenswerten Bauten aufgenommen. Noch 2007 begründete die Denkmalpflege die Schutzwürdigkeit des Hauses unter anderem mit der in St. Gallen einzigartigen «Erscheinung und Konstruktion des Riegelfachwerks». Dieses Jahr wurde das Haus jedoch aus dem Inventar entfernt. «Eine Überprüfung im letzten Frühling hat gezeigt, dass das Gebäude nicht mehr sanierbar ist», sagt Niklaus Ledergerber, Leiter der städtischen Denkmalpflege. Regen und Vandalismus hätten dem Haus zu stark zugesetzt. «An dem Haus müsste so viel erneuert werden, dass der historische Bestand dabei zerstört würde.» Doch wieso intervenierte die Denkmalpflege nicht bei den Besitzern des Hauses, bevor der Abbruch unvermeidlich wurde? «Wir hatten die Zusage, dass die Idee des Gemeinschaftshauses umgesetzt wird», sagt Ledergerber. Die Denkmalpflege habe zu wenig Kapazitäten, um bei allen 800 Schutzobjekten regelmässig zu überprüfen, was mit ihnen geschehe.