HINTERGRUND: Der Baumfäller verteidigt sich

Norbert Eberle hat im Quartier Böllentretter in Steinach drei Bäume fällen lassen. Nun nimmt er in einem Offenen Brief an den Gemeinderat Stellung zur Fällaktion, die schweizweit für Aufsehen sorgte.

Rudolf Hirtl
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Die zwei Buchen und die Eiche waren für viele Anwohner des Quartiers mehr als nur eine hübsche Bepflanzung. Jetzt sind sie Geschichte. (Bild: Fritz Heinze)

Die zwei Buchen und die Eiche waren für viele Anwohner des Quartiers mehr als nur eine hübsche Bepflanzung. Jetzt sind sie Geschichte. (Bild: Fritz Heinze)

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Für «Baumfäller» Norbert Eberle ist nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, zu den Vorkommnissen (Ausgabe vom Mittwoch, 22. März) Stellung zu beziehen. Aus diesem Grund richtet er im Offenen Brief folgende Worte an den Steinacher Gemeinderat:

«Bitte urteilen Sie nicht vorschnell, ohne die Hintergründe des ganzen Ausmasses und die Rolle der Gemeindeverwaltung Steinach zu kennen. Schon seit mehreren Jahren ersuchten nicht nur ich, sondern auch andere Anwohner des Böllentretter-Quartiers die Gemeindeverwaltung, unter der Leitung von Roland Brändli, seinem ehem. Bauverwalter Hans-Peter Eberle und seinem jetzigen Bauverwalter Urs Holenstein, in dem Anliegen ‹die Bäume zu pflegen und diese auch entsprechend zurückzuschneiden› tätig zu werden. Unverständlicherweise liess die Gemeindeverwaltung alle ins Leere laufen. Seit drei Jahren habe ich die Gemeindeverwaltung mehrfach und auch nachdrücklicher auf die zu hohen Bäume und den ungepflegten Quartierplatz aufmerksam gemacht. Im Oktober 2016 wurde Urs Holenstein wieder telefonisch kontaktiert, mit dem Anliegen, nun endlich die Bäume zurückzuschneiden und das abfallende Laub einzusammeln. Es passierte nichts! In den vergangenen zehn Jahren wurden weder die Bäume im Quartier Böllentretter zurückgeschnitten, was ganz klar in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde gehört, noch wurde das Laub zusammengekehrt. Das Laub haben die Anwohner immer selbst zusammengetragen und sogar abtransportiert.

Es passierte einfach nichts

Um den 20. Februar 2017 rief ich wiederholt bei Urs Holenstein an. Er sagte: ‹Ich stimme Ihnen zu, dass Sie schon Ende Oktober angerufen haben, aber ich habe dieses Anliegen vergessen und werde mich nun darum kümmern.› Wieder vergingen zwei Wochen und können Sie sich vorstellen, was passierte? Es passierte wiederholt einfach nichts!

Somit war es Montag, 6. März 2017, ca. 8.15 Uhr, als ich bei der Bauverwaltung anrief, um nachzufragen, wie es nun mit den Bäumen im Böllentretter-Quartier weitergehe. Claudine Emmenegger verwies mich an Urs Holen­stein, da er über das Anliegen Bescheid wusste. Er rief an diesem Tag nicht zurück.

Am Dienstag, 7. März 2017, ca. 8.10 Uhr meldete ich mich erneut bei der Gemeindeverwaltung Steinach. Doch an diesem Morgen kam das Tonband, dass mir aufzeigte, dass die Büro-Öffnungszeiten von 8 bis 11.30 Uhr gelten. Wohlgemerkt war es schon 8.10 Uhr. So rief ich um 8.30 Uhr nochmals an. Doch erneut kam das gleiche Tonband mit den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung Steinach.

Mittwoch, 8. März 2017, ca. 8.20 Uhr: Nun war endlich wieder einmal jemand von der Gemeindeverwaltung Steinach erreichbar. Claudine Emmenegger liess sich den ganzen Sachverhalt erklären und notierte sich meine Handynummer mit dem Vermerk, Urs Holenstein werde mich bezüglich meines Anliegens zurückrufen. Auch habe ich höflichst nachgefragt, warum gestern keine Telefonleitung zu den Bürozeiten offen war . . .

Donnerstag, 9. März 2017, ca. 8.15: Da sich Urs Holenstein nicht bei mir meldete, rief ich erneut an. Claudine Emmenegger entgegnete mir: ‹Die Bauverwaltung hat keine Zeit für solche Anliegen.› Daraufhin sagte ich Claudine Emmenegger, dass ich am darauffolgenden Tag nochmals anrufen werde.

Freitag, 10. März 2017: Mein erster Anruf um 08.15 Uhr wurde gar nicht erst entgegengenommen. Zehn Minuten später rief ich nochmals an. Die Herren Brändli und Holenstein waren schon lange nicht mehr zu sprechen. Claudine Emmenegger nahm das Telefon an diesem Morgen nochmals ab. Daraufhin sagte sie mir, ich solle Roland Brändli eine E-Mail schreiben. Da sagte ich ihr: ‹Roland Brändli hat mir schon vor langer Zeit gesagt, dass Urs Holenstein für dieses Anliegen zuständig ist, weshalb ich Roland Brändli auch keine E-Mail mehr schreiben werde, da ich schon mehrmals auch in anderen Sachverhalten geschrieben habe und jedes Mal nichts passierte.› Es gab keine Antwort und auch keine Reaktionen von der Gemeindeverwaltung.

Auf Fäll-Ankündigung keine Reaktion erhalten

Des Weiteren sagte ich ihr: ‹Sie können Roland Brändli und Urs Holenstein einen schönen Gruss zukommen lassen und ihnen ausrichten, dass ich diese Bäume nun selbst fällen werde und die Rechnung der Gemeindeverwaltung zukommen lasse.› Diese Vorankündigung habe ich Claudine Emmenegger fünfmal mitgeteilt. Claudine Emmenegger gab mir lediglich zu verstehen, dass diese Rechnung nicht beglichen werde.

Da ich nun eine Woche lang jeden Tag angerufen habe und keiner der Verantwortlichen mit mir das Gespräch suchte, dachte ich, dass sich nun in der darauffolgenden Woche die Verantwortlichen der Gemeindeverwaltung, Roland Brändli oder Urs Holenstein, bei mir melden würden. Während einer Woche lang kam weder ein Telefon noch ein Brief. Die Gemeindeverwaltung unter der Leitung von Roland Brändli unternahm einfach nichts . . . Da eine Woche lang keine Reaktion seitens der Gemeindeverwaltung kam, kann dieses Schweigen als stillschweigende Zustimmung qualifiziert werden.

Aus diesem Grund liess ich die Bäume am 18. März 2017 im Quartier Böllentretter fällen. Die Gemeindeverwaltung Steinach war zu jederzeit über das ganze Vorgehen informiert. Des Weiteren war ich nicht der Einzige, der mit der Gemeindeverwaltung wegen der zu hohen Bäume und der Untätigkeit im Herbst das Gespräch suchte.

Nun kennen Sie die ganzen Hintergründe des aktuellen Geschehens in der Gemeindeverwaltung. An dieser Stelle muss noch hinzugefügt werden, dass ich die Presse keineswegs über diesen Sachverhalt informiert habe. Ein in Steinach wohnhafter Medienschaffender hat die Angelegenheit nach aussen getragen.»

Nachfolgend schildert Norbert Eberle einen weiteren Fall. Dabei gehe es um widerrechtliche Parkfelder. Auch hier bleibe der Gemeinderat untätig.