Hinter den Kulissen eines Dramas

Die Dreharbeiten für den TV-Film «Der Verdacht» sind derzeit in vollem Gang. Unter anderem am GBS St. Gallen filmt eine 30köpfige Crew. Die Filmemacher zeigen sich von der Stadt St. Gallen als Drehort begeistert.

Luca Ghiselli
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Sabine Boss Regisseurin der TV-Produktion «Der Verdacht» (Bild: pd/SRF)

Sabine Boss Regisseurin der TV-Produktion «Der Verdacht» (Bild: pd/SRF)

Rund um das Gewerbliche Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen (GBS) herrscht am Freitagmorgen Ausnahmezustand. Eine rund 30köpfige Filmcrew der Zürcher Produktionsfirma Dschoint Ventschr dreht dort mehrere Szenen für das Lehrerdrama «Der Verdacht» von Regisseurin Sabine Boss. Auf dem Drehplan steht eine Schlüsselszene der Geschichte rund um Missbrauchsvorwürfe gegen einen Zeichnungslehrer: Der Lehrer Max Gruber, gespielt von Immanuel Humm, wird unter den Augen seiner Schüler mitten auf dem Pausenplatz in Handschellen abgeführt.

Lehrer in Handschellen

Damit die Aufnahmen nicht gestört werden, muss die Filmcrew Vorkehrungen treffen. Ein Crewmitglied steht an der Durchgangstür zum Pausenplatz. «Warten bitte», weist sie verdutzte GBS-Schüler an, die das Schulhaus verlassen wollen. Wenige Sekunden später laufen schon die Kameras. Die Staatsanwältin, verkörpert von der Herisauer Schauspielerin Doris Schefer, lässt den Zeichnungslehrer verhaften. Zwei Polizisten legen ihm Handschellen an. «Und aus.» Das Set wird umgebaut, die Szene mit einer anderen Einstellung erneut gefilmt. Regisseurin Sabine Boss ist mit der Leistung zufrieden. «Viel besser kann man das nicht machen», ruft sie.

Hilfsbereites St. Gallen

«Es ist eine Freude, in dieser Stadt zu drehen», sagt Sabine Boss. Die Schauplätze seien noch unverbraucht, die Seherlebnisse neu. Ausserdem seien alle lokalen Institutionen sehr hilfsbereit und zuvorkommend. St. Gallen-Bodensee Tourismus habe sich zum Beispiel um die Unterkunft gekümmert. «Die VBSG überliess uns sogar die Wahl, welchen Bus wird zum Drehen mieten wollen», sagt Boss. Das sei nicht selbstverständlich. «Der Verdacht» ist bereits der neunte Film, den die Aarauer Regisseurin für SRF dreht. Für die Kinoproduktion «Der Goalie bin ig» wurde sie kürzlich mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet.

GBS von Projekt begeistert

Während zwei Stunden wird die Verhaftungsszene rund 20mal wiederholt und mit mehreren Einstellungen gedreht. Der Pausenplatz ist in dieser Zeit blockiert. Lukas Reichle, Rektor der GBS St. Gallen, zahlt diesen Preis gerne. «Wir haben gewusst, dass es für Mitarbeiter und Lernende eine Herausforderung wird», sagt er. Trotzdem gelte es gute Projekte zu unterstützen. Er sei von «Der Verdacht» sofort sehr überzeugt gewesen und habe dem Vorhaben ohne grosses Zögern zugestimmt. Dass sich die Handlung des Films um Missbrauchsvorwürfe gegen einen Lehrer dreht, hat Reichle nicht abgeschreckt, im Gegenteil. «Dieses Thema ist gesellschaftlich relevant», sagt der Rektor. Die Gratwanderung zwischen Verdacht und Fakten sei auch in der Realität nicht einfach und deren Beurteilung falle intern oft auf den Schulleiter zurück.

Im Herbst 2015 im Fernsehen

Das GBS stellt derweil nicht nur ihre Räume für die Dreharbeiten zur Verfügung. Die Mehrheit der rund 30 Statisten, die vergangene Woche am Set beteiligt waren, sind GBS-Schüler. Diese seien motiviert und begeistert, im Film mitspielen zu dürfen, sagt Lukas Reichle. Noch bis am 7. Dezember wird für «Der Verdacht» in St. Gallen gedreht. Neben dem GBS dient unter anderem eine private Villa als Drehort. Der Spielfilm wird voraussichtlich im Herbst 2015 erstmals im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt.

Lukas Reichle Rektor Gewerbliches Berufsschulzentrum St. Gallen (GBS) (Archivbild: Ralph Ribi)

Lukas Reichle Rektor Gewerbliches Berufsschulzentrum St. Gallen (GBS) (Archivbild: Ralph Ribi)

Polizisten verhaften in einer Szene des Films «Der Verdacht» den Zeichnungslehrer Max Gruber, gespielt von Immanuel Humm. (Bild: Samuel Schalch/SRF)

Polizisten verhaften in einer Szene des Films «Der Verdacht» den Zeichnungslehrer Max Gruber, gespielt von Immanuel Humm. (Bild: Samuel Schalch/SRF)