HILFSPROJEKT: Alte Nähmaschinen als Lebensgrundlage

Was in der Schweiz ausgemustert wird, kann andernorts Menschen eine Lebensgrundlage bieten. Brunhilde Rimle unterstützt Moses Kasule, der in Wittenbach als Flüchtling lebte, mit Nähmaschinen.

Katja Blöchlinger
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Brunhilde Rimle-Henkel mit einem Foto von der Eröffnungsfeier der Nähfabrik in Uganda mit Schweizer Maschinen. (Bild: Katja Blöchlinger)

Brunhilde Rimle-Henkel mit einem Foto von der Eröffnungsfeier der Nähfabrik in Uganda mit Schweizer Maschinen. (Bild: Katja Blöchlinger)

Spendenunterlagen, ausgedruckte E-Mails von Moses Kasule sowie Fotos von ihm und seiner Familie füllen bereits einen dicken Ordner. Die Wittenbacherin Brunhilde Rimle-Henkel strahlt, wenn sie über ihn und das Projekt spricht: «Ich helfe Menschen gerne und er ist ein sehr intelligenter und wissbegieriger Mann.»

Kennengelernt hat sie Kasule vor fünf Jahren, als er als Flüchtling in Wittenbach lebte. Da lernte er im Nähcafé des Vereins «etwas * Raum für Ideen» Nähen und Stricken. Angebote der sozialen Institutionen nutzte er ebenfalls, um sich zu integrieren. «Er lernte Deutsch, in seinen E-Mails schreibt er sehr gut», erzählt Brunhilde Rimle. Als sich die Situation in Uganda nach vier Jahren verbesserte, schickte die Schweiz Kasule wieder zurück in sein Heimatland. Zu diesem Zeitpunkt sei das Spendenprojekt ins Rollen gekommen. «Diakon Ueli Bächtold schickte ihm zwei Nähmaschinen, weil Moses plante, eine Nähfabrik zu eröffnen», sagt die Wittenbacherin. Sie entschloss sich, selber noch mehr Nähmaschinen zu sammeln und nach Uganda zu schicken. Nachdem das «Tagblatt» über das Projekt berichtet hatte (Ausgabe vom 16. August 2016), setzten sich zahlreiche Leute aus der Region mit ihr in Verbindung, um alte Nähmaschinen zu spenden. Ein Erfolg: Moses Kasule konnte seine Nähfabrik in Kampala mit sechs Schweizer Nähmaschinen kürzlich eröffnen. Auf dem Foto von der Eröffnungsfeier, sagt Brunhilde Rimle, habe sie ihn zum ersten Mal lächeln sehen.

Irrfahrten und hohe Transportkosten

Es gab auch einige Hürden. Zum einen waren da die hohen Transportkosten. «Meine vier gesammelten Maschinen zu schicken kostete 900 Franken.» Zum anderen gingen die Pakete auf Irrfahrt: «Eine Maschine lag einige Zeit in London, eine andere in Brüssel.» Mittlerweile hat die Wittenbacherin ihr Ziel, 20 Nähmaschinen zu sammeln, erreicht. Bis diese alle in Kasules Fabrik stehen, dauert es aber noch ein wenig. Die positiven Rückmeldungen von Spenderinnen und natürlich von Moses Kasule motivieren sie immer wieder von Neuem. Gefreut hat sie sich auch über das Engagement der Firma Bernina: Diese hat neun Nähmaschinen kostenlos überholt.

Katja Blöchlinger

redaktiongo

@tagblatt.ch