Hilfe zur Integration von Fremden

Das Café International lädt jeden Montagnachmittag zum Treffpunkt in der evangelischen Kirche Rorschach ein. Begleitet von den Pfarrpersonen, stehen sieben Zweierteams zur Verfügung, um Fremden die Integration zu erleichtern.

Roland Thommen
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Montagnachmittags können sich Schweizer und Migranten im Café International treffen und austauschen. (Bild: Robert Blattmann)

Montagnachmittags können sich Schweizer und Migranten im Café International treffen und austauschen. (Bild: Robert Blattmann)

RORSCHACH. Vergleicht man nur das Verhältnis von Angebot und Nachfrage des Treffpunktes, so geht die Rechnung nicht auf, denn nur wenige Besucher finden sich montagnachmittags im Café International ein.

Eine Portugiesin bedauert, dass sie aus beruflichen Gründen immer wieder fehlen muss. Der kurdische Syrer Jasser philosophiert darüber, ob die staatliche Entwicklung der Schweiz genauso verlaufen wäre, wenn es hier ebenso viele Bodenschätze gäbe wie in seiner Heimat. Da landet er beim Konjunktiv und Wenn-Sätzen und lässt sich die komplizierten grammatikalischen Formen erklären. Kaffee und Kuchen lehnt er ab, es sei ja Ramadan.

Individuelle Integration

Auch Dede aus Togo und ihr Partner Sam kennen die Kirche gut. Sie haben nun eine gut einjährige Tochter und ein weiteres Kind unterwegs. Für den Treffpunkt fehlt ihnen die Zeit, aber sie haben Paten aus Deutschland und Holland, die sie unterstützen und sind oft am Gottesdienst, auch wenn Mundart-Ansprachen ihnen noch unverständlich sind.

Sie treffen dort Menschen, etwa Winifred aus Ghana und ihren Mann. Winifred singt im Gospelchor und in Projektchören von Ute Rendar mit, was neue Beziehungen schafft und die sprachliche Kompetenz erhöht. Schwieriger bleibt die Eingliederung ins Wirtschaftsleben.

Einen ganz anderen Weg durchlief Steisy aus der Dominikanischen Republik. Ihre Mutter besuchte dort öfters die Kirche und sie wurde dieses Jahr, nach zwei Jahren in der Schweiz, konfirmiert. Demnächst beginnt sie eine Lehre. Ihre Integration verlief eher über den Kollegenkreis. Sie besucht aber immer noch periodisch die kirchlichen Jugendtreffs. Sprachlich hat sie bereits kaum mehr Probleme.

«Reformiert bedeutet Heimat»

Die Erfolge des Treffpunktes im Café International sind also spürbar. Die grosse Liste deutscher und holländischer Mitglieder in den kirchlichen Behörden und Arbeitsgruppen weist auf eine gelungene Integration hin. Zuerst gebe es Beziehungen zu Landsleuten und dann ein grösseres Netz unter Einschluss der Einheimischen.

Einen besonderen Aspekt betont Ina D. Reformiert bedeute für sie Heimat, denn in ihrer Gegend zählten die Reformierten nicht einmal zu den Landeskirchen. Die Erfolgsquote bei den erwähnten Nationalitäten relativiert sich auch hier, wenn es sich um kirchenferne Personen handelt. Immerhin darf nach dieser kleinen Vorstellung von Teilnehmern festgestellt werden, dass die evangelische Kirche einen Beitrag zum Abbau von nationalen Schranken leistet, vergleichbar mit der Arbeit von sportlichen oder kulturellen Organisationen.