Hightech gegen Frankenschock

REGION AM SEE. Das Jahr 2015 wurde geprägt von der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Auch die grössten heimischen Unternehmen mussten sich in diesem schwierigen Umfeld bewegen. Sie taten dies erfolgreich, wie die Tagblatt-Umfrage zeigt. (Teil 1)

Rudolf Hirtl
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Plasmaschneidanlagen verarbeiten bei Stürm SFS in Goldach Metalle bis zu 300 Millimeter Dicke. (Bild: Stürm SFS)

Plasmaschneidanlagen verarbeiten bei Stürm SFS in Goldach Metalle bis zu 300 Millimeter Dicke. (Bild: Stürm SFS)

«Wir sind zufrieden mit der Entwicklung im Bereich der Systempartnerschaften. Besonders dort, wo wir als Anbieter von Gesamtlösungen auftreten, konnten wir ein Wachstum erzielen», sagt Michael Thüler, CEO der Stürm SFS AG in Goldach, auf die Frage, welche Produkte 2015 zu einem guten Ergebnis beigetragen haben. «Unsere Kunden schätzen die massgeschneiderten Lösungen im Bereich der Material-, Lager-, und Logistikoptimierung.» Nichtsdestotrotz sei das Jahr geprägt gewesen von einem schwierigen Umfeld. Vor allem die aus der Aufhebung des Euro-Mindestkurses der Schweizer Nationalbank resultierende Lagerabwertung habe sich negativ auf die Bilanz 2015 ausgewirkt. «Zusätzlich zum Wechselkurs wurden wir mit fallenden Rohmaterialpreisen konfrontiert, die das Marktumfeld zusätzlich erschwerten», sagt Thüler und räumt ein, dass der Personalbestand aufgrund des schwierigen Umfeldes leicht reduziert werden musste.

Hoffnung auf stabilere Preise

Er betont, dass Stürm SFS mit dem Engagement seiner Mitarbeiter sehr zufrieden sei. Durch deren wertvolle Mitarbeit seien wesentliche Fortschritte in der Optimierung des operativen Geschäfts erreicht worden. «Wir haben viel Energie und Arbeit in Projekte gesteckt, die uns gut für die Zukunft rüsten. Leider bleibt das finanzielle Ergebnis 2015, aufgrund der erwähnten Faktoren, noch hinter den Erwartungen», sagt der CEO und bekräftigt, dass der Hauptsitz der Stürm SFS AG dennoch in Goldach bleibt. Nach der Zinswende in den USA rätseln Experten noch über die Folgen. «Die Zinswende wird sich positiv auf Unternehmen auswirken, die in die USA exportieren. Wenn dadurch vermehrt in der Schweiz produziert wird, können wir partizipieren», sagt dazu Michael Thüler. Er hofft, dass sich auch dieses Jahr Unternehmen zum Standort Schweiz bekennen. «Zudem wünschen wir uns, dass eine Stabilität der Rohstoffpreise eintritt, damit wieder Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Geschäft herrschen.»

Stadler «flirtet» erfolgreich

Der heimische Schienenfahrzeughersteller konnte 2015 alle Produktsegmente erfolgreich im Markt plazieren. Im Werk Altenrhein wurde laut Markus Sauerbruch, CEO der Stadler Altenrhein AG, der Grossauftrag der SBB für 50 Doppelstockzüge «Kiss» erfolgreich und pünktlich mit der Auslieferung des 50. Zuges abgeschlossen. Zudem seien zehn Trams «Tango» an die BLT ausgeliefert worden und sieben Triebzüge an die schweizerischen Meterspurbahnen. «Ein besonderer Erfolg war die pünktliche Auslieferung des ersten Albula Gliederzuges für die RhB. Fünf Züge werden 2016 folgen.»

Der absolute Renner der Stadler Gruppe ist der Regional-Triebzug «Flirt», der inzwischen 1128mal verkauft wurde. Auch in der Kategorie Zahnradbahn verzeichnet Stadler laut Sauerbruch einen hohen Bestellungseingang. Im zu Ende gegangenen Jahr wurden 31 Fahrzeuge mit einem Gesamtwert von 180 Millionen Franken bestellt.

«Der Personalbestand ist sowohl in Altenrhein als auch in der Stadler Gruppe stabil gewesen. In Altenrhein haben wir ca. 900 Mitarbeiter beschäftigt. In der Schweiz sind es gesamt 3000 Mitarbeiter und in der Gruppe ca. 6000 Mitarbeiter. Dieses Jahr werden aber ca. 850 Mitarbeiter durch die Integration des Werkes in Valencia hinzukommen.»

«Stadler Australia» gegründet

Die Auflösung der Frankenbindung an den Euro Anfang 2015 habe Stadler Rail hart getroffen, sagt Sauerbruch. Die Exportquote liege bei über 50 Prozent, und die Konsolidierung in Schweizer Franken habe zu einer Reduktion des Umsatzes um 200 bis 300 Millionen Franken geführt. Die Geschäftsleitung habe aber schnell reagiert und die Strategie breiter abgestützt. Der Eintritt in neue Marktsegmente wie Highspeed, Metro und Lokomotiven sei mit dem SBB-Auftrag für 29 Highspeed-Züge, die durch die neue Gotthardröhre fahren, denn auch bereits gelungen. Auch das Metro-Segment sei mit dem Auftrag aus Berlin geknackt. Zusätzlich habe Stadler Rail 2015 von Vossloh das Lok-Werk in Valencia übernommen und damit neu Europas stärkste diesel-elektrische Lokomotive in sein Produktportfolio. Auch der Eintritt in neue Märkte sei in vollem Gange. Zum Beispiel in den USA durch die Bestellung von acht «Flirt3»-Zügen für das texanische Bahnunternehmen Fort Worth Transportation Authority. «Darüber hinaus hat Stadler Rail auch in Australien und in der Region Asien-Pazifik eine steigende Nachfrage nach modernen und leichten Aluminium-Zügen sowie Strassen- und Stadtbahnen festgestellt und den Entscheid getroffen, mit seinem Produktportfolio in diesen Markt einzusteigen», so Markus Sauerbruch. Hierzu werde eine neue Gesellschaft mit dem Namen «Stadler Australia» gegründet und ein Büro in Sydney eingerichtet, um von dort aus den Markt zu bearbeiten.

«Die Auslastung für 2016 sieht in Altenrhein, aber auch in Bussnang gut aus», sagt Sauerbruch. «Auch sind für 2017 schon wichtige Aufträge gewonnen worden. Somit sind die kurzfristigen Perspektiven gut, doch müssen wir uns in einem harten internationalen Umfeld immer wieder aufs Neue bewähren.»

23 neue Mitarbeiter in Goldach

Im Jahr 1971 hat Beda Hutter seine Einzelfirma gegründet. Heute hat das Unternehmen 75 Angestellte, wobei der medizinische Sektor (Motorensteuerung für die Chirurgie) mit 85 Prozent den ursprünglich führenden Bereich dental-medizinische Apparaturen als wichtigstes Standbein abgelöst hat. Und dies derart erfolgreich, dass dieses Jahr in Goldach zusätzliche 23 Stellen geschaffen werden. Die Nouvag AG hat laut Hutter dank innovativen Eigenentwicklungen die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise gemeistert. Investitionen in Forschung und Entwicklung würden in Zukunft weiteres Wachstum sichern.

Markus Sauerbruch CEO Stadler Altenrhein AG (Bild: pd)

Markus Sauerbruch CEO Stadler Altenrhein AG (Bild: pd)

Beda Hutter Inhaber Nouvag AG, Goldach (Bild: rtl)

Beda Hutter Inhaber Nouvag AG, Goldach (Bild: rtl)

Michael Thüler CEO Stürm SFS AG, Goldach (Bild: zVg)

Michael Thüler CEO Stürm SFS AG, Goldach (Bild: zVg)