Hier verdichten, dort begrenzen

ST. GALLEN. Die St. Galler Regierung hat die überarbeitete Fassung des Raumkonzepts genehmigt. Das Raumkonzept dient als strategische Grundlage für den kantonalen Richtplan, der zunächst im Kapitel Siedlung erneuert wird.

Marcel Elsener
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Wie soll der Kanton St. Gallen in nächster Zukunft aussehen, wo soll er sich wie entwickeln und wie kann er sich mit Nachbarräumen wie dem metropolitanen Zürich oder Vorarlberg vernetzen? Solche Fragen beantwortet das Raumkonzept St. Gallen. Es zeigt auf 28 Seiten eine Gesamtschau der räumlichen Ordnung des Kantons und dient als strategische Orientierungshilfe für die Koordination räumlicher Eingriffe wie die Gestaltung von Siedlung und Landschaft. Das Raumkonzept wurde in einem breit abgestützten Prozess erarbeitet. Nachdem ein Entwurf im Frühling der Öffentlichkeit vorgelegt worden war, prüfte das Baudepartement «die zahlreichen Anträge und Anregungen», wie es heisst.

Sechs Leitsätze

Im Zentrum des Raumkonzepts stehen sechs Leitsätze und zwei Zukunftsbilder. Die Leitsätze zeigen die Strategien für einen attraktiven Lebens- und Wirtschaftsraum: Der Kanton St. Gallen verstärkt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und nimmt damit seine Rolle in der Ostschweiz aktiv wahr. Er entwickelt die Siedlungen innerhalb der bestehenden Siedlungsgrenzen und in Entwicklungsschwerpunkten. Der Kanton ist als Wohnstandort für Stadt- und Landbevölkerung attraktiv und positioniert sich mit Flächenangeboten als Wirtschaftsstandort. Auch bewahrt und fördert er die Qualität von Natur- und Kulturlandschaften. Das Verkehrsangebot soll auf eine konzentrierte Siedlungsentwicklung ausgerichtet werden; das Bahnangebot bildet das Rückgrat. Schliesslich soll die Grundversorgung und Entsorgung «raumordnungs- und umweltverträglich» sein.

Urbane Verdichtungsräume

Die «Zukunftsbilder» nehmen zum einen die st. gallische Vielfalt von Siedlungs- und Landschaftsstrukturen mit vier Raumtypen auf; zum andern werden spezifische Herausforderungen für jeden Handlungsraum (Region) formuliert. Ein Fazit, das die Konzeptgruppe Richtplanüberarbeitung aufgrund der raumplanerischen Herausforderungen festhält: «Der Kanton St. Gallen soll auch in Zukunft kein durchgängiges Siedlungsband sein.» Was dies für die einzelnen Regionen und Gemeinden bedeutet, zeigt der Einspruch der Dörfer Muolen, Häggenschwil und Waldkirch: Sie wundern sich über ihre Zuteilung zum Raumtyp «Kultur- und Agrarlandschaft» und bangen um ihre Entwicklung. In der Tat sollen solche Übergangslandschaften «sehr zurückhaltend besiedelt werden», erklärt Ueli Strauss, Leiter Amt für Raumentwicklung und Geoinformation. Im Gegensatz zu den «urbanen Verdichtungsräumen»: Ob St. Gallen hier so weit gehen will wie der Kanton Zürich, der laut Strauss 80 Prozent des Wachstums auf diese Räume lenkt, wird sich weisen.

Eine Frage des Ausgleichs

«Die grossen Diskussionen mit den Gemeinden werden noch folgen», sagt Strauss. Erst letzte Woche war er beim Stadtrat Altstätten, um die auch in einer kantonsrätlichen Interpellation hinterfragte «Rückstufung» Altstättens vom Regional- zum Kleinzentrum zu begründen: Im Handlungsraum Mittelrheintal haben Heerbrugg und Nachbargemeinden das Zepter der Entwicklung übernommen.

Auseinandersetzungen sind zu erwarten, weil die Klassierungen Auswirkungen haben auf den Richtplan. Wenn etwa im oberen Rheintal das hauptsächliche Wachstum Buchs und Grabs zugeschrieben wird, müssen Gemeinden wie Sennwald oder Wartau Beschränkungen hinnehmen. Komplexe Themen, wie Strauss einräumt, die letztlich auch die Frage des regionalen Finanzausgleichs tangierten.

Workshops für neuen Richtplan

Das Raumkonzept dient als Basis für die Überarbeitung des kantonalen Richtplans von 2003. Zunächst drängt der Teilbereich Siedlung, weil 2014 das revidierte Raumplanungsgesetz mit seinen Übergangsbestimmungen in Kraft tritt. Fünf Jahre Zeit bleibt den Kantonen, um ihre Richtpläne anzupassen, sonst droht ein Moratorium auf Neueinzonungen. Laut Strauss soll im Spätherbst ein erster von vier Workshops mit den Gemeinden stattfinden. Ziel sei es, den Richtplan auf kantonaler Stufe bis Ende 2014 fertigzustellen.

Das Raumkonzept St. Gallen erhält man beim Areg als Broschüre oder auf www.areg.sg.ch als Download.

Das Bahnareal St. Fiden in St. Gallen – urbaner Entwicklungsschwerpunkt an gut erschlossener Lage. (Bild: Michel Canonica)

Das Bahnareal St. Fiden in St. Gallen – urbaner Entwicklungsschwerpunkt an gut erschlossener Lage. (Bild: Michel Canonica)