Hier haben Bauern eine Zukunft

Eine gute Lage, ebene Böden, genügend Platz – nicht ohne Grund leben viele Waldkircher von der Landwirtschaft. Ob Waldkirch nun eine typische Bauerngemeinde ist oder nicht, darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Timo Schorno
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WALDKIRCH. Was die Landwirtschaft angeht, ist Waldkirch Spitzenreiter. Seit 1980 wohnen dort mehr Bauern als in jeder anderen Gemeinde der Region St. Gallen und Gossau. Waldkirch weist die grösste landwirtschaftliche Nutzfläche auf. Von den 3125 Hektaren Gemeindefläche werden 2087 Hektaren von Bauern genutzt. Und seit 1980 zählt Waldkirch mehr Landwirtschaftsbetriebe als etwa Mörschwil mit fast derselben Einwohnerzahl. Dies zeigen die Daten des Bundes.

Die Nachfrage steigt

Für den Gemeinderat Guido Brühlmann, selber Landwirt im Nebenerwerb, ist Waldkirch noch heute ein typisches Bauerndorf. Und das nicht nur wegen der statistischen Daten. Zum einen eigne sich der Standort im Fürstenland gut für den Anbau von Obst. So habe hier der Bestand an Hochstammobstbäumen nicht wie vielerorts ab-, sondern zugenommen. Zum anderen verfüge Waldkirch über gute und ebene Böden. Und nicht zuletzt sei die Toleranz gegenüber Landwirten in der Bevölkerung spürbar.

Die letzten beiden Punkte bestätigt auch Landwirt Bruno Zähnler. «Wenn hier mal ein Traktor vor einem fährt oder Tiere auf der Strasse sind, regt sich niemand gross auf.» Dass man sich nicht in Stadtnähe befinde, spiele dabei sicher eine Rolle. Den Rückhalt in der Bevölkerung sehe man auch bei der alljährlichen Viehschau im Herbst. «Die ist sehr gut besucht, und zwar auch von Nichtbauern.» Und trotz der Entfernung zur Stadt sei die Verkehrslage – verglichen mit einem Bergdorf – gut, was den Transport von Obst, Milch und Futter erleichtere. Zwar gehe die Zahl der Betriebe und Beschäftigten auch in Waldkirch zurück. Dennoch glaubt Zähnler, dass die Landwirtschaft ein wichtiger Faktor bleibt. «Man muss das global sehen. Die Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln steigt und steigt.»

Dass Waldkirch noch ein typisches Bauerndorf ist, stellt hingegen Gemeindepräsident Franz Müller in Abrede. Früher sei das sicher so gewesen, heute aber existiere im Dorf selber kein Bauernbetrieb mehr. Waldkirch mit Bernhardzell sei jedoch noch immer eine Landgemeinde mit 110 Höfen und weiteren 60 Nebenerwerbsbetrieben. Die Voraussetzungen für Landwirte seien gut, meint Müller, nicht zuletzt wegen der grossen Ausdehnung der Gemeinde. Dies setze auch eine grosse Infrastruktur voraus, was die Gemeinde belaste. Andererseits seien es oftmals die Bauern, die Unterhaltsarbeiten an Strassen oder Schneeräumungen vornehmen würden. Die landwirtschaftliche Prägung sei also durchaus ein Vorteil.

Obstanbau bleibt massgebend

Waldkirch habe den landwirtschaftlichen Strukturwandel genauso wie andere Gemeinden mitgemacht, sagt Müller. Viele Kleinbetriebe hätten aufgeben müssen, weil sie als Existenzgrundlagen nicht mehr ausgereicht hätten. Der Strukturwandel sei auch heute noch nicht abgeschlossen. Bei vielen älteren Bauern in der Gemeinde bleibe die Nachfolgeregelung unklar. Müller rechnet damit, dass die Zahl der Betriebe auch in der Gemeinde Waldkirch weiterhin rückläufig bleiben. «Nicht dass ich das gerne sehen würde.» Viele Bauten, etwa Scheunen, würden dann leer stehen, weil das Raumplanungsgesetz eine Umnutzung nicht zulasse. Der Obst- und Früchteanbau werde wohl massgebend bleiben.

Die Teilzeitbauern kommen

Die Nachfolgeregelung sieht Guido Brühlmann etwas optimistischer. Es gebe eine grosse Generation junger Landwirte, die sich einsetzten und «pushen», etwa im Landverein Tannenberg. In den meisten der ihm bekannten Fälle werde ein Hof von der nächsten Generation übernommen. Einen Trend sieht er allerdings kommen: «Landwirte im Nebenerwerb kommen je länger je mehr.»

Waldkirch hat sich seinen ländlichen Charakter erhalten. (Bild: Urs Jaudas)

Waldkirch hat sich seinen ländlichen Charakter erhalten. (Bild: Urs Jaudas)

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