Hex, hex im Farnenwald

Beim Sommerplausch wird auch gezaubert. Im Wald bei Abtwil arbeiten die Kinder mit Ingredienzen wie etwa Schneckenschleim. Ausserdem besuchen sie das Grab einer Hexe.

Marlen Hämmerli
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Erst mit viel Dreck wird's richtig gut: Kinder brauen am Sommerplausch allerlei Seltsames und Magisches zusammen. (Bild: Benjamin Manser)

Erst mit viel Dreck wird's richtig gut: Kinder brauen am Sommerplausch allerlei Seltsames und Magisches zusammen. (Bild: Benjamin Manser)

Katzenpipi, Elfentränen oder doch lieber Schneckenschleim? Ein Mädchen im gelben Nike-Shirt entscheidet sich für letzteres. Vorsichtig tröpfelt es den Aromastoff in ihr mit Meersalz gefülltes Gläschen, gibt einige Tannennadeln hinzu und verkündet dann: «Fertig.» Die andern Kinder, sechs Mädchen und ein Knabe, lassen sich nicht stören. Konzentriert mischen sie weiter an ihrem Badesalz. Denn sie alle sind auf dem Weg, Zaubermeisterinnen und Zaubermeister der Pflanzenküche zu werden.

Im Farnenwald wird gezaubert

So heisst es zumindest in der Kursausschreibung des Sommerplauschs, organisiert vom St. Galler Jugendsekretariat. Im Farnenwald bei Abtwil basteln die Kinder Traumkissen, kreieren Parfums und mischen Wunschbowle. «Dieses Angebot ist sehr begehrt», sagt die Leiterin des Sommerplauschs, Daniela Spörri. «Das liegt wohl daran, dass der Kurs im Wald stattfindet. Ein anderer Grund wird die märchenhaft klingende Ausschreibung sein.» Der Kurs werde dann auch von vielen Erst- und Zweitklässlern besucht. Manche Kinder gingen aber auch schon das fünfte Mal. Zudem spreche sich unter den Kindern herum, welche Angebote lohnenswert seien.

Garantiert wettersicher

Inzwischen sind alle Kinder fertig mit dem Badesalz und toben auf dem Grillplatz herum. Eine besondere Anziehung übt die «Gigampfi» aus. Bald sitzen alle auf dem Holzstamm und wippen auf und ab. Kursleiterin Fabienne Baur sorgt für den nötigen Schwung. Beim Mittagessen hat Baur Zeit für ein Gespräch. Der Hexenzauber-Kurs sei bereits mehr als zehn Jahre Teil des Sommerplauschs. Sie leite den Kurs seit drei Jahren: «Zuvor haben ihn Schwestern aus Abtwil durchgeführt. Dies erklärt auch, warum er im Farnenwald stattfindet. Dazu kommt, dass der Grillplatz sehr gut ausgestattet ist.» Nah bei der Grillstelle fliesst ein Bach, und eine Holzhütte schützt vor Regen. Eben diese Wettersicherheit ist laut Daniela Spörri ein besonderer Vorteil: «Wir mussten den Hexenzauber-Kurs noch nie aus Wettergründen absagen. Auch nicht in einem besonders regenreichen Jahr.» An diesem Tag bleibt es trocken trotz Gewittergefahr.

Alt werden dank Zaubertränken

Nach dem Essen geht es auf Erkundungstour. Am Bach, bei einer Pfadistelle, liege eine Hexe begraben, verkündet Baur den Kindern. Im Gänsemarsch schlängelt sich die Gruppe durchs Gestrüpp, klettert die Böschung hinab und folgt dem Bach. Tatsächlich kommen schnell zwei Grabsteine in Sicht. Der ältere von beiden gehöre der Hexe, erklärt Baur. Neugierig lesen zwei Mädchen die Grabinschrift. «Seht ihr, wie alt sie wurde? Über achtzig Jahre», sagt Baur. «Damals war das viel. Das liegt daran, dass die Hexe die richtigen Tränke kannte.» Die Kinder nicken ernst. Dann geht es zurück zur Feuerstelle.

Voller Energie stürmt die Kindergruppe über den Grillplatz direkt auf die Holzhütte zu. Geschwind verteilen sich die acht Kinder auf den zwei Holzbänken und blicken erwartungsvoll zu Baur. Diese verteilt verschiedene Stoffresten auf dem Tisch und erklärt: «Als nächstes nähen wir ein Traumkissen.»

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