Heute gibt's Schnaps statt Unheil

Seit zehn Jahren marschieren Nösslerjäger durch Abtwil. Der altertümliche Brauch wird in leicht veränderter Form gepflegt und ist zu einer Abtwiler Tradition geworden. Am Samstag wird das zehnjährige Bestehen gefeiert.

Sebastian Schneider
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ABTWIL. Wenn jeweils alle Finger zittern und es Hansruedi Knupp schwer fällt, die Kaffeetasse in der Hand zu halten, dann ist 31. Dezember. Dann ist er mit mehreren Dutzend Freunden losmarschiert, um durch die Strassen Abtwils zu streifen und mit schweren Schellen das alte Jahr zu beenden. «Mit der Zeit fault einem fast der Unterarm ab», spitzt Knupp zu. Eine Schelle wiegt je nach Grösse zwischen 12 und 15 Kilogramm. Und geschellt wird jeweils von 5 Uhr morgens bis zum Mittag. Doch das Marschieren macht Spass, und das Ritual ist zu einer Abtwiler Tradition geworden. Die Gruppe der sogenannten Nösslerjäger zählt unterdessen 42 Mitglieder. Vor zehn Jahren hat Knupp die Gruppe formiert. Ihr zehnjähriges Bestehen soll morgen Samstag gefeiert werden (siehe Kasten).

Schnaps für einen warmen Start

Knupps Hobby entstammt einem altem Brauchtum, wonach Landwirte mit möglichst viel Lärm den Nössler vertrieben hatten. Der Nössler – er soll jeweils im Schatten von Nussbäumen gesichtet worden sein – bringe Unheil, wenn er auf abgelegenen Höfen bis unter die Dachtraufen vorstossen konnte. Heute begnügen sich die Nösslerjäger damit, den Nösslern zu folgen, Bewohnern eine kleine Freude zu machen und, wenn die Zuhörer wollen, auch ein Versli aufzusagen. Als Belohnung gibt es jeweils einen Batzen, etwas Kleines zu essen oder eben einen Kaffee – nicht selten mit Schnaps, wie Knupp verrät. Die Nösslerjäger marschieren jeweils zusammen los und teilen sich nach einigen hundert Metern in fünf Gruppen auf. Bei solchen Touren kommen jeweils insgesamt 1000 Franken und mehr für die Gemeinschaftskasse zusammen.

Fürs Fest geprobt

Die Auftritte – die Nösslerjäger nehmen auch am Fasnachtsumzug teil – wollen geprobt sein. «Wir üben jeweils das Marschieren; Gleichschritt ist wichtig, weil die Schellen am Oberschenkel aufschlagen. Dadurch schlagen wir im Rhythmus.» Normalerweise fänden die wenigen Proben gegen Ende Jahr statt, doch in diesem Herbst seien sie bereits dreimal zusammen marschiert. «Schliesslich wollen wir am Fest von morgen einen schönen Auftritt hinlegen», sagt Knupp.

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