«Heumilch», weil es besser klingt

In Muolen wurde gestern der Verein Heumilch Schweiz gegründet. Dort ist auch der erste Vereinspräsident Walter Münger zu Hause. Mit dem Label nach österreichischem Vorbild soll Milch, die ohne Silofutter produziert wurde, den Bauern höhere Einnahmen sichern.

Johannes Wey
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Walter Münger wurde auf seinem eigenen Hof zum ersten Präsidenten von «Heumilch Schweiz» gewählt. (Bild: Ralph Ribi)

Walter Münger wurde auf seinem eigenen Hof zum ersten Präsidenten von «Heumilch Schweiz» gewählt. (Bild: Ralph Ribi)

MUOLEN. Hans Aschwanden, Präsident der Dachorganisation der Käsespezialisten Fromarte und damit höchster Schweizer Käser, fordert ein Umdenken: «Unsere Produkte kauft niemand, weil er Hunger hat. Wir sind nicht in erster Linie Lebensmittel- sondern Emotions-Produzenten.» Bauern und Milchverarbeiter müssten sich mehr in den Konsumenten hineinversetzen und sich besser vermarkten. Genau dieses Ziel verfolgt der Verein Heumilch Schweiz, bei dessen Gründung Aschwanden sprach.

In Österreich ein Erfolg

Die Versammlung fand gestern in Muolen auf dem Hof von Walter Münger, dem ersten Vereinspräsidenten, statt. Angereist waren die Teilnehmer unter anderem aus der Zentralschweiz, dem Bernbiet und aus dem österreichischen Bundesland Salzburg. Österreich ist nämlich das grosse Vorbild der Schweizer Heumilchproduzenten, die dortige Arbeitsgemeinschaft Heumilch besteht seit zwölf Jahren und zählt rund 8000 Bauern und 60 Milchverarbeitungsbetriebe. Deren Obmann Karl Neuhofer brachte das Potenzial der Vermarktung auf den Punkt: Die Österreicher Heumilchbauern investierten jährlich 1,2 Millionen Euro in Werbung und Kommunikation, erzielen dafür aber einen um 30 Millionen höheren Erlös. Kein Wunder, will man bei Heumilch Schweiz eng mit den Österreichern zusammenarbeiten.

Etwas strikter als bisher

Die Bezeichnung «Heumilch» soll vor allem eines: Besser klingen als Begriffe wie «silofrei» oder «Käsemilch» und beim Konsumenten positive Emotionen auslösen. All diese Begriffe bezeichnen nämlich Milch, die von Kühen stammt, die vorwiegend mit Gras oder Heu gefüttert wurden. Das sei nötig, weil Silofutter die Produktion von hochwertigem Käse verunmögliche, sagt Bauer Walter Münger. Die Produktion silofreier Milch ist in der Schweiz also schon lange verbreitet. Mit dem Label Heumilch verschärfen sich allerdings die Vorschriften. So muss nicht nur bei der Fütterung von Milchkühen, sondern bei allen Tieren auf dem Hof auf Silage verzichtet werden. Silage darf nicht einmal gelagert werden – darauf beharrten die Österreicher aus Glaubwürdigkeitsgründen. Auch die Verfütterung von Kartoffeln ist verboten. Im Gegenzug können die Mitglieder von Heumilch Schweiz unter anderem das Logo der Österreicher verwenden. Zudem ist der Einsatz von Kraftfutter stark eingeschränkt und die Tiere müssen Auslauf erhalten. «Darauf legt der Konsument Wert», wie Pirmin Furrer, Leiter der Projektgruppe zur Gründung von Heumilch Schweiz, sagte. Mit dem Label sind also höhere Anforderungen verbunden, die sich aber rechnen sollen: Der Richtpreis, den die Bauern für einen Liter Heumilch erhalten sollen, beträgt laut Furrer 70 Rappen. Wird die Milch verkäst, sogar 73.