Heterogene Schulklasse als Chance

Christa Urech, Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der PHSG, hat in ihrer Dissertation fünf erfolgreiche Basisstufen empirisch untersucht – und wichtige Erkenntnisse über wirkungsvollen Unterricht gewonnen.

Ruedi Stambach
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St. Gallen. Die Vernissage von Christa Urechs Buch «Die heterogene Schulklasse» fand grosse Beachtung. Dies ist umso erstaunlicher, als es sich dabei um eine Dissertation handelt. Solche wissenschaftlichen Bücher versprechen in der Regel keine grosse Publikumswirksamkeit. Christa Urech, die als Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der PHSG tätig ist, versuchte durch umfangreiche Unterrichtsbeobachtungen in erfolgreichen Basisstufen herauszufinden, was die Lehrpersonen in diesen Klassen besonders gut machten.

Vier Jahre Arbeit

In Basisstufen werden Kindergarten und die beiden ersten Schuljahre gemeinsam geführt. In diesen altersgemischten Gruppen organisieren sich die Lerngruppen je nach Interessen, Inhalt oder Lernstand immer wieder neu.

Der Rektor der PHSG, Erwin Beck, zeigte sich nicht nur wegen Thema und Inhalt erfreut über die Dissertation.

Er hob besonders hervor, dass sich Christa Urech während vier Jahren in ein Thema vertieft habe und sich dadurch grosses Wissen und umfassende Kenntnisse über das Unterrichten in heterogenen Gruppen erworben habe.

Gegenpol zu Bologna

Beck betrachtet das Verfassen einer Dissertation verbunden mit der vertieften Auseinandersetzung mit einem Thema als einen wichtigen Gegenpol zum Bologna-System mit seiner Tendenz zur Modularisierung und Fragmentierung.

Heterogenität als Chance

Franziska Vogt, Leiterin des Instituts für Lehr- und Lernforschung, würdigte das gut lesbare Werk. Insbesondere markiere es ein Umdenken von der üblichen Auffassung, dass Heterogenität ein Problem darstelle, zur Haltung, dass Heterogenität eine Chance und Herausforderung darstelle.

Während sich Franziska Vogt in ihren Ausführungen mehr auf die wissenschaftliche und bildungspolitische Bedeutung der Dissertation konzentrierte, zeigte Josef Keller,

Lehrer aus Chummenbach, an vier Beispielen aus der Praxis, was Heterogenität als Chance im Schulalltag bedeuten kann. In fünf unterschiedlichen Basisstufenklassen hat Christa Urech die Merkmale erfolgreiches Handeln von Lehrpersonen herausgearbeitet. Die Ergebnisse sind nicht nur für Basisstufen, sondern grundsätzlich im Kindergarten und Grundschulbereich von Nutzen. Sie belegen zudem die Bedeutung von Unterrichtsorganisationen mit Teamteaching.

Für Lehrer und Interessierte

Das Buch leistet einen wichtigen empirischen Beitrag zur Diskussion um die Basisstufe. Die finanzielle Seite wurde dabei nicht thematisiert. Es geht in der Untersuchung ausschliesslich um pädagogische, schulorganisatorische und didaktische Fragestellungen. Sie richtet sich an Kindergarten- und Unterstufenlehrpersonen sowie an weitere interessierte Personen und ist im Buchhandel erhältlich.

Christa Urech: «Die heterogene Schulklasse», Rüegger-Verlag Zürich/Chur 2010.