Herzblut, Krisen und viel Lärm

Heute ist es endlich, das Kinderfest. Bis alle Darbietungen vorbereitet, der Umzug geprobt, die Kleider angepasst waren, mussten Lehrkräfte und Schüler oft und lange üben. Und nicht immer gingen die Vorbereitungen einfach von der Hand. Krisen gehören dazu.

Elisabeth Reisp
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Die Oberziler Schüler tanzen der Choreographin nach. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Die Oberziler Schüler tanzen der Choreographin nach. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Über der Kinderfestwiese wabert die typische Vorfreude-Luft, ein Gemisch aus Nervosität und Euphorie. Auf den Bühnen finden am Tag vor dem Fest die letzten Proben statt. Aus den Lautsprecherboxen wummert zu laute Musik. Kaum auszuhalten ist gar die Lautstärke der Bühne Centrum. Gerade so, als wolle diese ihre Nachbarn, die Bühnen Ost und West, übertrumpfen.

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Auf der Centrum-Bühne üben die Schüler der Schulhäuser Tschudiwies und St. Leonhard. Sie haben ihre Kung-Fu-Übungen, die sie seit einem Jahr an zwei Tagen die Woche vor Schulbeginn praktizieren, in die Darbietung eingebaut. Ihre Gewänder sind Reminiszenzen an Kampfsportbekleidung, entworfen von Akris. Die Lehrerin Ursula Zraggen muss nur selten Hilfeleistung per Mikrophon geben. Später wird sie sagen, sie habe fast Tränen in den Augen gehabt, wegen der Freude der Schüler. Das Programm von Tschudiwies/St. Leonhard dauert 25 Minuten. Nur mit viel Konzentration ist das über die Bühne zu bringen. «Die Kinder schaffen das», sagt Zraggen, Stolz und Euphorie schwingen mit, «da steckt so viel Herzblut drin.»

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Auf der Bühne West gehen die Schüler aus dem Schulhaus Schönenwegen noch einmal ihr Programm durch. Einige ihrer pausierenden Gspänli halten sich mangels Ohropax die Ohren zu. Die Lehrer verfolgen die Proben mit Argusaugen. «Ah-ah-ah...», Andrea Eugster, Projektverantwortliche vom Oberzil, entgeht keine Ungenauigkeit. «Jetzt dürfen sie noch Fehler machen, am Fest nicht mehr», sagt sie lachend.

Fast ein Jahr haben sie gebraucht, von der ersten Idee bis jetzt zur Hauptprobe – Krisen inklusive. «Einmal musste ein Kind während der Proben auf den Boden der Turnhalle erbrechen, eine Laufprobe für den Umzug haben wir in strömendem Regen durchgeführt.» Sie winkt ab. Es gäbe wohl noch mehr zu erzählen. Aber jetzt dominiert die Vorfreude aufs Fest.

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Auf der Bühne Ost üben die Schüler vom Oberzil. Streitlustig dröhnt von der Centrum-Bühne her der Radetzky-Marsch. Die Oberziler Schüler lassen sich nicht ablenken. Choreographinnen dirigieren und animieren die Schüler: «Hoch mit den Armen!» Während eine der Vortänzerinnen ins Mikrophon schreit, reisst sie ihren Arm hoch. Wie kleine Spiegelbilder tun es die Kinder ihr gleich. Beinahe alles klappt. Kleine Unsicherheiten werden auch am Fest noch auftreten. Und bei so viel Lärm kann man schon mal aus dem Takt kommen.

Oberziler Buben «fechten» mit blauen Fahnen. Die Kinder der Schulhäuser Tschudiwies und St. Leonhard orientieren sich in ihrer Darbietung an Asien. (Bilder: Ralph Ribi)

Oberziler Buben «fechten» mit blauen Fahnen. Die Kinder der Schulhäuser Tschudiwies und St. Leonhard orientieren sich in ihrer Darbietung an Asien. (Bilder: Ralph Ribi)

St. Gallen - Vorbereitungen für das Kinderfest auf der Bühne Zentrum (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

St. Gallen - Vorbereitungen für das Kinderfest auf der Bühne Zentrum (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))