Heroindealer wird abgeschoben

Ein junger Serbe musste sich wegen Heroinverkaufs vor Gericht verantworten. Er war innerhalb einer Woche der zweite Dealer vor Schranken, der in der Stadt Nis von einer Drogenbande angeheuert wurde.

Claudia Schmid
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Seit mehreren Monaten beschäftigen sich die Strafbehörden immer wieder mit Dealern aus der serbischen Stadt Nis. Die Männer werden meist von einer Drogenorganisation rekrutiert und mit dem Auftrag in die Schweiz geschickt, während ein paar Wochen Heroin-Kügelchen an Süchtige zu verkaufen. Einige der Beschuldigten, die bisher vor Schranken standen, erzählten vor Gericht, warum sie sich auf das illegale Geschäft eingelassen hatten. Oft sagten sie aus, sie hätten in ihrer Heimat – teilweise trotz abgeschlossenem Studium – keine oder nur sehr schlecht bezahlte Arbeit gefunden. Als Gründe nannten sie auch, dass sich in ihren Familien Schulden angehäuft hätten oder sie der Spielsucht verfallen seien.

Beim Bildweiher versteckt

Der 22jährige Serbe, der nun vor dem Kreisgericht St. Gallen stand, hatte im Dezember 2014 täglich aus einem Versteck beim Bildweiher Kügelchen mit einem Heroingemisch geholt und im Verlauf von vier Tagen insgesamt 36 Stück an Drogensüchtige verkauft. Die Anweisungen für das Verteilen der Kügelchen erhielt er über ein ihm zur Verfügung gestelltes Mobiltelefon per SMS.

Das Geld aus dem Verkauf der Drogen und die übrig gebliebenen Heroin-Kügelchen musste er einer Frau übergeben, die den Strafbehörden unbekannt blieb. Sie entlöhnte ihn für seine Dienste mit 150 bis 200 Franken.

Am 12. Dezember erwischte die Polizei den jungen Serben auf frischer Tat an der Bildweiherstrasse. Er trug 23 «Chügeli» mit einem Heroingemisch auf sich. Das Verteilen hätte er gemäss der Staatsanwaltschaft noch bis mindestens Ende Dezember 2014 ausüben wollen. Seine Auftraggeber sollen ihm für diese Zeit einen Lohn von 1500 bis 2000 Franken versprochen haben. Stattdessen führte ihn sein illegales Handeln ins Gefängnis, wo er seit dem 12. Dezember letzten Jahres zunächst in Untersuchungs- und später in Sicherheitshaft sass.

In Heimat abgeschoben

Der Beschuldigte sei bereits in der ersten Einvernahme geständig gewesen, erklärte der Staatsanwalt an der Gerichtsverhandlung. Weil der Sachverhalt klar und anerkannt sei, habe er Anklage im Abgekürzten Verfahren erhoben. Er beantragte dem Gericht, den Beschuldigten wegen schwerer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren zu verurteilen. Damit erklärte sich auch die Verteidigung einverstanden.

Das Kreisgericht St. Gallen erhob die Anträge zum Urteil. Die Sicherheitshaft hob es auf, damit der Beschuldigte in seine Heimat abgeschoben werden kann, sobald das Urteil rechtskräftig wird. Die Kosten des Verfahrens betragen über 12 000 Franken. Diese muss der junge Mann bezahlen.