HERISAU: «Schwänberg» ist 100 Jahre alt

Das 1917 gebaute Wasserkraftwerk Schwänberg beim Stüdlis-Weiher hat eine wechselhafte Geschichte. Nicht alle Eigentümer wurden glücklich mit der Anlage.

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Der Stüdlis-Weiher mit Stauwehr. (Bild: PD)

Der Stüdlis-Weiher mit Stauwehr. (Bild: PD)

Etwas oberhalb der Schwänbergbrücke, die die Flawiler Egg mit dem Herisauer Weiler Schwänberg verbindet, befindet sich das Wasserkraftwerk Schwänberg. Zusammen mit einer Staumauer bildet es einen rund 450 Meter langen fjordartigen Weiher. Das ist der Stüdlis-Weiher, der den Wyssbach an dieser Stelle in eine beschauliche Auenlandschaft verwandelt. Das war nicht immer so. 1917, also erst vor 100 Jahren, entstand das Kraftwerk. Vorher floss der Wyssbach ungehindert durch die enge Schlucht. Der Name Stüdlis-Weiher erinnert an den Gründer des Kleinkraftwerkes: Johann Ulrich Stüdli (1863–1956). Er war einer der fortschrittlichsten und risikofreudigsten Unternehmer der Region.

Nach nur wenigen Monaten erhielt er von der St. Galler Regierung die Bewilligung für das Kraftwerk, obwohl der Besitzer des obenliegenden Kraftwerkes Haslenmühle und derjenige des darunterliegenden Kraftwerkes Kressbrunnenmühle Einsprache erhoben. 1932 übergab der nun 69-jährige Vater Stüdli seinen beiden Söhnen Walter und Willi sein Geschäft samt dem Wasserkraftwerk Schwänberg. 1960 wurde dieses in die Stüdli Holz AG integriert. 1989 verlangte die bundesrätliche Talsperrenverordnung die Sanierung der Staumauer, was hohe Kosten bei wenig Ertrag bedingt hätte. Besitzer Konrad Frischknecht, ein Nachfahre von Johann Ulrich Stüdli, vermachte darum das Werk 2004 dem Appenzeller Energie-Verein. Dieser sanierte das Kraftwerk mit Staumauer für 1,3 Millionen Franken, was nur dank Geldern von Sponsoren, Mitgliedern und Gemeinden möglich wurde.

Zukunft des Kraftwerks ist ungewiss

Als Folge des heissen Jahrhundertsommers 2003 musste der Verein das Kleinkraftwerk später wohl oder übel für 0,5 Millionen Franken an die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) weiterverkaufen. 2016 trennte sich die SAK von ihrem kleinsten Wasserkraftwerk Schwänberg mit der Begründung, dass «sie eine Bereinigung ihres Kraftwerkportfolios» vollziehe. Neuer und aktueller Besitzer ist die Firma Idrel AG in Baar, die als Firmenzweck die Planung und den Betrieb von Wasserkraftwerken angibt. Die Konzession für den «Schwänberg» dauert noch bis 2026. Dann steht eine weitere teure Sanierung an. Ob es so weit kommt, wird sich weisen, denn gemäss Urteil von Fachleuten kann das Kleinkraftwerk Schwänberg keine seriöse Rendite erbringen. (pd/red)