Herberge baut für die Zukunft aus

Immer häufiger suchen ältere und gesundheitlich angeschlagene Menschen bei der Herberge zur Heimat ein Dach über dem Kopf. Um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, wird nun ein Lift eingebaut und Platz für Pflegebetten geschaffen.

Nina Rudnicki
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Donat Wick in «seiner» Herberge zur Heimat, die für den Ausbau Geld aus dem Wettbewerb 150 Jahre St. Galler Kantonalbank erhält. (Bild: Urs Bucher)

Donat Wick in «seiner» Herberge zur Heimat, die für den Ausbau Geld aus dem Wettbewerb 150 Jahre St. Galler Kantonalbank erhält. (Bild: Urs Bucher)

Verkürzte Spitalaufenthalte und Sparmassnahmen in der Sozialhilfe gehören für die Herberge zur Heimat zu den grössten Herausforderungen. Die Herberge liegt gleich hinter dem Hotel Vadian beim Gallusplatz und ist eine Institution, die Menschen in Not und Bedrängnis seit fast 130 Jahren eine günstige Unterkunft bietet.

Im 19. Jahrhundert waren es vor allem Wandergesellen, später Jugendliche und Personen mit Suchtproblemen. In den vergangenen Jahren hat die Herberge immer öfter Personen mit psychosozialen Problemen sowie Flüchtlingsfamilien aufgenommen. Und nun bekommt Donat Wick, Leiter der Herberge sowie des Hotels Vadian immer häufiger Anfragen von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Das sind beispielsweise Krebspatienten, die sich nach einem Spitalaustritt einer ambulanten Chemotherapie unterziehen müssen und körperlich so geschwächt sind, dass sie nicht selbständig wohnen können.

Fast 10 000 Übernachtungen

Damit auch Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen in der Herberge aufgenommen werden können, sind bauliche Anpassungen nötig. Zur Herberge gehören vier Stadtwohnungen und 22 Einzelzimmer im Hauptgebäude. In diesem sollen für rund eine Dreiviertel Million Franken ein Lift, grössere Zimmer mit Platz für Pflegebetten und neue Badezimmer eingebaut werden. Das Bauvorhaben ist eines von 37 Gewinnerprojekten, welche die St. Galler Kantonalbank anlässlich ihres 150-Jahr-Jubiläums mit jeweils bis zu 100 000 Franken unterstützt. Auf diesen Zuschuss ist die Herberge angewiesen. «Alleine können wir die Kosten für den Umbau nicht aufbringen», sagt Wick, während er in die oberen Stockwerke führt. Die Herberge bekomme keine Subventionen, abgesehen von den 5000 Franken pro Jahr aus dem Alkoholzehntel. Lediglich die beiden Landeskirchen gehörten mit jährlich gemeinsam rund 45 000 Franken zu den regelmässigen Unterstützern.

Von 12 bis 92 Jahre

In der zweiten Etage angekommen, schliesst Wick die Tür zum Wohnbereich Ebenalp auf. Es gibt drei Schlafzimmer, eine Küche mit kleinem Tisch und ein Badezimmer. Die Zimmer sind gerade nicht bewohnt – was allerdings die Ausnahme ist. Mit 9915 Übernachtungen im vergangenen Jahr war die Herberge zu 100 Prozent ausgelastet. 17 Bewohner lebten dort über mehrere Monate. Hinzu kamen kürzere Aufenthalte zwischen drei Tagen und zwei Monaten von 17 Frauen und 24 Männern. Der jüngste Bewohner war zwölf Jahre alt, der Älteste 92. «Während der Sommermonate nimmt die Nachfrage etwas ab», sagt Wick. «Dann gibt es Alternativen, wie Zeltplätze oder Wohnwagen.

Zu untypisch fürs Altersheim

Das Fundament für den Lift wird bereits im Herbst gelegt. Möglich ist das unter anderem, weil die Herberge von zwei Familienunternehmen mit je 50 000 Franken unterstützt wird. Nach dem Einbau des Liftes im Januar werden alle Stockwerke rollstuhlgängig sein. «Wir wollen aber definitiv kein Alters- oder Pflegeheim werden, sondern Zwischenlösungen anbieten», sagt Wick. Als Beispiel nennt er den Senior, der einfach nicht in das Altersheim passte, weil er sein Leben lang in Nachtschicht gearbeitet hatte. Seine Gewohnheit, tagsüber zu schlafen und nachts wach zu sein, störte die Abläufe im Altersheim, so dass er dort weggeschickt wurde. «Auch melden sich zum Teil ältere Personen bei uns, deren Erspartes fast aufgebraucht ist und die sich daher Sorgen um ihre Zukunft machen», sagt er.

Nach passendem Ort suchen

Wegen all der Veränderungen haben der Verein Hospiz zur Heimat und die Betriebsleitung der Herberge zur Heimat bei der Fachhochschule St. Gallen eine Umfeldanalyse in Auftrag gegeben. «Diese hat unseren Eindruck klar bestätigt, dass das Bedürfnis nach Plätzen für Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen und für ältere Personen steigt», sagt Wick. Die Studie bestätige ausserdem, dass es sich wegen des gesteigerten Spardrucks und der langen Entscheidungswege immer aufwendiger gestaltet, einen passenden Ort für Klienten mit untypischen Profilen zu finden. «Die Herberge bildet mit ihrer unkomplizierten Aufnahmepraxis dazu einen positiven Kontrast.»