Heizen mit Holz und High-Tech

Die Heizzentrale des Fernwärmenetzes in Wittenbach wird für die kommenden kalten Wochen und Monate hochgefahren. Durch die Verbrennung der Holzschnitzel entsteht auch Rauch, der es in sich hat.

Sebastian Schneider
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Heizzentrale Hofen in Wittenbach: Die vielen Rohre schliessen energetische Kreisläufe. Die Öfen sind mit orangen Blechen verschalt. (Bilder: Ralph Ribi)

Heizzentrale Hofen in Wittenbach: Die vielen Rohre schliessen energetische Kreisläufe. Die Öfen sind mit orangen Blechen verschalt. (Bilder: Ralph Ribi)

WITTENBACH. Die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) bauen ihr Fernwärmenetz in Wittenbach weiter aus. Zu spüren ist das an der Arbonerstrasse auf Höhe des PP Autotreffs, wo Bagger im Einsatz stehen. Neben der Strasse haben Bauarbeiter einen metertiefen Graben aufgerissen, wo Rohre verlegt und zusammengeschweisst werden. Noch in diesem Jahr soll der zweite Hauptstrang namens Hofen Süd bis zum Kappelhof verlegt werden, damit in späteren Bauetappen Liegenschaften in Kronbühl erschlossen werden können.

Blickt man von der Baustelle Richtung Bodensee, sieht man ein Gebäude, aus dessen Kamin Rauch steigt. «Das ist praktisch nur Wasserdampf», sagt Ivo Piccinin von der SAK. Das Gebäude ist die zwei Jahre junge Heizzentrale, wo aus Holzschnitzeln Wärme und Strom entstehen.

Heisse Riesencheminées

Im Gebäudeinnern offenbaren zahlreiche grosse und kleine Rohre, wie komplex die Heizzentrale ist. «Hier schliessen sich Kreisläufe, wodurch effizient Wärme und Strom produziert werden kann», sagt Piccinin, Betriebsleiter sowie Leiter Wärme und Werkstätten bei der SAK. Auch die zwei Öfen sind nicht zu übersehen, zusammen verschlingen sie bis zu neun Kubikmeter Holzschnitzel pro Stunde und erbringen so eine Wärmeleistung von 5,5 Megawatt.

Während der Sommermonate genüge der Einsatz eines Ofens, sagt Piccinin. Doch nun, da die Heizperiode beginne und die Unterhaltsarbeiten abgeschlossen seien, werde auch der grössere Ofen hochgefahren. Angefeuert wird er von Hand, wie ein Cheminée. Das Rohmaterial, die Holzschnitzel, stammen von Bäumen aus St. Galler Wäldern und weisen eine Feuchtigkeit von circa 40 Prozent auf. «Nur mit der richtigen Feuchtigkeit erreichen wir die gewünschten Temperaturen von 800 bis 1200 Grad.»

Mit dieser Hitze wird Wasser auf circa 85 Grad geheizt. Über einen 100 000 Liter grossen Speicher gelangt das Wasser zu den bisher mehr als 60 Gebäuden in Wittenbach. In den Wohnhäusern oder auch im OZ Grünau wird das Wasser auf circa 45 Grad heruntergekühlt.

Rauch liefert reichlich Wärme

Bei der Verbrennung entsteht natürlich auch Rauch. «Nicht weiter schlimm, denn darin ist Wärme gespeichert, die wir nutzen.» Dank eines modernen Wärmetauschers würden aus dem Rauch 20 Prozent der Wärme gewonnen. Filter fangen laut Piccinin selbst die kleinsten Partikel auf, so dass der Grenzwert für Festteile um ein Vielfaches unterschritten werden kann und so fast nur noch Wasserdampf aus dem Kamin steigt.

In der Heizzentrale gibt es einen weiteren wichtigen Kreislauf. Mit der Heizwärme wird in einer separaten Anlage eine Flüssigkeit zu Gas erhitzt, das eine Gasturbine antreibt. Ist der grosse Ofen in Betrieb, werden beiläufig 2800 Megawattstunden Strom produziert, womit ein Bedarf von 700 Einfamilienhäusern gedeckt werden kann.

Sensoren, Pager und Pikett

Für den Betrieb der Wittenbacher Zentrale sowie denjenigen in Trogen stehen fünf Spezialisten im Einsatz. Abwechslungsweise übernehmen sie den siebentägigen Pikettdienst. «Sobald etwas nicht stimmt, werden wir alarmiert», sagt Piccinin. Es gehe ums Heizen, die Leistung müsse jederzeit garantiert sein. Unterstützt werden die gelernten Heizungsmonteure, Landmaschinenmechaniker oder Elektromonteure von moderner Hard- und Software. «Alle wichtigen Stellen in diesem Gebäude werden mit Sensoren überwacht.» Sobald eine Fehlermeldung auftritt, piept beim Pikettdienst der Pager. Innert einer Dreiviertelstunde muss der Monteur vor Ort sein. Wo das Problem liegt, kann er aber bereits zu Hause oder unterwegs herausfinden. Denn die Überwachungssoftware ist auch auf Smartphones oder Tablets bedienbar.

Im Ofen wirds bis zu 1200 Grad heiss. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Im Ofen wirds bis zu 1200 Grad heiss. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Der zweite Hauptstrang Richtung Kronbühl wird verlegt. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Der zweite Hauptstrang Richtung Kronbühl wird verlegt. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Ivo Piccinin Betriebsleiter Heizzentrale (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Ivo Piccinin Betriebsleiter Heizzentrale (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Geheizt wird mit Holzschnitzeln von Bäumen aus St. Galler Wäldern. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Geheizt wird mit Holzschnitzeln von Bäumen aus St. Galler Wäldern. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))