Heimat ist Geborgenheit

Rund 40 Personen tauschten sich am Dienstagabend mit Pfarrer Pius Helfenstein und drei Mitbürgern mit Migrationshintergrund im Pfarreiheim Goldach über das Thema Heimat aus.

Gisela Tobler
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Sandro (Chandran) Saravanamuthu, Urs Helfenstein, Hawe De Maio Merga und Abdullah Karakoc. (v. l.) (Bild: Gisela Tobler)

Sandro (Chandran) Saravanamuthu, Urs Helfenstein, Hawe De Maio Merga und Abdullah Karakoc. (v. l.) (Bild: Gisela Tobler)

GOLDACH. «Heimat ist dort, wo meine Familie ist.» – «Heimat ist, wo ich mich wohl, sicher und geborgen fühle.» – «Mit Heimat verbinde ich Spass, Sonnenuntergänge, Spielen am Bach und Bootsfahrten mit dem Grossvater in Sizilien.» Mit diesen von Sechstklässlern verfassten Gedanken eröffnet Pfarrer Pius Helfenstein die Gesprächsrunde. Dann fordert er das Publikum auf, in sich hineinzuhorchen, inwiefern sich der eigene Heimatbegriff im Laufe des Abends entwickeln werde, nachdem Chandran Saravanamuthu, Hawe De Maio Merga und Abdullah Karakoc ihre Lebensgeschichte erzählt haben; drei Mitmenschen, die zum Teil schon als Kind entwurzelt wurden und sich in einer fremden Umgebung zurechtfinden mussten.

Eltern nicht enttäuschen

Chandran Saravanamuthu, weit herum bekannt als Sandro und Inhaber der Rorschacher Pizzeria Capri, kämpft noch heute mit den Tränen, wenn er erzählt, wie unglücklich er war, als er als Sechzehnjähriger seine Familie in Sri Lanka verlassen musste. Seine Eltern hatten ihn zu einem Onkel in die Schweiz geschickt, um dem Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen. «Ich hatte viel Heimweh und telefonierte täglich mit meiner Mutter», erinnert sich der 43-Jährige, «meine erste Telefonrechnung betrug 2431 Franken.» Um seine Eltern nicht zu enttäuschen, sei er zielstrebig seinen Weg gegangen und habe sich weder von Frauen, Alkohol und Drogen davon abbringen lassen. Auf die Frage, wie denn die Schweiz für Migranten heimatfreundlicher werden könnte, reagiert er mit Dankbarkeit: «Ich will nichts kritisieren, die Schweiz soll so bleiben, wie sie ist.» Und Neuankömmlingen rät er: «Sucht euch eine Arbeit.» Abdullah Karakoc würde sich wünschen, dass die Schweizer ihre Vorurteile gegen Fremdes ablegen könnten. 13 Jahre alt war er, als er 1986 mit dem Bus von Istanbul in Rorschach ankam und alles, was ihm lieb war, allen voran seine Grossmutter, in der Türkei zurücklassen musste. Was ihn in der Schweiz erwartet hat? «Andere Häuser und Strassen, viele Regeln, strenge Eltern, eine neue Sprache, ungewohnte Mentalität; eine schwierige Situation in einem schwierigen Alter.» Längst fühle er sich in seiner zweiten Heimat wohl und als Elektrotechniker mit Masterabschluss bestens integriert. Letztlich sei er aber von seiner Herkunft geprägt, «ich vergesse meine Wurzeln nicht, und ich stehe dazu». In Rorschacherberg fühlt er sich zu Hause: «Heimat ist, wenn man sozialisiert ist und am Geschehen teilnimmt.»

Sprache lernen

Vor 24 Jahren aus dem äthiopischen Bürgerkrieg entflohen ist die Goldacherin Hawe De Maio Merga. Es sei alles andere als einfach gewesen, die Familie und die Heimat zu verlassen, «doch ich habe mein Schicksal angenommen und fühle mich in der Schweiz mittlerweile geborgen». Auf die Umstände ihrer Flucht will die 41-Jährige nicht eingehen. Für sie sei wichtig gewesen, die Sprache zu lernen und auf Leute zuzugehen. Von Schweizern wünscht sie sich, dass sie nicht pauschalisieren.