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HAUTE COUTURE: Die Stiftskirche kommt auf den Laufsteg

Chinas wichtigste Modedesignerin, Guo Pei, widmet ihre neue Kollektion kommenden Mittwoch in Paris der «St.Gallen Cathedral». Die Stoffe dazu sind in Zusammenarbeit mit der Firma Jakob Schlaepfer entstanden. Der Bischof schickt eine Delegation.
Odilia Hiller
Die barocken Deckengemälde der St.Galler Stiftskirche werden die luxuriösen Roben der Designerin Guo Pei zieren. (Bild: PD)

Die barocken Deckengemälde der St.Galler Stiftskirche werden die luxuriösen Roben der Designerin Guo Pei zieren. (Bild: PD)

Der Name St.Gallen ist in der internationalen Modebranche untrennbar mit Stickereien und edelsten Stoffen verbunden. Dafür sorgen die lokalen und regionalen Textilunternehmen. Die chinesische Modeschöpferin Guo Pei, die im vergangenen Jahr in die renommierte Liste der französischen «Chambre Syndicale de la Haute Couture» aufgenommen wurde, geht nun einen Schritt weiter. Sie widmet St.Gallen ihre gesamte neue Kollektion – und zwar der Kathedrale. Gemeinsam mit dem Kreativteam des St. Galler Unternehmens Jakob Schlaepfer um Chef Martin Leuthold hat sie luxuriöseste Stoffe entwickelt, die, als opulente Roben verarbeitet, der barocken Pracht der Stiftskirche ein modisches Denkmal setzen sollen. Am kommenden Mittwoch zeigt Guo Pei die Werke im Rahmen der Haute-Couture-Modewoche in Paris.

Vor Ehrfurcht erstarrt
Auslöser für die Idee der 49-Jährigen, die gemäss «Time Magazine» im Jahr 2016 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt gehörte, war ein Besuch vor drei Jahren bei der Firma Jakob Schlaepfer in St.Gallen. «Guo Pei gehört seit etwa fünf Jahren zu unseren Kundinnen», sagt Peter Friederich, Verkaufsleiter für Asien, England und Australien bei Jakob Schlaepfer. Sie arbeitet von Peking aus auf höchstem internationalen Niveau und stattet die Reichen und Schönen Chinas mit luxuriösesten Roben aus.

Als Guo Pei die Kathedrale betreten habe, sei sie förmlich erstarrt. Sofort habe sie den Entschluss gefasst, dem Unesco-Weltkulturerbe eine Kollektion zu widmen, so Friederich. In einem persönlichen Brief an Bischof Markus Büchel schreibt Guo Pei: «Während der Kreation dieser Kollektion fühlte ich die Kraft des Glaubens sehr intensiv, und mir wurde klar, dass selbstlose Hingabe tatsächlich die grösste Qualität des menschlichen Wesens ist.» Diese Worte lassen auch einen Bischof nicht kalt. «Wir haben es sehr geschätzt, dass Guo Pei mit uns in Kontakt getreten ist», sagt die Kommunikationsbeauftragte des Bistums St.Gallen, Sabine Rüthemann, auf Anfrage der Ostschweiz am Sonntag. Für den Bischof sei die Welt der berühmten Modelabels fremd. Deshalb habe man sich erkundigt, in welche Richtung die Designs gingen. Die Achtsamkeit und der Respekt, welche die Chinesin den Kunstwerken aus der Stiftskirche von Anfang an entgegenbrachte, habe das Bistum dazu bewogen, das Vorhaben gutzuheissen. «Bistum und Katholischer Konfessionsteil wollen ihren Beitrag leisten, dass der Name St.Gallen in die Welt hinausgetragen wird», sagt Rüthemann. Das möchten sie voll und ganz unterstützen und fänden es eine schöne Sache. Überdies sei ein gefreuter Kontakt mit der Firma Jakob Schlaepfer entstanden.

Die Kollektion wird am kommenden Mittwoch im Gewölbekeller der Pariser Conciergerie im Palais de la Cité gezeigt. Da der Bischof verhindert ist, wird gemäss Rüthemann eine kleine Delegation aus Bistumsleitung und Administrationsrat des Katholischen Konfessionsteils nach Paris reisen, um der Schau beizuwohnen.

Kaum finanzielle Grenzen
Erfreut ist man auch bei Jakob Schlaepfer. Auch, dass es nun endlich so weit ist. Immer wieder habe man in den vergangenen Jahren bei Guo Pei nachgefragt, was aus den Stoffen geworden sei. Sie habe jeweils gesagt: «Ich bin noch nicht so weit. Wir arbeiten daran.» Das sei typisch für die Perfektionistin, sagt Kreativchef Martin Leuthold. Da sie dem traditionellen chinesischen Textilhandwerk verpflichtet ist, das seine Ursprünge am Kaiserhof hat, scheue sie weder Aufwand noch Mühen. «Oft werden unsere Stoffe von ihren Handstickerinnen noch einmal überarbeitet und bestickt.» Das könne gut und gerne ein paar Jahre dauern.
Finanzielle Grenzen kennt die Designerin kaum: Ihr Ehemann und Geschäftspartner Cao Bao «Jack» Jie sorgt dafür, dass sie ihre Kreativität auf höchstem Niveau ausleben kann. Einem breiteren internationalen Publikum wurde Guo Pei im Jahr 2015 bekannt, als die Sängerin Rihanna in einer senfgelben Robe der Designerin zum New Yorker Mode-Event «Met Ball» erschien.

Hinweis
Die Pariser Schau von Guo Pei im Livestream am Mittwoch, 25. Januar, um 20.30 Uhr finden Sie hier.

Die chinesische Designer Guo Pei. (Bild: HOW HWEE YOUNG (EPA))

Die chinesische Designer Guo Pei. (Bild: HOW HWEE YOUNG (EPA))

Martin Leuthold, Kreativchef bei Jakob Schlaepfer. (Bild: Hanspeter Schiess)

Martin Leuthold, Kreativchef bei Jakob Schlaepfer. (Bild: Hanspeter Schiess)

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