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HAUSVERSCHIEBUNG: Die Villa hat das Ziel erreicht

Das kommt nicht alle Tage vor: Gestern wurde die historische Villa Jacob um 20 Meter verschoben. Millimeter um Millimeter ging es vorwärts.
Christina Weder
Die Villa Jacob zieht um: Rund zehn Stunden brauchte sie für eine Distanz von 20 Metern. (Bilder: Benjamin Manser)

Die Villa Jacob zieht um: Rund zehn Stunden brauchte sie für eine Distanz von 20 Metern. (Bilder: Benjamin Manser)

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Kurz nach 20 Uhr hat es die Villa Jacob gestern endlich geschafft. Sie kommt an ihrem neuen Standort auf dem Kreuzacker an – auf den Zentimeter genau. Rund zehn Stunden hat das historische Gebäude mit einem geschätzten Gewicht von 3600 Tonnen gebraucht, um 20 Meter Richtung Südosten zurückzulegen. Die Verschiebung dauerte damit eine bis zwei Stunden länger als erwartet. Man habe sicherheitshalber mehr Kontrollen durchgeführt als ursprünglich geplant, erklärte der verantwortliche Bauingenieur Rolf Iten von der Firma Iten AG die Verzögerungen am Abend. «Zwischenfälle hat es keine gegeben.»

Ein kleiner Ruck zum Start

Am Morgen kurz nach 10 Uhr war losgegangen. Nach dem Countdown wurde der Schalter gedrückt, um die hydraulischen Pressen in Gang zu setzen. Am Anfang gab es einen kleinen Ruck. Danach rutschte und rollte die schutzwürdige Villa kaum merklich auf zwölf Schienen ihrem neuen Standort entgegen. Bauingenieur Iten zeigte sich kurz vor Mittag zufrieden: «Es läuft alles nach Plan.» Drei Meter hatte die Villa bis dahin zurückgelegt.

16 Bauarbeiter waren gestern auf der Baustelle zugegen, kontrollierten den Ablauf, überwachten die hydraulischen Pressen, sicherten mit Gewinden das Gebäude. Die Villa musste nicht nur eine Distanz von 20 Metern zurücklegen, sondern auch ein Gefälle von acht ­Prozent überwinden. Sie liegt an ihrem neuen Standort tiefer als am alten. Mit einem Tempo von etwas mehr als zwei Metern pro Stunde kam sie voran. Mit blossem Auge war das kaum wahrzunehmen. Trotzdem lockte das Spektakel ­viele Schaulustige an – vom Kleinkind bis zur hundertjährigen Bewohnerin des ­Altersheims. Die Verantwortlichen schätzen, dass im Verlaufe des Tages rund 1800 Personen vorbeischauten.

Es war möglich, um die Villa herumzugehen und von allen Seiten einen Eindruck zu gewinnen. Die meistgestellte Frage war: «Siehst du, ob sie sich bewegt?» Manche schüttelten den Kopf; andere meinten, man müsse sich einen Fixpunkt suchen. «Wenn man sich ganz fest konzentriert, dann sieht man, dass sie sich tatsächlich bewegt», sagte eine Frau. Einem kleinen Jungen, der zusah, war das Ganze nicht ganz geheuer. «Das Haus ist ja gar nicht mehr stabil», meinte er zu seiner Mutter. Und Primarschüler staunten, wie das überhaupt möglich sei, ein ganzes Haus zu verschieben.

Währenddessen lief zwischen Auftraggeber und Bauingenieur Iten eine Wette. Auf der Terrasse der Villa Jacob stand ein Glas, das randvoll mit Wein gefüllt war. Iten wettete, dass während der Verschiebung kein Tropfen verschüttet werde. Er sollte recht behalten.

Wer am späteren Nachmittag vorbeikam, konnte bereits feststellen, dass hinter der Villa Platz frei geworden war. Darauf will die Gemeinnützige und Hilfs-Gesellschaft der Stadt (GHG) das neue Marthaheim erstellen, ein Gerontopsychiatrie- und Pflegezentrum mit 78 Plätzen. Geschäftsleiter Patrik Müller zeigte sich erleichtert, als sich die Villa der Zielgeraden annäherte: «Wir sind glücklich, dass es geklappt hat.» Damit die Verschiebung überhaupt möglich wurde, waren 20000 Stunden an Vorarbeit nötig. Die Villa musste freigelegt und auf Stahlträger gesetzt werden. Zudem wurde ein neues Fundament erstellt. Die Verschiebung kostet die GHG rund zwei Millionen Franken.

Nun muss die Villa noch abgesenkt werden

Um 17 Uhr war noch unsicher, ob die Villa bis am Abend ihren neuen Standort erreichen würde. Zwölf Meter hatte sie bis dahin zurückgelegt. Millimeter um Millimeter rutschte sie weiter. Gegen 20 Uhr befand sie sich im «Endspurt».

Nun ist der Rutsch geschafft. In den nächsten Tagen müssen die Verschubbahnen entlastet und ausgebaut werden. Zudem wird die Villa um 24 Zentimeter abgesenkt – eine weitere Herausforderung für die Ingenieure. Ab Herbst wird sie saniert. Mitte 2019 wird das Sterbehospiz für die Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen in die Villa ­Jacob einziehen.

Weitere Bilder und ein Zeitraffer-Video: www.tagblatt.ch/5059007

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