Hauptstadt hat Besseres verdient

Frage von André Ledergerber (Unabhängige Volkspartei): Ich liebe die Stadt St. Gallen und lebe gerne hier, obwohl wir in der Stadt unter einer hohen Steuerlast zu leben und leiden haben. Was sehen Sie für Möglichkeiten, um diese Belastung zu reduzieren?

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Etrit Hasler Stadtparlamentarier SP (Bild: Quelle)

Etrit Hasler Stadtparlamentarier SP (Bild: Quelle)

Frage von André Ledergerber (Unabhängige Volkspartei): Ich liebe die Stadt St. Gallen und lebe gerne hier, obwohl wir in der Stadt unter einer hohen Steuerlast zu leben und leiden haben. Was sehen Sie für Möglichkeiten, um diese Belastung zu reduzieren?

Etrit Hasler (SP): Ich liebe St. Gallen ebenfalls. Wer, der hier lebt, tut dies nicht? Unsere «Steuerlast» ist im Vergleich zu anderen Städten der Schweiz gar nicht so hoch. Es ist aber eine Tatsache, dass die Finanzpolitik des Kantons unfähig oder nicht gewillt ist, Steueroasen wie Mörschwil trockenzulegen. Stattdessen wird auf allen Ebenen ein ruinöser Steuerwettbewerb angeheizt, der dann letztlich dazu führt, dass am Nötigsten gespart werden muss. Bei diesen Sparübungen werden der Stadt dann immer wieder unverhältnismässig hohe Zusatzkosten aufgebürdet. Sollte sich diese Situation nicht bald einmal verbessern, muss sich die Stadt ernsthaft überlegen, andere Wege zu gehen. Vielleicht wäre ein Halbkanton St. Gallen-Stadt die Lösung?

Viel wichtiger ist es aber, andere Standortvorteile auszubauen: Die Stadt St. Gallen hat nach wie vor Defizite im Bildungsbereich. So haben wir statt einer Universität eine glorifizierte Kaderschule, die jungen Menschen, die einen anderen Bildungshorizont als den der Wirtschaft sehen, keine andere Wahl lässt, als anderswo zu studieren – und eventuell nicht wieder zu kommen. Eine «Hauptstadt des Ostens» hat Besseres verdient.

Dasselbe gilt für den öffentlichen Verkehr: Die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen (VBSG) haben nach ihrem Dornröschenschlaf der 1990er-Jahre massiv aufgeholt, doch da ist noch viel Handlungsbedarf vorhanden. Dass der Stadtrat gerade diesen Zeitpunkt ausgewählt hat, um die VBSG zu privatisieren, zeigt, dass Führungserfahrung in der Wirtschaft keine Garantie dafür ist, ein Gemeinwesen mit Augenmass zu führen.

Frage an Yvonne Joos (PFG): Es scheint derzeit in St. Gallen ein harter Kampf um den öffentlichen Raum geführt zu werden: Jugendliche werden mit unüberlegten Polizeieinsätzen vom Marktplatz verjagt und wer nicht ins Stadtbild passt, wird weggewiesen. Wie würden Sie diese Entwicklung stoppen?

Am 23. September wird das Stadtparlament neu bestellt. Vorher kommen im Tagblatt Kandidierende zu Wort. Sie beantworten in Form einer Stafette Fragen, die ihnen andere Kandidaten stellen.