Harzige Karriereleiter im Wald

ST. GALLEN. In der Schweiz zeichnet sich ein Mangel an Fachkräften in der Forstwirtschaft ab. Der St. Galler Kantonsoberförster August Ammann will die Werbung an Schulen verstärken und die Karrierechancen für Forstwarte und Förster verbessern.

Adrian Vögele
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Forstfachleute sind gefragt auf dem Arbeitsmarkt. (Bild: Urs Bucher)

Forstfachleute sind gefragt auf dem Arbeitsmarkt. (Bild: Urs Bucher)

Förster sind treue Seelen. Haben sie ihr Forstrevier einmal gefunden, verlassen sie es oft nur ungern wieder. Das gilt zumindest für die ältere Generation: «Die ersten Fachschul-Lehrgänge für Förster starteten in den 70er-Jahren – mit grossen Klassen», sagt der St. Galler Kantonsoberförster August Ammann. «Viele der damaligen Absolventen behielten oder behalten ihre Arbeitsstelle bis zur Pension.» Mit dem Resultat, dass nun in der Branche eine grössere Umwälzung im Gang ist. Gemäss NZZ schätzt die nationale Fachstelle für Waldberufe (Codoc), dass in der Schweiz in den nächsten 15 Jahren die Hälfte der Förster pensioniert wird. Die Zahl der neuen Absolventen der Förster-Fachschulen vermöge den künftigen Bedarf aber voraussichtlich nicht zu decken. Auch bei den Forstingenieuren mit ETH- oder Fachhochschulabschluss gehe etwa jeder Zweite in Rente. Und die Hälfte der rund 300 Jugendlichen, die pro Jahr die Lehre zum Forstwart abschliessen, wechselt in andere Branchen.

Junge nach wie vor interessiert

In St. Gallen ist das Problem noch nicht akut, aber erkannt. Der Altersdurchschnitt der Förster im Kanton liegt bei rund 50 Jahren (siehe Grafik). «Bisher konnten wir alle freiwerdenden Förster-Stellen ohne grössere Probleme besetzen», sagt August Ammann. Zudem stellt er fest, dass sich noch immer genügend Jugendliche für die Lehre zum Forstwart interessieren. Diese Woche haben 22 neue Forstwarte aus den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden ihre Eidgenössischen Fähigkeitszeugnisse erhalten.

Dennoch: Es bestehe Handlungsbedarf, sagt Ammann. Er begrüsst es, dass die nationale Konferenz der Kantonsoberförster eine Kommission eingesetzt hat, die das Thema Nachwuchsmangel bearbeitet. Zuhanden der Kommission hat er Vorschläge zusammengestellt, die dem sich abzeichnenden Engpass vorbeugen könnten.

Aufstieg vereinfachen

«Wir werden künftig noch intensiver an Schulen verschiedener Stufen für die Forstberufe werben», sagt Ammann. Es gehe beispielsweise darum, junge Leute für eine Schnupperlehre oder ein Praktikum zu gewinnen und ihnen die Karrierechancen aufzuzeigen.

Doch gerade bei der Karriere der Forstfachleute sieht Ammann ein Hauptproblem: «Um die Attraktivität der Forstberufe zu steigern, müssen wir die Aufstiegsmöglichkeiten vereinfachen und verbessern.» Das beginne bereits bei den Forstwarten: «Ihre Ausbildung ist breit, sie lernen den Umgang mit verschiedenen Maschinen und haben ein hohes Sicherheitsbewusstsein. Darum sind sie in anderen Branchen, etwa im Tiefbau, beliebt.» Die Verlockung, zu wechseln, sei insbesondere dann gross, wenn anderswo bessere Löhne gezahlt würden.

Demgegenüber sei die Weiterbildung im Forstbereich zu wenig attraktiv, sagt der Kantonsoberförster. «Wir sollten Arbeitszeitmodelle einführen, die den Forstwarten den Besuch der Berufsmaturitätsschule oder von Modulen der Försterausbildung erleichtern.» Dafür könne zum Beispiel eine einjährige Anstellung nach der Lehre hilfreich sein, deren Finanzierung sich Kanton, Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen.

Finanzhilfe bei Weiterbildungen

Generell stellt Ammann fest, dass Berufsleute im Forstbereich oft auf ihrer Karrierestufe stehenbleiben, weil die Hürden zur nächsten Stufe zu gross sind. «Heute kommt es kaum vor, dass ein erfahrener Forstwart sich zum Förster weiterbildet.» Der Grund sei naheliegend: «Viele können oder wollen sich den Lohnausfall während der Ausbildung nicht leisten.» Dasselbe Problem stelle sich auf der nächsthöheren Ebene: Nur wenige Förster mit Berufserfahrung nehmen das Ingenieurstudium an der Fachhochschule oder an der ETH in Angriff. «Das könnten wir allenfalls ändern, indem wir den Interessierten finanzielle Unterstützung gewähren oder vermehrt Teilzeitstellen anbieten, welche eine parallele Weiterbildung ermöglichen.»

Chemie muss stimmen

Zudem sieht der Kantonsoberförster Chancen darin, junge Berufsleute bereits früh zu kontaktieren, um ihr Interesse an einer Anstellung zu wecken. «Periodische Arbeitsmöglichkeiten für Studenten im öffentlichen Forstdienst oder in einem privaten Forstbetrieb wären eine gute Option für ein gegenseitiges Kennenlernen.»

Gespräche auf persönlicher Ebene seien auch darum wichtig, weil Förster und ihre Mitarbeiter in kleinen Teams arbeiten. «Wenn jemand nicht in die Gruppe passt, kann das ein Team stark belasten», weiss Ammann. Wenn hingegen die Kombination stimmt, bleiben die Mitarbeiter umso lieber – vielleicht sogar bis zur Pension.

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