Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Harte Töne im Glockenstreit

Der Streit um die Kirchenglocken scheint sich hochzuschaukeln. Ein Kirchenvertreter bezeichnet die IG Stiller als «penetrante Minderheit», diese wirbt mit einem adaptierten SVP-Plakat.
Daniel Klingenberg
Spisertor-Glocke: Die Stadt hat den nächtlichen Stundenschlag aufgrund von Klagen von Privatpersonen abgestellt. (Bild: Daniel Klingenberg)

Spisertor-Glocke: Die Stadt hat den nächtlichen Stundenschlag aufgrund von Klagen von Privatpersonen abgestellt. (Bild: Daniel Klingenberg)

Der Glockenstreit zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche sowie der IG Stiller wird gehässig. Wegen einer «penetranten Minderheit» werde man den nächtlichen Stundenschlag der Kathedrale nicht abstellen, hiess es von katholischer Seite. Und «kuschen», wie die Stadt dies mit dem Abstellen der Glocken an Waaghaus, Spiser- und Multertor seiner Meinung getan habe, werde man ebenfalls nicht.

Dies betonte neben dem katholischen Kirchgemeindepräsidenten auch ein reformierter Vertreter (Tagblatt vom 5. Juli).

Die IG Stiller ihrerseits redet generell vom «krankmachenden Lärm von Kirchenglocken» und greift zum grafischen Zweihänder. Sie baute kurzerhand das Anti-Minarett-Plakat der SVP zu einem Anti-Kirchenglocken-Plakat um und spricht von den Glocken als einer «akustischen Machtdemonstration». In Medienmitteilungen demonstriert sie beissende Ironie.

Etwa wenn festgestellt wird, dass das Abstellen der Domglocken während der Festspiele «nicht aus Rücksicht auf die Anwohner», sondern um den Besuchern die Aufführung «nicht zu verderben», geschehen sei.

«Tonalität hat sich verschärft»

Die an diesen Äusserungen beteiligten Personen bestreiten denn auch nicht, dass sich die Tonalität zwischen den Parteien verschärft habe.

Guido Corazza, Präsident der katholischen Kirchgemeinde, verweist aber im selben Atemzug auf einen abschlägigen Bundesgerichtsentscheid in Sachen Glocken. Die IG Stiller solle diesen akzeptieren. Auch für Felix Mätzler, Mediensprecher der IG Stiller, schaukelt sich die Auseinandersetzung hoch. Man habe aber den Eindruck, bei den ersten Vorstössen aus den Jahren 2006 und 2007 nicht gehört worden zu sein.

Auch Harry Künzle, Leiter des Amtes für Umwelt und Energie, sieht aufgrund der gemachten Äusserungen eine Verschärfung der Positionen. Weil in diesem Frühjahr von drei Privatpersonen Klage eingereicht worden war, musste sich die Stadt mit dem Glockenstreit befassen. In den Klagen wurde das nächtliche Schweigen der Kathedrale, der Kirchen St. Laurenzen, Heiligkreuz und Winkeln sowie der Glocken am Waaghaus, Spiser- und Multertor gefordert.

Während die Stadt über Letztere selber entscheiden kann und diese abstellte, suchte sie das Verhältnis zwischen Kirchen und IG Stiller einer einvernehmlichen Lösung zuzuführen. Künzle hofft weiterhin auf einen solchen Ausgang des Streits.

Welche Haltung hat die Stadt?

Die nächste Runde im Glockenstreit dürfte die Antwort des Stadtrates auf einen Vorstoss aus dem Parlament sowie der Haltung zur Forderung, die Kirchenglocken nachts abzustellen, einläuten.

Gemeinhin wird erwartet, dass die Stadt analog zur Bundesgerichtspraxis traditionelle und kulturelle Werte höher gewichtet. Was die IG Stiller dann plant, ist laut Felix Mätzler offen. Eine Möglichkeit ist der rechtliche Instanzenweg bis Bundesgericht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.