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HANDLETTERING-KURSEHANDLETTERING-KURSE: Mit Kalligrafie auf Kurs

Marianna Carruzzo ist seit über 40 Jahren als freischaffende Illustratorin tätig. Ihr grosses fachliches Wissen gibt sie in Kursen an Hobbymaler weiter. Ihr Talent erbte sie von ihrem Vater.
Judith Schönenberger
Marianna Carruzzo in ihrem Gossauer Atelier, wo sie malt und Kurse veranstaltet. (Bild: Urs Bucher)

Marianna Carruzzo in ihrem Gossauer Atelier, wo sie malt und Kurse veranstaltet. (Bild: Urs Bucher)

Judith Schönenberger

judith.schoenenberger@tagblatt.ch

Hinter der Fassade eines typischen Toggenburger Hauses gleich neben der «Wulle Boutique» an der Herisauerstrasse versteckt sich das Atelier von Marianna Carruzzo. Tritt man ein, erstreckt sich vor einem ein grosser Tisch, auf dem Pinsel und Farben darauf warten, gebraucht zu werden. Hier sitzen regelmässig Kursteilnehmer, die sich von Carruzzo in die Geheimnisse der Malerei einführen lassen. «Einige Teilnehmer besuchen meine Kurse schon seit fünfzehn Jahren», sagt die gelernte Grafikerin.

Ihren ersten Kurs in Kalligrafie gab Carruzzo im Alter von 33 Jahren für einen Frauenverein. «Ich konnte davor kaum schlafen und dachte danach, das mache ich nie wieder», verrät sie. Doch die Anfragen für Kurse häuften sich und bald zeigte die zweifache Mutter Frauen im ganzen Fürstenland, in Appenzell und im Thurgau, wie man schön schreibt. «In den 1980er-Jahren war das ein richtiger Boom, der erst mit dem Aufkommen des Computers abgeflaut ist.» Heute ist das Kalligrafieren unter dem Namen «Handlettering» erneut im Trend. Carruzzo bietet nun auch dazu Kurse an (siehe Infokasten). Das Schönschreiben liege ihr nämlich seit ihrer Kindheit. Es war denn auch ihr Schreibtalent, das die Jury der Kunstgewerbeschule St. Gallen von der damals 16-Jährigen überzeugte. Sie bekam eine Zusage und konnte die Ausbildung absolvieren – auch dank ihren Eltern, die dafür auf vieles verzichteten. «Wir hatten nie viel Geld, aber eine gute Ausbildung war vor allem meiner Mutter wichtig.»

Weintrauben verhalfen ihr zum Durchbruch

Ausschlaggebend für ihre Liebe zur Kunst war Carruzzos Vater. Er war Stricker von Beruf, zeichnete aber fast in jeder freien Minute mit seinen Kindern. Und das, obwohl sich die Familie nur selten Papier oder Farben leisten konnte. «Nach den Männerchorreisen malte er jeweils ganze Bergpanoramen auf zusammengeklebte Heftumschläge», erzählt Carruzzo. Umso stolzer war ihr Vater, als seiner Tochter bereits während ihrer Ausbildung der Durchbruch gelang. Auf einer Studienreise im österreichischen Burgenland fertigte sie ein Bild der Traubensorte Muscat an, das heute in ihrem Atelier hängt. In der Druckerei, in der ihr Bruder arbeitete, liess sie die Zeichnung drucken. Der Inhaber der Druckerei war zufälligerweise Weinliebhaber und sofort vom Talent Carruzzos begeistert. Dank ihm konnte sie alle Werbeunterlagen der Druckerei und des Naturschutzbunds illustrieren. Er finanzierte ihr auch sämtliches Material und machte sie mit Walter Eggenberger, Vizedirektor der Fachschule für Obst und Weinbau Wädenswil, bekannt. Dieser wurde zu Carruzzos grösstem Förderer und verschaffte ihr unzählige Aufträge. Ihre Traubenbilder erschienen bald in Fachzeitschriften und Lehrbüchern. So konnte sie direkt nach der Ausbildung als freischaffende wissenschaftliche Illustratorin tätig sein. Mit ihrem Honorar kaufte sie ihrem Vater nach seiner Pensionierung Pinsel, Farben und Leinwände. Er malte bis zu seinem Tod fünf Jahre später über 300 Bilder.

Im Sommer wird die 64-Jährige, die nebenbei in einer Papeterie arbeitet, selbst pensioniert. Sie freut sich darauf: «Dann kann ich mich endlich voll und ganz meiner Kunst widmen.»

Schwungvolle Schriftzüge liegen wieder im Trend. «Ich glaube, Handlettering ist so beliebt, weil die Menschen mit ihren Händen etwas Einzigartiges schaffen können. Schönes am Computer schreiben, kann ja heutzutage jeder», sagt Marianna Carruzzo. In ihren Kursen möchte sie ihr fundiertes Fachwissen auf spannende Art weitergeben. Der erste Kurs findet vom 3. April bis 8. Mai jeweils am Montag, 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr, statt. (jus)

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