Hamel: HRS setzt nicht auf Kultur

ARBON. Die Arboner Kulturszene sieht sich in Bedrängnis. Einige Räume gingen verloren. Weitere Mietverhältnisse sind unsicher. Entgegen den ursprünglichen Absichten der Stadt bietet die designierte Käuferin HRS im Hamel keinen Platz für Kultur.

Max Eichenberger
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Mehrere ehemalige Fabriksäle, kleinere und grössere, böten sich im Hamel-Gebäude für eine kulturelle Nutzung an. (Bilder: Max Eichenberger)

Mehrere ehemalige Fabriksäle, kleinere und grössere, böten sich im Hamel-Gebäude für eine kulturelle Nutzung an. (Bilder: Max Eichenberger)

An die Wiederbelebung des ehemaligen Fabrikbaus gegenüber den Bahnhof – nicht nur kommerziell ausgerichtet, sondern auch kulturell – waren bis jetzt viele Hoffnungen geknüpft. Diese dürften enttäuscht werden.

Geschürt hat diese vor einem Jahr der damalige Stadtammann Martin Klöti. Die Stadt hatte im Dezember 2009 einen Coup gelandet und den Hamel erworben. Für eine Million Franken von OC Oerlikon Saurer. Aus Sicht des Stadtrates war es ein strategischer Kauf.

Vorgabe als Versprechen

Damit wollte der Stadtrat die Nutzung dieses Ortes, der durch die Entwicklung des Areals im Saurer WerkZwei ins neue Stadtzentrum beim Bahnhof rückt, mitbestimmen und nicht den Investoren überlassen. Als Eigentümerin hat die Stadt die Planungshoheit und kann ihre Interessen wahren. So hatte sie, als sie den Auftrag einer Nutzungsstudie HRS erteilte, Vorgaben gemacht. Eine war, einen Teil im kommerziell weniger attraktiven hinteren Bereich des Hamelgebäudes, «für kulturelle Nutzungen roh freizuhalten». Martin Klöti hatte damit einen Pflock eingeschlagen und ein Versprechen abgegeben.

Was sich seit Ende 2012 immer klarer abzeichnet: HRS als Verfasserin der Nutzungsstudie – deren Inhalt bis heute übrigens nie öffentlich zugänglich gemacht wurde bis auf die Arkadengestaltung des markanten Kopfbaus mit Anbindung an die Bahnpasserelle – ist auch die designierte Käuferin des Hamel-Komplexes. Das bestätigt der Stadtrat jetzt auf eine Anfrage von Claudia Zürcher.

Verkauf steht im April an

HRS war zunächst einer von vier Interessenten mit konkreten Vorschlägen für eine zukünftige Nutzung. Später hätten sich zwei weitere Investoren gemeldet. «Da bis zu diesem Zeitpunkt die Verkaufsverhandlungen bereits weit fortgeschritten waren», so der Stadtrat, habe er diesen klar gemacht, «dass konkretisierende Gespräche nur bei einem Rückzug von HRS Sinn machen würden».

Offenbar stehen die Parteien bei den Verhandlungen auf der Zielgeraden. «Wir rechnen damit, dass der Verkauf im April vollzogen wird», sagt der Stadtrat. Was HRS aus dem Hamel machen will, bleibt der Öffentlichkeit weiter vorenthalten. Der Stadtrat verweist darauf, dass Vertragsverhandlungen «sehr sensible Geschäfte» seien und darum bis zum Abschluss «Stillschweigen vereinbart» worden sei.

Angeblich ist aber, wie Quellen wissen wollen, die «Kulturklausel» gekippt worden. Stadtammann Andreas Balg zufolge habe sie nicht aufrechterhalten werden können. Frei verfügbare Flächen für kulturelle Nutzer dürfte es im Hamel also keine geben. Die Stadt, so Balg, müsste sonst alles selber entwickeln. «Man kann das Fuder auch überladen.»

Balg sieht aber Alternativen: «Wir diskutieren mit HRS über andere Gebäude für eine kulturelle Nutzung.» Man dürfe sich nicht auf ein Objekt versteifen. «Ich bin zuversichtlich, dass sich Alternativen auftun.» Beim Hamel werde die Stadt, was ihre Interessen betrifft, «einen guten Vertragsabschluss machen können», äussert sich Balg überzeugt: «Das gibt insgesamt ein gutes Paket.»

«Nicht aus der Hand geben»

Vor einem Verkauf an HRS rät hingegen ein Arboner Investor, der sich ebenfalls erfolglos um den Hamel bemüht hatte («Bei meinem Engagement geht es nicht ums schnelle Geld, sondern um Arbon und seine Bedürfnisse»), ab. Der Publikumsort in der «Neuen Stadtmitte» habe wesentlichen Einfluss habe auf die Entwicklung des urbanen Gebietes rundum bis an den See. Hier quasi den Schlüssel und die Planungshoheit aus der Hand zu geben, «wäre ein grober Fehler», gibt er zu bedenken. Zumal offenbar wichtige Arboner Interessen, wie der Wunsch nach Kulturräumen und Begegnungsorten, nicht oder nicht bedürfnisgerecht aufgenommen würden.

Musikzentrum in Bedrängnis

Nach dem Verlust des Xang, dem bevorstehenden Aus der Kulturveranstaltungen im ZiK und der ungewissen Zukunft der Kunsthalle kommt auch das Musikzentrum mit seinen Mietern in Bedrängnis. Die Mietverträge sind dort kurzfristig. Musikschulpräsidentin Carmen Lüthy schwant, dass die Wälli AG als Eigentümerin «über kurz oder lang einmal etwas machen könnte». Die Rede ist von einer Weiterführung der Zentrumszone vom Rosengarten über die Parzelle der ehemaligen Saurer Kugellagerfabrik. «Wir wollen das Gespräch mit der Stadt suchen», sagt Carmen Lüthy.

«Uns fehlt in Arbon ein Saal mit 300 bis 400 Plätzen für breite kulturelle Aktivitäten», sagt Musikschulleiter Leo Gschwend. Als Nutzer sähe er einen Kreis von den Arboner Sängern, von der Stadtmusik, des Sinfonischen Orchesters bis hin zu Kleinkunstveranstaltern, Gastensembles und Musicals. In der Nähe von Bahn- und Bushof wäre ein urbaner Ort mit Ausstrahlung ideal. Der Seeparksaal sei eher eine Sporthalle. «Akustisch kann man nicht viel machen.» Abstriche gebe es auch im atmosphärischen Bereich.

Hamel-Komplex: Der Verkauf an HRS soll im April besiegelt werden. (Bild: Picasa)

Hamel-Komplex: Der Verkauf an HRS soll im April besiegelt werden. (Bild: Picasa)

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