HALTBARKEIT: Weniger Lebensmittel, mehr Abnehmer

Weil bei Lebensmitteln oft nur noch das Verbrauchsdatum aufgedruckt ist, wandern sie bei den Grossverteilern in den Abfall. Das spürt auch «Transfair».

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Ein Milchprodukt mit nur noch einem Datum. (Bild: Vanessa Mengel)

Ein Milchprodukt mit nur noch einem Datum. (Bild: Vanessa Mengel)

Welche und wie viele Lebensmittel die Abgabestellen für Armutsbetroffene erhalten, ist jeweils stark abhängig von der verkauften Menge bei den Detailhändlern. Neuerdings wird die Menge auch dadurch verringert, weil die Produkte statt mit «zu verkaufen bis» und mit «zu verbrauchen bis» oft nur noch mit einem Datum gekennzeichnet sind. Ist dieses hinfällig, kann das Produkt bereits noch beim Grossverteiler in den Abfall wandern. Das wiederum wirkt sich auf die Abgabestellen aus. Ein Rückgang, der auch im K-Treff in Wittenbach festgestellt wird (Tagblatt vom Mittwoch).

Auch «Transfair», die Lebensmittelabgabe beim Friedegg-Treff in Gossau, sieht sich mit dieser neuen Datenregulierung konfrontiert. «Wir erhalten tatsächlich weniger Produkte. Was schade ist, denn viele der abgelaufenen Lebensmittel könnten problemlos noch gegessen werden», sagt Ursula Büsser, die ehemalige Leiterin von«Transfair» und aktuelle Leiterin des Friedegg-Mittagstischs. Ihr «grosses Glück» aber sei, dass sie auf die Lieferungen von hiesigen Grossverteilern zählen dürfe, die weiterhin beide Daten listen. In einer komfortablen Lage sieht sich «Transfair» auch bei den Brotmengen, die ebenfalls von einem Gossauer Betrieb abgegeben werden.

Mit dem Rückgang der Produkte steigt gleichzeitig die Zahl der Abnehmer, wie Ursula Büsser erklärt. «Das hat mit der wachsenden Flüchtlingszahl zu tun.» Noch vor einem Jahr wurde die Gossauer Lebensmittel-Abgabestelle, die freitags geöffnet hat, von 40 bis 50 Personen genutzt. Heute seien es bereits 70 bis 80.

Geld für andere wichtige Bedürfnisse

Bedenken, dass es mit Lebensmitteln, die «Transfair» Armutsbetroffenen abgibt, bald knapp werden könnte, hat die ehemalige Leiterin nicht. Sollte es tatsächlich eng werden, müsste man sich einen Zukauf überlegen. «Das aber entspricht im Grunde genommen nicht der Philosophie der Schweizer Tafel.» Denn diese sammle überschüssige, einwandfreie Lebensmittel, damit weniger in den Abfall gelangt. Armutsbetroffene haben mit dieser Aktion die Möglichkeit, für einen symbolischen Beitrag Essen zu beziehen. «Somit bleibt ihnen Geld, um andere Bedürfnisse zu stillen.»

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch