Haftstrafe, Bewährungshilfe, Therapie

Eine junge Frau hat mit retuschierten Belegen Einzahlungen vorgetäuscht, Ausweise gefälscht und im Internet bestellte Waren nicht bezahlt. Zudem verkaufte sie online auch verschiedene Wertgegenstände, die sie ihren Kundinnen und Kunden dann nie lieferte.

Claudia Schmid
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Die knapp 20jährige Frau musste sich am Kreisgericht St. Gallen eine lange Liste von Vorwürfen anhören. Die Akten füllten mehrere Ordner, erklärte der Vorsitzende Richter. Neben einem Sachschaden von rund 50 000 Franken habe sie den Untersuchungsbehörden einen riesigen Berg an Arbeit beschert.

Gefälscht und getäuscht

Die Beschuldigte schaltete in der Zeit zwischen September und November 2013 auf einer Internetplattform 35 Inserate. Sie bot verschiedene Gegenstände wie iPhone, iPad, Computer, Gürtel und Taschen zum Verkauf an, obwohl sie sie gar nicht besass. Die Kaufinteressenten wies sie an, den entsprechenden Betrag auf ihr Konto zu überweisen. Die Ware sahen die Käuferinnen und Käufer nie. Umgekehrt bestellte die junge Frau bei Online-Anbietern teilweise unter falschem Namen diverse Gegenstände, die sie dann nicht bezahlte.

Zweimal mietete die junge Serbin auch eine Wohnung und täuschte mit retuschierten Einzahlungsbelegen vor, sie hätte Kaution und Miete bezahlt. Das gleiche Vorgehen wandte sie beim Kauf von Autopneus an: Mit den gefälschten Belegen konnte sie einen Garagisten dazu bewegen, ihr die Pneus am Fahrzeug zu montieren. Ausserdem buchte sie Reisen, bei denen sie ebenfalls die Einzahlungsscheine manipulierte. Um eine Stelle zu erhalten, legte sie schliesslich bei zwei Arbeitgebern gefälschte Zeugnisse mit guten Abschlussnoten vor. Selbst als das Strafverfahren gegen sie bereits lief, machte die Beschuldigte mit ihren Straftaten weiter.

Mehrere Jugendstrafen

Der Vorsitzende Richter am Kreisgericht hielt der Zwanzigjährigen mehrere Jugendstrafen vor. Laut seinen Ausführungen kam sie bereits im Alter von zwölf Jahren mit dem Gesetz in Konflikt. Sie stahl Geld, plünderte eine Firmenkasse, fälschte ein Arztzeugnis und ahmte die Unterschrift ihrer Mutter nach, um ein Handy zu kaufen.

Die Staatsanwältin klagte die Beschuldigte im abgekürzten Verfahren an. Die Beweggründe für ihr Tun seien in Geldgier und Geltungsdrang zu suchen. Aufgrund der vielen Delikte und Vorstrafen könne man der jungen Frau auch keine wirklich günstige Prognose stellen. Anderseits sei sie gewillt, mit einer Verhaltenstherapie und Bewährungshilfe ihr noch junges Leben in den Griff zu bekommen. Zu hoffen sei, dass die Therapie ihr Bewusstsein für die Realität schärfe und sie sich nicht mehr an einer Scheinwelt orientiere.

Auch der Verteidiger hob hervor, dass sich seine Mandantin bemühe. Sie sei auf der Suche nach einer Lehrstelle, um die abgebrochene Ausbildung doch noch zu beenden. Zudem erscheine sie immer pünktlich zu den Terminen der Bewährungshilfe und des Therapeuten.

Das Kreisgericht St. Gallen erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil: Die Beschuldigte wurde demnach des mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs, der Urkundenfälschung, der Fälschung von Ausweisen und der arglistigen Vermögensschädigung für schuldig erklärt.

Hohe Verfahrenskosten

Die junge Frau erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren. Das Gericht ordnete zudem Bewährungshilfe und die Fortsetzung der Verhaltenstherapie an. Mehrere Zivilklagen wurden ebenfalls geschützt. Zudem muss die junge Frau die Verfahrenskosten von rund 20 000 Franken bezahlen.