Hafengebäude gefällt nicht allen

Die Präsidenten der Mitte-Rechts-Parteien begrüssen die Pläne für ein neues Hafengebäude in Rorschach. Von linker Seite hagelt es dagegen scharfe Kritik. Auch der Hafenmeister kann mit dem Vorhaben wenig anfangen.

Valentin Schneeberger
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Auf dem Hafenplatz soll ein neues Hafengebäude entstehen. (Bild: Valentin Schneeberger)

Auf dem Hafenplatz soll ein neues Hafengebäude entstehen. (Bild: Valentin Schneeberger)

RORSCHACH. Nun gibt es sie doch, die Opposition gegen das neue Hafengebäude in Rorschach. Waren die Stimmen der Gegner bei der öffentlichen Präsentation des Projekts am vergangenen Montag noch zu wenig deutlich als solche zu erkennen, fällt die Kritik am Vorhaben der Stadt nun umso schärfer aus.

SP fühlt sich überrumpelt

Die SP Rorschach Stadt am See fühlt sich von den am Stadtapéro vorgestellten Plänen für ein neues Hafengebäude samt Gastronomiebetrieb überrumpelt. «Praktisch aus dem Nichts wird ein unterschriftsreifes Projekt zur Abstimmung vorgelegt», sagt Parteipräsident Joachim Huber. Das zügige Vorgehen der Stadt erwecke bei ihm den Eindruck, dass diese mit dem Neubau kein klares Konzept verfolgt.

Seine Partei hatte das Projekt bereits in einem Leserbrief kritisiert (Tagblatt von gestern). Durch den Neubau werde der Hafenplatz erheblich verkleinert, und auch der Zugang zum Hafenbahnhof werde erschwert, schrieb die Partei in ihrer Stellungnahme.

Nur noch eine «Piazza Piccola»?

Mit dem Bau des neuen Hafengebäudes sieht die SP die Möglichkeit, den Kabisplatz künftig im Sinne einer Piazza Grande zu gestalten, gefährdet. Weiter geht die Partei davon aus, dass mit dem geplanten Restaurant im Hafengebäude die Nutzung des Kellergewölbes im Kornhaus konkurrenziert wird. Es bleibt aber fraglich, ob das Kornhaus – wie es die SP vorsieht – je für einen Gastrobetrieb genutzt werden kann. Denn erst kürzlich hatte der Rorschacher Stadtrat kommuniziert, dass er eine solche Nutzung des Kellergewölbes nur für schwer realisierbar hält. Zu teuer würden die Mieten im Kornhaus.

Trotzdem hält die SP an ihrer Argumentation fest: «Es kann nicht sein, dass wir Geld in ein neues Hafengebäude investieren und beim Kornhaus wieder nichts geht», sagt Joachim Huber. Und überhaupt könne sich Rorschach mit der angespannten Haushaltslage ein solches Projekt gar nicht leisten.

Vorher Toiletten sanieren

Nicht nur die SP hat Vorbehalte gegenüber dem Projekt. Auch Hafenmeister Urs Grob kann den Plänen der Stadt nicht viel abgewinnen. «Bei diesem Vorhaben geht es in erster Linie um den Bau eines neuen Restaurants. Und ob es das wirklich braucht, wage ich zu bezweifeln», sagt er. Bevor die Stadt Geld in etwas Neues investiere, solle sie besser die öffentlichen Toiletten auf dem Hafenplatz sanieren. «Das würde weniger Geld kosten und viel bewirken», sagt Grob.

Vergleich mit Deutschland

Beat Ruckstuhl, Präsident der SVP Kreispartei Rorschach, bezeichnet die Kosten für das neue Hafengebäude als «am oberen Limit». Grundsätzlich steht er jedoch hinter dem Projekt. «Es ist enorm wichtig für eine Hafenstadt wie Rorschach, dass den Menschen etwas geboten wird», sagt er. Die Entwicklung des Hafenplatzes sei deshalb von höchster Priorität.

Auch bei den Vertretern der CVP und der FDP kommen die Pläne für das neue Hafengebäude gut an. «Es ist an der Zeit, dass das Provisorium endlich ersetzt wird», sagt Jan-Thilo Hippmann, Ortsparteipräsident der FDP. Die Kritik der SP an der Stadt, am falschen Ort zu investieren, lässt Hippmann nicht gelten. «Im Kornhaus einen Gastrobetrieb zu realisieren, wäre weitaus teurer», sagt er. Schliesslich müsse man dort die Vorgaben der Denkmalpflege berücksichtigen, und auch die zwingend nötigen Arbeiten an der Kanalisation seien kostspielig.

Weiter sagt Hippmann: «Wir dürfen uns nicht darüber beschweren, dass auf deutscher Seite mehr geboten wird, und dann selber nichts unternehmen.» Das neue Hafengebäude sei eine Aufwertung für Rorschach. Dafür lohne es sich, Geld in die Hand zu nehmen.

Das Gebäude gefällt

Marc Gilliand, Präsident der CVP Rorschach, lobt die Architektur des neuen Hafengebäudes: «Durch die dreieckige Form wird nicht unnötig viel Platz verbaut.» Er sieht das neue Hafengebäude als Beginn einer gesamthaften Neugestaltung des Hafenplatzes. «Durch den Bau öffnen sich weitere Entwicklungsmöglichkeiten, auch im Hinblick auf einen autofreien Hafenplatz», sagt er.

Die Kosten für das Projekt hält er für angemessen. «Damit sich eine Stadt weiterentwickeln kann, muss natürlich auch etwas investiert werden», sagt er.