Häggenschwil verlängert mit SBW

Schulisch ist Häggenschwil ein Schweizer Unikum: Die Privatschule SBW führt die Oberstufe im Auftrag der Gemeinde. Nun wird der Vertrag voraussichtlich verlängert. In Wittenbach ist man wenig überrascht.

Corinne Allenspach
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Die Oberstufe in Häggenschwil ist seit drei Jahren eine Privatschule. (Archivbild: Urs Jaudas)

Die Oberstufe in Häggenschwil ist seit drei Jahren eine Privatschule. (Archivbild: Urs Jaudas)

HÄGGENSCHWIL. Vielen sind die Bilder noch lebhaft im Kopf, als über 250 kleine und grosse Häggenschwiler im Dezember 2010 den St. Galler Klosterplatz belagerten und ihre Piratenflaggen schwenkten. Dabei überreichten sie Bildungsdirektor Stefan Kölliker über 7300 Unterschriften für den Erhalt der Oberstufe. Gebracht hat es ausser viel Medienpräsenz wenig: Der Erziehungsrat erlaubte Häggenschwil nicht, seine Oberstufe – die kleinste im Kanton – weiterzuführen.

«Lösung funktioniert bestens»

Die Piraten gaben aber nicht auf: Seit dem 1. August 2012 betreibt die SBW Haus des Lernens im Auftrag der Gemeinde die Oberstufe. Vorerst für drei Jahre. Damit ist Häggenschwil die erste Gemeinde der Schweiz mit einer privaten Oberstufe. Bereut hat man den Weg nicht: «Für uns ist es eine ideale Lösung», sagt Schulratspräsident Alan Germann. Man habe festgestellt, dass die Schule im Dorf breit abgestützt sei. «Und auch die Rahmenbedingungen sind zu 100 Prozent erfüllt.» So gelinge es beispielsweise nach wie vor, für alle Schüler eine Anschlusslösung zu finden. Und auch das kantonale Bildungsdepartement, das die Aufsicht über alle Privatschulen hat und Häggenschwil zweimal besuchte, habe gute Noten erteilt, sagt Germann. «Für uns war es darum klar, dass wir den Vertrag mit der SBW wieder erneuern.» Dies ist nun seitens der Gemeinde Häggenschwil geschehen. In Kürze werde sich auch der Verwaltungsrat der SBW beraten.

Wittenbach rechnete damit

In Wittenbach ist man nicht überrascht über die Vertragsverlängerung. «Wir mussten damit rechnen», sagt Georges Gladig, Präsident der Regionalen Oberstufenschulgemeinde Grünau. Werten will er das Ganze nicht: «Das ist Häggenschwils freier Entscheid, den wir respektieren müssen.» Im August teilte der Schulrat der Grünau im «Gemeindepuls» mit, man stehe einer Ausweitung der Oberstufe mit Häggenschwil offen gegenüber. «Damit wollten wir signalisieren, dass die Häggenschwiler in Wittenbach jederzeit willkommen sind», sagt Gladig. «Auch in einigen Jahren noch.»

Sich nicht verschliessen

Alan Germann kann sich durchaus vorstellen, wieder mit der öffentlichen Schule zusammenzuarbeiten, sobald der Erziehungsrat die gestern angekündigten Reformen auf der Oberstufe umsetzt. «Wir wollen uns nicht verschliessen», sagt Germann. «Wir hätten gerne von Anfang an bewiesen, dass unser System auch in der öffentlichen Schule funktioniert.» Aber bisher sei altersdurchmischtes Lernen in der Oberstufe nicht erlaubt gewesen. Und für Häggenschwil ist dieses unabdingbar, soll die Schule weiterhin im Dorf bleiben. Aktuell werden nur gerade 45 Oberstufenschüler beschult.