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HÄGGENSCHWIL: Mit der Abwechslung tat sich der Bauamtsmitarbeiter schwer

Nach 32 Jahren als Bauamtsmitarbeiter ist Guido Eilinger seit Anfang Januar in Pension. Der Abschied fällt ihm schwer, obwohl er Zeit brauchte, um die Vielseitigkeit seiner Arbeit schätzen zu lernen.
Laura Widmer
Guido Eilinger in der Küche seiner Wohnung. (Bild: Sabrina Stübi)

Guido Eilinger in der Küche seiner Wohnung. (Bild: Sabrina Stübi)

Laura Widmer

laura.widmer@tagblatt.ch

Als Erstes schaut Guido Eilinger jeden Morgen aus dem Küchenfenster. Die Wohnung an der Dorfstrasse liegt nur wenige Meter vom Zentrum von Häggenschwil entfernt. Der Blick aufs Wetter gab jahrelang Auskunft darüber, was ihn bei der Arbeit erwarten würde. Erst seit Kurzem im Ruhestand, hat er diese Gewohnheit noch nicht abgelegt.

Die Arbeiten, die Eilinger in den vergangenen 32 Jahren als Bauamtsmitarbeiter in Häggenschwil und Lömmenschwil ausgeführt hat, sind vielfältig: Strassen reinigen, Kies schaufeln, Löcher reparieren, Bestattungen durchführen. «Es gibt kaum eine Arbeit, die Guido in dieser Zeit nicht gemacht hat», sagt seine Frau Rita.

Vieles hat sich verändert, seit der 65-Jährige seine Stelle angetreten hat: Die Strassen wurden 1985 noch von Hand gefegt, mit Besen, Schaufel und Handwagen. Vier Gemeindepräsidenten hat Eilinger miterlebt. Das Spritzenhaus, in dem seine Arbeitsgeräte verstaut wurden, war ein Provisorium, in dem manchmal der Strom ausfiel. «Im Winter gefror bei Minustemperaturen sogar das Salz.» Mehrmals wurden die Räumlichkeiten gewechselt, bevor 1997 der Werkhof beim Gemeindehaus bezogen wurde.

Seit 32 Jahren keine Skiferien

Das Aufstehen um halb vier war von November bis März Pflicht, um Wege zu pfaden, Strassen zu salzen und das Dorf in Ordnung zu halten. Skiferien gab es in den vergangenen 32 Jahren keine. Auch Verabredungen einzuhalten war nicht immer einfach. Wenn das Wetter verrückt spielte, war Eilinger im Einsatz.

So flexibel er an Werktagen war, an der Fünftagewoche hielt Eilinger eisern fest. «Der Samstag war schon immer mein heiliger Tag.» Noch heute widmet er den Tag seinem Hobby, den Modelleisenbahnen. Seit mehr als 30 Jahren hat er dafür eine Garage in Muolen gemietet.

Häggenschwil ist in den vergangenen Jahren gewachsen, und mit dem Dorf die Pflichten des Bauamtsmitarbeiters. Eine Finnenbahn, ein Spielplatz, neue Strassen: All das gehörte nach der Fertigstellung ebenfalls zu seinem Aufgabenbereich.

Anfangs tat sich Eilinger schwer. Dass er 32 Jahre lang in der gleichen Stelle bleiben würde, schien unwahrscheinlich. Er war vor Stellenantritt in Häggenschwil als internationaler Chauffeur tätig und fuhr Lastwagen durch Europa. Die Umstellung machte ihm in den ersten beiden Jahren zu schaffen, erst nach und nach lernte er die Vielseitigkeit seiner Arbeit beim Bauamt zu schätzen. «Kein Tag war gleich wie der vorherige», sagt der 65-Jährige. Zu Beginn habe er noch Listen geschrieben, um die Aufgaben des nächsten Tages zu ordnen. Schnell merkte er jedoch, dass sich das nicht lohnte. «Je weniger man plant, desto einfacher ist es, spontan reagieren zu können.» Der Abschied vom Beruf fällt Eilinger nach all den Jahren schwer. Er habe doch auch für den Beruf gelebt. «Ich war immer für die Leute und die Gemeinde da.»

Etwas räumlicher Abstand

Es war ein schöner Abschluss, sagt Eilinger über seine Pensionierung. Es freue ihn, dass er alles in gutem Zustand an seinen Nachfolger übergeben könne.

Ende März ziehen Rita und Guido Eilinger um. Die Wohnung direkt über dem Arbeitsplatz war praktisch: «Jetzt brauchen wir aber etwas räumlichen Abstand.» So gern der 65-Jährige seinen Beruf ausgeübt hat, freut er sich auch auf den Ruhestand. Mehr Zeit für die Eisenbahnen, für Tagesausflüge, und um morgens auszuschlafen. «Die schönste Zeit dafür kommt erst noch».

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