Häggenschwil kauft «Krone»

Nach der Ruine Ramschwag und dem «Ochsen» ist die Gemeinde Häggenschwil weiter auf Einkaufstour. Wenige Stunden vor der Bürgerversammlung kaufte sie die «Krone» im Dorfkern.

Corinne Allenspach
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Die rund 300jährige «Krone» im Dorfzentrum von Häggenschwil gehört seit Dienstag der Gemeinde. (Archivbild: Reto Martin)

Die rund 300jährige «Krone» im Dorfzentrum von Häggenschwil gehört seit Dienstag der Gemeinde. (Archivbild: Reto Martin)

HÄGGENSCHWIL. Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring hat eine seltene Gabe, selbst aus vermeintlich trockenen Bürgerversammlungen einen überraschend interessanten Abend zu gestalten. Mit der grössten Überraschung wartete er am Dienstag gegen Schluss auf. Die rund 120 Anwesenden, das sind 14 Prozent der Stimmberechtigten, erfuhren, dass die Politische Gemeinde die «Krone» gekauft hat. Und zwar just wenige Stunden vor der Bürgerversammlung, wie Eisenring später beim Apéro verrät. Im 300jährigen denkmalgeschützten Haus mitten im Dorf wurde bis vor rund vier Jahren noch gewirtet. Inzwischen ist es ein Wohnhaus, frisch renoviert von einem Auslandschweizer, der hier dereinst seinen Lebensabend verbringen wollte.

Eine Wundertüte zu gutem Preis

«Der Mann hat es sich aber anders überlegt», sagt Eisenring. Darum sei die «Krone» seit kurzem im Internet ausgeschrieben gewesen. Für 535 000 Franken. «Zu diesem Preis und bei diesem Zustand des Hauses mussten wir einfach zugreifen.» Die «Krone» sei nicht nur wunderschön, sie sei «eine Wundertüte», voll möbliert und aufwendig renoviert, schwärmt Eisenring. Gekauft habe man das zentral gelegene Haus vor allem aus strategischen Gründen. Aus der «Krone» wieder ein Wirtshaus zu machen, sei nicht das Ziel. «Wir haben ja erst 2015 den <Ochsen> gekauft, und seit kurzem haben wir ein Café im Dorfladen. Das wollen wir nicht konkurrieren.»

Platz für Asylantenfamilien

Wie die «Krone» künftig genutzt werden soll, sei noch nicht entschieden. Das Haus mit seinen zwei Wohnungen könnte Platz bieten für Schul- oder Gemeinderäume, aber auch für Asylantenfamilien. «Sie in gemeindeeigenen Liegenschaften unterzubringen ist für uns günstiger, als wenn wir Wohnungen mieten müssen.»

Diskussionen löste der Kauf der «Krone» an der Bürgerversammlung keine aus. Vielleicht, so vermutet Eisenring, weil die Bürger ob der Nachricht zu überrascht waren. «Obwohl ein Kauf schon lange Thema im Dorf war.» Ein Bürger meldete sich doch noch zu Wort. Er zeigte sich befremdet darüber, dass die Gemeinde die «Krone» auf eigene Faust gekauft hat. «Ich fände es nicht mehr als recht, wenn solche Geschäfte an der Bürgerversammlung beschlossen würden», sagte er. Sowieso finde er es etwas übertrieben, dass der Gemeinderat mit der aktuellen Gemeindeordnung Käufe bis zu einer Million Franken ohne Rücksprache mit den Bürgern tätigen könne.

Gemeinde kauft «keinen Seich»

Eisenring entgegnete, er wüsste nichts, «bei dem der Gemeinderat einen kompletten Seich zusammengekauft hat». Vielmehr sei er froh, handlungsfähig zu sein. «Gerade bei Immobilien wie der <Krone> gibt es so viele Interessenten, da muss man rasch handeln.» Ausserdem sei der Gemeinderat ja auch gewählt, um Verantwortung zu übernehmen. «Und sonst gibt es alle vier Jahre Wahlen, um uns einen Denkzettel zu verpassen.»

Dann legte Eisenring den Anwesenden – zum wiederholten Mal an diesem Abend – ans Herz, den Abend im «Ochsen» ausklingen zu lassen. Schliesslich sei dort nach jeder Bürgerversammlung Freinacht.