HÄGGENSCHWIL: Eine Schule nach Mass

Wenn es um individuelle Lösungen für die Schule geht, haben die Häggenschwiler Erfahrung. Nach dem Kampf um die Oberstufe muss jetzt die Primarstufe neu organisiert werden. Der Grund ist ein erfreulicher.

Corinne Allenspach
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Im Pfaffengut werden künftig Kindergärtler und Erstklässler unter einem Dach unterrichtet. (Bild: Urs Bucher)

Im Pfaffengut werden künftig Kindergärtler und Erstklässler unter einem Dach unterrichtet. (Bild: Urs Bucher)

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Die rege Bautätigkeit hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Seit 2011 ist Häggenschwil um über 100 Personen gewachsen. Ende 2016 zählte die Gemeinde damit knapp 1300 Einwohnerinnen und Einwohner. Mit den Neuzuzügern steigen auch die Schülerzahlen. Und zwar längerfristig und in einem Ausmass, das eine Neuorganisation der Primarstufe verlangt, wie Schulratspräsident Alan Germann an der Bürgerversammlung Ende März sagte. Das Projekt, das kürzlich gestartet wurde, nennt sich «Schule 2.18». In Anspielung darauf, dass erste Veränderungen bereits ab Schuljahr 2018 in Kraft treten.

Dem bisherigen Credo wolle man treu bleiben, betont Germann. «Wir wollen auf jeden Fall am altersdurchmischten Lernen festhalten. Das ist so, wie wir Schule verstehen.» Seit Jahren werden in HäggenschwilAABB22– «als pädagogischer Mehrwert»AABB22– drei Jahrgänge miteinander unterrichtet. Das habe sich bewährt: «Der Vorteil ist, die Rollen der Kinder wechseln jedes Jahr.» ­Einmal seien sie die Kleinen, dann die Mittleren, am Schluss die Grossen. «Die Kinder bekommen damit nicht einfach ihren ­Stempel aufgedrückt, den sie drei ­Jahre tragen», sagt Germann. Der Nachteil sei aber sicher, dass altersdurchmischtes Lernen einen Mehraufwand bedeute für die Lehrpersonen beim Individualisieren.

«Schmerzgrenze» liegt bei 27 Schülern

Vom Kindergarten bis zur 6.AABB22Klasse besuchen derzeit 131 Kinder die Schule Häggenschwil. Verteilt auf sechs Klassen, zwei parallele Kindergärten gemischt mit Grossen und Kleinen und je zwei Parallelklassen 1.–3. und 4.–6.AABB22Klasse. Die grösste Klasse zählt der­zeit 26AABB22Schüler, die kleinste 18. Nächstes Jahr wird es ungefähr gleich aussehen, aber bereits ab Schuljahr 2018/19 zeichnen sich zwei Klassen mit 29 Schülern ab. «Das geht gar nicht», sagt Alan Germann. «Die Schmerzgrenze beim altersdurchmischten Lernen liegt für uns bei 27 Schülern.» Bereits heute fange man die relativ hohen Schülerzahlen in der Unterstufe mit Klassenassistenten und Teamteaching auf.

Dies allein wird aber künftig nicht mehr reichen. «Steigende Schülerzahlen sind an sich ja eine erfreuliche Nachricht, aber auch eine Herausforderung», sagt Germann. Obwohl das Projekt «Schule 2.18» erst in den Start­löchern steckt, wurden bereits ­einige Varianten geprüft. Der Favorit wird nun umgesetzt: Kindergärtler und Erstklässler sollen unter einem Dach vereint werden. «Wie wir das genau lösen, ist noch völlig offen», sagt Germann. Ein Vorteil sei sicher, dass sich dadurch die jetzige grosse Diversität mit drei Jahrgängen auf der Unterstufe entspannen würde. Die 2. und 3.AABB22Klasse würden als Doppelklasse geführt, auf der Mittelstufe ändert sich vorläufig nichts. In etwa fünf Jahren ist dort aber eine dritte Parallelklasse ­nötig.

Beim Kanton ist der Schulrat bereits vorstellig geworden und soll noch im April eine erste Stellungnahme mit Rahmenbedingungen für die Umsetzung erhalten. Gemäss Schulleiterin Maya Boppart ist nach den Frühlingsferien Kick-off für die weitere Planung. Dann gilt es, die juris­tischen und formellen Fragen zu klären, aber auch den Raumbedarf und die Personalsituation.

Eltern und Göttis müssen umdenken

Germann ist zuversichtlich, dass Häggenschwil nach dem erfolgreichen Kampf um den Erhalt der Oberstufe erneut eine mass­geschneiderte Lösung für seine Schule findet. Die ersten, welche die Änderungen betreffen, sind die Eltern der jetzigen kleinen Kindergärtler. Sie wurden bereits informiert. Germann kann sich vorstellen, dass die grössten Bedenken psychologischer Art sein werden: «Wenn Erstklässler im Kindergarten bleiben und mit dem ersten Schultag nicht mehr zu den Grossen wechseln, müssen Eltern, Gottis und Göttis umdenken.»