Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

HÄGGENSCHWIL: «Die Ruine verrotten lassen»

Die Witterung setzt der Ruine Ramschwag zu. Sie wird zum Sicherheitsrisiko für Besucher. Dennoch stellt sich die Bevölkerung einer Sanierung entgegen.
Noemi Heule
Sie sehe zwar robust aus, sei aber fragil, sagt Denkmalpfleger Michael Niedermann über die Ruine Ramschwag. (Bild: Michel Canonica)

Sie sehe zwar robust aus, sei aber fragil, sagt Denkmalpfleger Michael Niedermann über die Ruine Ramschwag. (Bild: Michel Canonica)

Steinhaufen, Kulturgut, Sicherheitsrisiko, Denkmal oder Geldfresser. Dreht sich die Diskussion um die Ruine Ramschwag, gehen die Meinungen der Häggenschwiler Bevölkerung, des Gemeinderates und des Denkmalschutzes weit auseinander. Das zeigte sich einmal mehr an der Informationsveranstaltung, an der über die Zukunft der Häggenschwiler Hausburg beraten wurde. Genauer: Eine Sanierung des tausendjährigen Mauerwerks.

Die Liste der Schäden an der Burg ist lang: Bröckeliger Mörtel, Hohlräume im Mauerwerk, lose Steinbrocken, ein teilweise unsicheres Fundament, ganze Mauerpartien, die sich ablösen. «Der Zahn der Zeit nagt», fasste der zuständige Ingenieur Andreas Heller den Zustand der Ruine zusammen. Sobald Wasser in die Mauer eindringt, kann dies ganze Steinbrocken aus dem Mauerwerk sprengen. Besonders bei niedrigen Temperaturen, wenn das Wasser im Mauerwerk friert. So geschah vor drei Jahren, als zwei Spaziergänger von einem losen Steinbrocken überrascht wurden, der sie nur knapp verfehlte. Heller sprach denn auch langfristig von einem Sicherheitsrisiko für die Besucher.

Eine Sanierung, welche diese Gefahr bannt, kostet laut Heller rund 300000 Franken. Für eine Gesamtsanierung, die nicht nur die nächsten 20 Jahre überdaure, sondern gleich zwei Generationen halte, rechnet er mit zusätzlich 450000 Franken. Günstiger käme die Gemeinde weg, wenn beide Arbeitsschritte zugleich vonstattengingen. Dank Zuschüssen von Bund und Kanton müsste die Gemeinde für ein Drittel der Kosten aufkommen.

In der Häggenschwiler Bevölkerung ist aber bereits die günstigere Variante umstritten. Viele der rund 100 Zuhörer ergriffen das Wort, sprachen von einem «Steinhaufen» und davon, diesen doch einfach weiter verrotten zu lassen. «Die Mauern haben tausend Jahre überdauert, wieso sollte es nun plötzlich schnell gehen?», fragte jemand. Ein Anderer nannte die Ruine «ein Fass ohne Boden», fürchtete weitere Kosten für die Gemeinde.

Falsches Spiel mit der Bevölkerung?

Die Kosten waren aber nur vordergründig das Problem: Vielmehr fühlen sich die Häggenschwiler nach wie vor vom Gemeinderat übergangen, der die Ruine Ramschwag 2013 in einer Jassrunde gegen die Erben Thaler erlangt hatte. Für einen symbolischen Betrag. «Hätten wir gewusst, dass später Kosten dieser Höhe anfallen würden, hätten wir niemals zugestimmt», war sich eine Häggenschwilerin sicher. Auch an Lösungsvorschlägen mangelte es an diesem Abend nicht: Ein Zuhörer wollte lieber in eine Sicherheitsschranke und Beleuchtung der Burg investieren, die man im Gegenzug sich selbst überlassen sollte; ein anderer das Bauwerk gleich dem Kanton abtreten.

«Wir wollen die Ruine nicht nur anschauen, sondern erleben», entgegnete Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring, der einmal mehr für «die wichtigste Ruine zwischen Wil und Bodensee» einstand. Er erinnerte an das Erbe der Raubritter Ramschwag, auf die auch die beiden Löwen im Gemeindewappen zurückgehen. Trotz seiner Begeisterung für Häggenschwils «wichtigstes Kulturgut», zeigte Eisenring Verständnis für die Voten aus dem Publikum. Er versprach, keine Schnellschüsse zu machen. Schliesslich wolle der Gemeinderat eine Lösung mit dem Zuspruch der Bevölkerung. «Es besteht wohl noch Aufklärungsbedarf», fügte er an.

Kein optionaler Luxus, sondern schlicht Pflicht

Weniger Verständnis brachte Denkmalschützer Michael Niedermann auf. Die Gemeinde stehe in der Pflicht, dieses «hochkarätige Objekt» zu erhalten, mahnte er. Die Ruine «in Würde sterben zu lassen» sei dagegen keine Option, schliesslich stehe sie unter Bundesschutz. Dank Bund und Kanton komme die Gemeinde zu einer günstigen Lösung, die überdies kein Luxus, sondern schlicht nötig sei. «Die Verwitterung schreitet galoppierend voran.» Zwar sehe die Ruine robust aus, sie sei aber fragil. Werde jetzt nichts unternommen, bleibe tatsächlich bald nicht mehr als ein Steinhaufen zurück.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.