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HÄGGENSCHWIL: Deponie wirft Fragen auf

Die Vorarbeiten für die Deponie im Rütiholz sind abgeschlossen. Die Häggenschwiler sind verunsichert. Sie fordern von Betreiber und Behörden Antworten. Diese werden gegeben, bleiben aber spärlich.
Marlen Hämmerli
Walter Schwarzkopf hält die Drohne in den Händen, mit der vergangenes Jahr die Wiese vermessen wurde. (Bild: Michel Canonica (28. April 2016))

Walter Schwarzkopf hält die Drohne in den Händen, mit der vergangenes Jahr die Wiese vermessen wurde. (Bild: Michel Canonica (28. April 2016))

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Im Rütiholz ist eine Deponie für unverschmutztes Aushubmaterial geplant. Die Vorarbeiten ergaben: Die Wiese bei der Rothenbrücke zwischen St. Pelagiberg und Häggenschwil ist geeignet, wie der Betreiber im Mitteilungsblatt vom Juli schrieb. Es werde nun ein Vorprojekt ausgearbeitet. Seither wurde nicht mehr informiert.

Dies überrasche, schreibt eine Häggenschwilerin dem «St. Galler Tagblatt». «Die Bürger sind skeptisch und unsicher.» Auch weil sie bei der ganzen ­Sache scheinbar nichts zu sagen haben. Dabei beschäftigt eine ganze Reihe Fragen: Warum etwa sei der Gemeinderat für die Deponie? Auf Anfrage stellt Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring klar: «Wir sind von den Plänen nicht begeistert, nehmen aber eine neutrale Haltung ein.» Deponien seien ein notwendiges Übel. Überall im Kanton werde gebaut: «Auch in Häggenschwil. Wir können den schwarzen Peter nicht immer den anderen zuschieben.»

Mehrverkehr wird die Weiler belasten

So müssen die Häggenschwiler etwa mit Mehrverkehr rechnen. Auch das bereitet Sorgen: Die beladenen Lastwagen dürfen die Rothenbrücke nicht überqueren. Sie können die Deponie also nicht von St. Pelagiberg her anfahren, sondern müssen an den Weilern Rohrenmoos und Schmitten vorbei. Es sei klar, dass die Emissionen durch den Verkehr zunehmen werden, sagt Eisenring. «Für die Betroffenen ist das nicht toll. Details haben wir aber noch nicht.»

Eine Nachfrage bei der Resdag Ressourcen und Deponien AG, der Betreiberin der Deponie, soll deshalb Klarheit bringen: Ist bereits klar, wie der Verkehr geleitet wird? Walter Schwarzkopf, Mitglied des Verwaltungsrats der Resdag, sagt: «Wir sind mitten in der Projektplanung. Dazu gehört auch ein Bericht, der den Verkehrsfluss für den Deponiebetrieb aufzeigt.» Mit Naturschutzverbänden werden laut Schwarzkopf zudem Fragen zur Ökologie sowie die Deponieform besprochen. Sobald die Planung abgeschlossen sei, würden zuerst die Grundbesitzer und danach die Direktanwohner der Deponie persönlich informiert. Anschliessend werde das Projekt dem Kanton zur Vorprüfung vorgelegt und dann die Häggenschwiler an einem Anlass informiert. Erst wenn dies geschehen sei, werde das Projekt bei der Gemeinde öffentlich aufgelegt: «Ziel ist es, dies Anfang 2018 zu tun.»

Zum Ablauf des Verfahrens gibt Tensing Gammeter, Leiter Sektion Abfall und Rohstoffe des kantonalen Amts für Umwelt, Auskunft: Laut ihm kann nur Einsprache einlegen, wer ein schutzwürdiges Interesse hat. «Oft wird das Thema Verkehr besonders kritisch betrachtet», sagt er. Für jedes Deponieprojekt müsse detailliert berechnet werden, wie stark die Belastung zunehme. Abgesehen von der Einsprache hat die Bevölkerung keine Entscheidungsmacht: Eine Abstimmung wird es nicht geben. Im Kanton werden Deponien mittels eines Sondernutzungsplanes bewilligt, der nicht dem fakultativen Referendum untersteht.

Danach wird die Wiese vielleicht aufgewertet

Eine Frage der Häggenschwiler ist auch, wie gross die Deponie wird. Im Gemeindeblatt vom Juli war die im Richtplan eingetragene Fläche von rund 50000 Quadratmetern abgedruckt, was sieben Fussballfeldern entspricht. Dass die gesamte Fläche im Richtplan eingetragen ist, heisst aber laut Gammeter nicht, dass die Deponie so gross wird. Möglicherweise werde ein Teil zu Ausgleichsflächen. «Der Betreiber ist verpflichtet, diese anzulegen.» Die Flächen müssen laut Gammeter etwa zehn Prozent der Deponiefläche messen. Denkbar seien etwa Magerwiesen oder aufgewertete Waldränder.

Ohnehin seien die ökologischen Anforderungen sehr hoch. Nachdem eine Deponie gefüllt ist, müssen bewaldete oder landwirtschaftliche Flächen wieder hergestellt werden. «Das Ziel ist, dass die Flächen danach ökologisch wertvoller sind, mindestens aber gleichwertig.»

Aushub in Tobel kippen ist heute nicht mehr zulässig

Der Kanton sei darauf angewiesen, dass neue Deponien errichtet werden. «Im Jahr fallen zwischen St. Gallen und Rorschach rund 450000 Kubikmeter Aushub an.» Damit könnte das Schwimmerbecken des Freibads Sonnenrain in Wittenbach etwa 143 Mal gefüllt werden. Derzeit sind in der Region zwei Deponien in Betrieb. Jene im Tüfentobel sei in etwa vier Jahren voll, und ­Underbüel bei Mörschwil dürfe wegen einer Vereinbarung nur bis 2022 betrieben werden, sagt Gammeter. «Eher früher als ­später brauchen wir neue Deponien.»

Standorte zu finden sei aber sehr schwierig, weil die Schweiz dicht bebaut ist. «Überall hat es schon etwas.» Ein Dorf, ein Gewässer oder Wald. Zudem sei es heute nicht mehr zulässig, ein Tobel zu füllen, sagt Gammeter und verweist auf das eingestellte ­Deponieprojekt Steinachtobel. «In fast jedem Tobel hat es ein Gewässer, und meistens wächst da auch noch ursprünglicher Wald.» Beides sei geschützt.

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